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Keine Seltenheit: 90 Prozent der Mitarbeiter rächen sich offenbar am Arbeitgeber

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Von: Franziska Kaindl

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Haben Sie auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, es dem Arbeitgeber auf die ein oder andere Weise heimzuzahlen? Damit stehen Sie wohl nicht alleine da.

Zu spät zur Arbeit erscheinen, Aufgaben langsam erledigen, Informationen unterschlagen – wenn Mitarbeiter mutwillig den Erfolg des Unternehmens torpedieren, kann das für den Arbeitgeber einen Schaden in Milliardenhöhe bedeuten, wie eine Studie offenbart, die 2021 im „Journal of Applied Psychology“ erschien. Ganze 90 Prozent der Arbeitnehmer in den USA geben demnach zu, von Zeit zu Zeit Rache an ihrem Arbeitgeber nehmen. Das Forscherteam geht davon aus, dass sich die Zahlen auch auf den europäischen und deutschsprachigen Raum übertragen lassen.

Gestresste Mitarbeiterin vor ihrem Chef.
Mitarbeiter, die sich ungerecht behandelt fühlen, zahlen es ihren Chefs oft auf andere Weise heim. (Symbolbild) © Andriy Popov/Imago

Warum wollen sich Mitarbeiter an ihrem Arbeitgeber rächen?

Die Auslöser für Rachegelüste bei den Mitarbeitern können vielfältig sein, doch im Grunde sind sie auf einen Vertrauensbruch zurückzuführen, wie die Forscher erklären. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Arbeitgeber seinen Angestellten gute Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen in Aussicht stellt, aber dann nicht einlöst. Oder wenn flexible Arbeitsregelungen wie Gleitzeit oder Homeoffice versprochen werden, nur um doch nichts zu ändern. Auch ein versprochenes höheres Gehalt, das dann plötzlich unter den Tisch fällt, bringt Mitarbeiter in Rage. Da sie aber am kürzeren Hebel sitzen, können Angestellte an dem unmittelbaren Ärgernis nicht immer etwas ändern. Daher überlegen sie sich subtile Möglichkeiten, um sich zu revanchieren. Sie zeigen weniger Engagement, beeilen sich bei wichtigen Projekten nicht mehr oder ignorieren die Anweisungen der Chefs.

Forscher empfehlen Achtsamkeitstraining

Laut den Studienautoren können Unternehmen der Rache ihrer Mitarbeiter vorbeugen, indem sie ein Achtsamkeitstraining anbieten. In den USA ist das bereits bei 22 Prozent der Arbeitgeber der Fall. Die Trainings hätten bewirkt, dass sich das feindselige Verhalten nach einem Vertrauensbruch reduzierte. Der Sinn eines Achtsamkeitstrainings ist, sich den eigenen Gedanken und Gefühlen bewusst zu werden, ohne diese zu bewerten. Es hilft den Teilnehmern dabei, Erfahrungen von der eigenen Person abzukoppeln und somit nicht mehr persönlich zu nehmen. Das verhindert eine zu impulsive und emotionale Reaktion auf Ungerechtigkeiten. In der Folge betrachten Betroffene die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln und sind bereit, mildernde Faktoren gelten zu lassen oder alternative Lösungen zu akzeptieren.

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Gleichzeitig sollte Unternehmen aber auch bewusst sein, dass ein Achtsamkeitstraining alleine nicht genügt, um Mitarbeiter wieder zu beschwichtigen. Es soll nicht als Instrument genutzt werden, um weiterhin Vertrauensbrüche zu begehen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Negative Erfahrungen am Arbeitsplatz sind nicht immer zu vermeiden – ein Achtsamkeitstraining kann aber dabei helfen, mit diesen produktiv umzugehen.

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