Europas einsamer Außenposten

"Wir haben hier nicht die warme Sonne des Südens und es gibt auch keine Badestrände", stellt Elin Hentze gleich am Anfang der Rundreise klar. "Dafür bieten unsere grünen Inseln wilde, unberührte Natur, die zum Wandern in den Bergen oder Bootstouren zu Vogelfelsen und Brandungshöhlen einlädt", sagt die Reiseführerin. Durch die abgeschiedene, einsame Lage haben sich auf den 18 Inseln, die offiziell zu Dänemark gehören, Natur, Landschaft und Umwelt in ihrer Ursprünglichkeit behaupten können wie wohl sonst nirgends in Europa.

Rund 120 000 Touristen besuchen jedes Jahr die Färöer, deren Name nichts anderes bedeutet als Schafsinseln. Die meisten Besucher kommen zum Wandern, wollen die unberührte Natur erleben. Dafür ist eine gute Ausrüstung wichtig. Bequeme Schuhe gehören dazu, aber auch Funktionskleidung für alle Wetterlagen. Zumeist wechseln sonnige Abschnitte mit Wolkenfetzen, die der Wind über die Inseln treibt. Mal sind sie schneeweiß, dann aber auch wieder düster und regenschwer.

Elin Hentze, alteingesessene Färingerin, begleitet die Besucher auf einer Wanderung nach Kirkjubøur. Zunächst geht es auf einem alten Bergpfad nach oben. Ein Blick zurück auf Tórshavn, dem Ausgangspunkt der sieben Kilometer langen Tour, und die Insel Nolsoy bieten die ersten schönen Fotomotive. Später zeigen sich zwei kleine Seen mit dunklem Wasser. Markierungen aus kleinen Steinpyramiden weisen den Weg nach Reynsmulalag. Wegen seiner guten Akustik werde ein von Steinen markierter Platz seit über 800 Jahren als Schauplatz für öffentliche Versammlungen genutzt, erfahren die Wanderer von Elin. Der steinige Pfad führt nach Süden und dann hinunter in den Ort Kirkjubøur.

Feiern in der Rauchstube

Drei Sehenswürdigkeiten gehören dort zum Besuchsprogramm. Dicht am Meer liegt die St.-Olavs-Kirche. 1111 erbaut und 1874 zur heutigen Form umgebaut, gilt sie als ältestes Gotteshaus der Inselgruppe. Etwas höher und weiter landeinwärts steht die mächtige Ruine der gotischen St.-Magnus-Kathedrale.

Gleich nebenan befindet sich der sogenannte Königsbauernhof. Das mit typischen Grassoden gedeckte Gebäude aus dem 12. Jahrhundert soll das älteste noch bewohnte Holzhaus Europas sein und wird in 17. Generation von der Familie Patursson bewirtschaftet. Öffentlich zugänglich ist die Rauchstube, heute ein kleines Museum mit historischen Haushaltsgeräten und Werkzeugen. Sie diente einst als Familientreffpunkt. Hier wurde gekocht, gefeiert, getanzt. In der Mitte flackerte das Holzfeuer. Der Rauch zog durch eine Öffnung im Dach ab. So war es warm und heimelig, auch zum abendlichen Geschichtenerzählen.

Am nächsten Morgen verspricht Elin Hentze eine Begegnung mit einem Riesen und einer Hexe. Gemeint sind zwei faszinierende Steinsäulen, die vor der Nordküste Eysturoys steil aus dem Wasser herausragen. Um Risin und Kellingin rankt sich eine Sage. Danach soll ein Riese mit seiner Trollfrau Island verlassen haben, weil es dort nichts mehr zu essen gab. Auf den Färöern fanden die beiden Nahrung. "Da Riesen und Trolle nur so vor Kraft strotzen, wollten sie die einsam im Meer liegenden Inseln einfach nach Island ziehen", erzählt Elin weiter. "Das konnte nur in der Nacht erfolgen. Sonnenlicht lässt die Sagengestalten nämlich versteinern. Und so kam es auch - bei ihrer anstrengenden Arbeit vergaßen sie die Zeit, wurden von der aufgehenden Sonne überrascht und erstarrten zu den beiden markanten Felsen von Tjørnuvík." Die beiden frei im Meer stehenden Säulen sind zusammen mit der imposanten Steilküste ein beliebtes Fotomotiv. Die Kameras klicken auch beim nächsten Stopp - dem höchsten Wasserfall der Färöer. Hier stürzt die Fossa eindrucksvoll in zwei Stufen über die 140 Meter hohen Felswände hinab.

"Jeder muss einen Helm aufsetzen", ruft der Bootsmann, als die Gäste in das schwankende Boot klettern. Sie haben eine Fahrt zu den Vogelklippen bei Vestmanna gebucht, und weil das Schiff auch langsam tuckernd in große Brandungshöhlen einfährt, ist der gelbe Plastikhelm Pflicht. Im Dunkel der Höhle ist es unheimlich - jeder Ton, den das vom Fels tropfendes Wasser und die Wellen der Brandung verursachen, vervielfachen sich durch das Echo. Die Luft schmeckt intensiv nach Salz und das schimmernde Licht schafft eine besondere Atmosphäre. Wieder auf dem offenen Meer, staunen die Touristen über Schafe und Ziegen, die an den steilen Hängen grasen. So mancher fragt sich, wie sie es auf die kleinen Felsvorsprünge geschafft haben.

Für Puffins ist das natürlich kein Problem. Der Papageientaucher lebt fast nur auf dem Wasser. Nur zum Nestbau, der Eiablage und zur Aufzucht der Jungen kommen sie an Land. Hier fühlen sie sich offensichtlich wohl, sind aber scheu und schöne Bilder gelingen nur mit einem guten Teleobjektiv.

Schafe auf dem Hof

Am Abend steht ein Besuch bei Oli und Anna auf dem Programm. Auf ihrem Hof grasen rund 200 Schafe. Für den Sozialarbeiter und die Krankenschwester sind die Tiere nur eine schöne Nebenbeschäftigung: "Schafe sind unser Leben. Sie gehören seit Wikingerzeiten zu den Färöern wie Berge und Meer", meint Oli. Heute haben die beiden ein fünfgängiges Menü vorbereitet - mit allem, was Hof, Garten und Meer hergeben. "Heimblidni" heißt das Programm, bei denen Besucher die Gastfreundschaft der Inselbewohner hautnah erleben können. Aufgetischt werden Fisch in allen Varianten und Lammfleisch, zubereitet mit frischen Kräutern. Dazu gibt es Kartoffeln, die einzige Feldfrucht, die im rauen Klima gedeiht, und natürlich Rhabarber. Zum Trinken gibt es Rhabarberwein, leichtes Bier oder einen Brennivin, den lokalen Schnaps mit Kultstatus. Prost! Detlef Berg

Infos im Internet unter www.visitfaroeislands.com

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare