1. Wetterauer Zeitung
  2. Ratgeber
  3. Karriere

Schulen sollen trotz Corona und Energiekrise offen bleiben

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schulklasse im Unterricht
Die Kultusministerinnen und -minister der Länder sicherten zu, dass es trotz aller Krisen keine Schulschließungen mehr geben soll. © Philipp von Ditfurth/dpa

Nach zweieinhalb Corona-Schuljahren soll das jetzige möglichst normal ablaufen. Das ist das Ziel der Kultusminister der Länder. Doch wie die Gesellschaft, stehen auch die Schulen aktuell vor großen Herausforderungen.

Berlin - Die rund elf Millionen Schüler in Deutschland sollen nach dem Willen der zuständigen Kultusminister der Länder trotz aller Krisen ein möglichst normales Schuljahr haben.

Die Ministerinnen und Minister sicherten nun bei ihren Beratungen in der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin zu, dass es keine Schulschließungen mehr geben soll, weder wegen einer möglichen Gasknappheit noch wegen Corona. Sie wollen sich zudem dafür einsetzen, dass die Schulen trotz der Energiekrise im Winter ausreichend beheizt werden.

Als wachsende Herausforderung bei schon bestehendem Lehrkräftemangel wird der anhaltende Anstieg der Schülerzahlen durch Zuwanderung gesehen - nicht nur durch ukrainische Flüchtlinge. Die Schulen kämen hier zunehmend an ihre Belastungsgrenze, sagte die KMK-Präsidentin und schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien.

„Schulen bleiben auf jeden Fall geöffnet“

Die CDU-Politikerin machte eine klare Ansage: „Schulen bleiben in diesem Herbst und Winter auch in der Energiekrise auf jeden Fall geöffnet.“ Das schulde man den Schülerinnen und Schülern als Gesellschaft nach zweieinhalb Jahren Pandemie. Schulen gehören wie auch Kitas, Kliniken, private Haushalte und andere Bereiche zu den gesetzlich geschützten Kunden, die im Falle eines Gasmangels vorrangig weiter mit Gas beliefert oder beheizt werden.

Da, wo es möglich sei, sollten Schulen einen Beitrag zum Energiesparen leisten. „Das gilt aber ausdrücklich nicht für das Herabsenken der Temperatur wie in anderen Bereichen. Kinder dürfen in Schulen nicht frieren“, fügte Prien hinzu. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, man werde sehr darauf drängen, dass in Zusammenarbeit zwischen Schulträgern, Kommunen, Bund und Ländern sichergestellt werde, dass Schüler im Unterricht nicht frieren, sondern gut lernen könnten.

„Leben mit dem Virus“

Schon im vergangenen Schuljahr hatte es großflächige Schulschließungen wegen Corona nicht mehr gegeben, allerdings viele Ausfälle von Lehrern und Schülern wegen Erkrankungen, Quarantäne- und Isolationsvorschriften. Rabe sagte unter Verweis auf jüngste Studienergebnisse, die zunehmende Rechtschreib-, Lese- und Matheschwächen bei Grundschülern gezeigt hatten, man müsse dafür sorgen, „dass die Schulen nie wieder geschlossen werden“. Zu den Sicherheitsmaßnahmen bei Corona dürften Schließungen und Wechselunterricht nicht mehr dazugehören.

Prien betonte, wie in allen anderen Lebensbereichen gelte jetzt die Devise „leben mit dem Virus“. Sie verwies auf eine hohe Immunität in der Bevölkerung durch Impfungen und durchgemachte Infektionen, auf mögliche Schutzmaßnahmen wie Impfen und Lüften und einen „Instrumentenkasten“ für „alle Eventualitäten“, mit dem die Länder „lageangepasst“ reagieren könnten. Möglich sind zum Beispiel Maskenpflichten in Schulen - aber nur ab Klasse fünf.

Steigende Schülerzahlen durch Flüchtlinge

Mehr als 193.000 ukrainische Kinder und Jugendliche haben sich inzwischen an Schulen in Deutschland angemeldet. Die Zahl könnte nach Schätzung von Rabe noch um mehrere Zehntausend steigen. Er geht davon aus, dass viele, die in Deutschland sind, sich noch nicht angemeldet haben. Die ukrainischen Kinder und Jugendlichen machten etwa die Hälfte der Geflüchteten an den Schulen aus, sagte KMK-Präsidentin Prien. Zunehmend kämen auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Teilen der Welt nach Deutschland.

Rabe warnte mit Blick auf „die veränderte Schülerschaft, die wir zweifellos haben“, man könne in der Bildung nicht mehr so weitermachen wie bisher. In Hamburg lebten mittlerweile 30 Prozent der Schüler in einer Familie, in der zu Hause kein Deutsch gesprochen werde. Um alle Schüler mitzunehmen, muss seiner Ansicht nach der Unterricht weiterentwickelt werden. Es brauche pädagogische Impulse. Rabe setzt nach eigenen Angaben große Hoffnung in ein Gutachten von Wissenschaftlern für die KMK, das für Dezember erwartet wird, in dem das Thema adressiert werden soll. dpa

Auch interessant

Kommentare