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Kündigung: Jetzt erst mal durchatmen – und sich mit der Jobsuche Zeit lassen

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Von: Anna Heyers

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Nach einer Kündigung möchte man oft so schnell wie möglich wieder in einen neuen Job, besonders in der aktuellen Zeit. Aber das ist so nicht immer der richtige Weg.

Für viele Menschen kommt die Kündigung durch den Arbeitgeber relativ überraschend. Danach folgt meistens die Zeit der Kündigungsfrist, in der die Stimmung beim noch-Arbeitnehmer oft tiefer und tiefer sinkt. Um dem entgegenzuwirken, stürzt sich der Entlassene vielleicht in die Jobsuche. Vielleicht auch, weil die aktuelle Lebenssituation durch Inflation und Kristen geprägt ist. Das Ziel: Möglichst schnell eine neue Stelle finden, am besten gut bezahlt. Aber: Ist das wirklich der richtige Weg?

Entlassung: Warum Sie die Jobsuche nicht überstürzen sollten

Selbst für den besten Mitarbeiter kann eine Entlassung anstehen, wenn etwa das Unternehmen schlecht läuft, sich in eine neue Richtung orientiert oder schließen muss. Es kann im Grunde als jeden Arbeitnehmer treffen. Nach dem Erhalt des Kündigungsschreibens stürzen sich einige fast sofort auf den Jobmarkt. Das fällt auch Ellen Taaffe auf: „Viele Menschen neigen instinktiv dazu, sofort aktiv zu werden“. Taaffe ist Assistenzprofessorin und Leiterin der Programme für Frauen in Führungspositionen an der Kellogg School in Evanston (Illinois, USA). Im Gespräch mit Business Insider (BI) sagte sie weiter, dass diese Hektik kontraproduktiv sei und man sich viel eher auf die eigenen Wünsche konzentrieren soll.

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Sie meint außerdem, dass der Rat, die Stellensuche wie eine Vollzeit-Beschäftigung zu behandeln, völlig veraltet sei. Denn auf diese Weise kann schnell Druck entstehen und vielleicht wird dann die erstbeste Stelle angenommen. Ohne zu wissen, ob das wirklich die richtige für einen selbst ist.

Zeit nehmen, um neue Perspektiven zu schaffen

Taaffe verrät im Gespräch mit BI drei Tipps, wie man am besten mit einer Entlassung umgeht. Ein Tipp ist dabei der Perspektivwechsel. Die Zeit nach dem Erhalt der Kündigung, ob erwartet oder nicht, ist schwierig und häufig emotional. Wut, Fassungslosigkeit, Scham, vielleicht auch Erleichterung – was Sie fühlen, wissen nur Sie. Es ist wichtig, diese Emotionen zuzulassen und sich selbst Zeit zu nehmen. Ellen Taaffe rät hier zu Abstand: „Wenn man sich die Zeit nimmt, um nachzudenken, Sport zu treiben, Zeit in der Natur zu verbringen oder Hobbys wieder aufleben zu lassen, kann man neue Perspektiven gewinnen und wieder ein Gleichgewicht herstellen. Sogar ein Wochenendtrip zu Freunden oder Verwandten kann dabei helfen, wieder aufzuatmen und neue Kraft zu tanken.“

Die finanzielle Lage ist zugegeben nicht für jeden einfach, müssen doch auch Fixkosten bezahlt werden. Sofort nach dem Wissen um die Entlassung, und nach Möglichkeit drei Monate vor Ende der Kündigungsfrist, sollte deshalb das zuständige Arbeitsamt in Kenntnis gesetzt werden.

Prioritäten auflisten – und überdenken

Bevor Sie zur neuen Stelle blicken, machen Sie sich einmal klar, was Sie am alten Job mochten. Zusätzlich schreiben Sie auch Wünsche auf, was Sie sich für die neue Stelle wünschen. Soll vielleicht Homeoffice nicht möglich, das Büro anders gelegen sein oder arbeiten Sie lieber in einem kleinen Team? Taaffe rät hier laut Business Insider zu einer Liste mit zehn Prio-Punkten. Während der Jobsuche sollten Sie nun die Angebote dort mit Ihrer Liste vergleichen. Dabei ist sich die Assistenzprofessorin durchaus bewusst, dass wohl kein Job zu 100 Prozent passen wird. Aber dank der eigenen Liste könne man erkennen, welche Aspekte vielleicht sogar ein Ausschlusskriterium seien. Im Zweifel kann man hier beim Bewerbungsgespräch auch nochmal direkt nachhaken.

Das eigene Netzwerk nutzen

Der Großteil der Menschen hat ein Netzwerk um sich, das helfen kann. Das können ehemalige Kollegen sein, Kommilitonen, Freunde oder Familienmitglieder. Auch gute Kundenkontakte der Vergangenheit können nun vielleicht entscheidende Vorteile bringen. Hier lohnt es sich, das eigene Netzwerk nie ganz zu vergessen. „Nach einer Entlassung neigen Menschen dazu, ihr Netzwerk nicht mehr so schnell aus den Augen zu verlieren“, so Taaffe laut BI. „Aber wenn man zum ersten Mal in so einer Situation ist, kann es Überwindung kosten, diese Beziehungen zu reaktivieren.“

Dann sollte man allerdings über seinen Schatten springen, die Pause zur Kenntnis nehmen und einfach mal „hallo“ sagen. Ist der Anfang gemacht, wird von der Entlassung erzählt und gefragt, wie das Gegenüber mit seiner Erfahrung helfen könnte. Wer das Persönliche nicht ganz so mag, kann auch einfach in einem Online-Netzwerk wie Xing oder Linkedin um Hilfe und Tipps bitten. Die meisten können sich in die Situation hineinfühlen und geben gerne Ratschläge.

Ein neuer Weg: Wo wollen Sie in Zukunft hin?

Allen Tipps gemein, ist die Zeit, die man sich nach einer Entlassung nehmen sollte. Zum einen, um sich selbst klar zu werden, was man genau möchte und wie man das erreichen könnte. Vielleicht wäre eine Umschulung denkbar? Oder bestimmte Fertigkeiten, die nötig für einen neuen Job sein könnten, müssen erlernt werden? Dann kann auch das Arbeitsamt ein guter Ansprechpartner sein. Dort werden immer wieder Weiterbildungsangebote ausgeschrieben.

Ein Geschäftsmann geht einen Flur hinunter.
Eine Kündigung seitens des Unternehmens kann jeden treffen. Wichtig ist, sich danach klarzumachen, was man für den nächsten Job möchte und die Situation als Chance zu sehen. (Symbolbild) © Robijn Page/Imago

Zeit sollte man sich auch nehmen, wenn man mit Personen spricht, die vielleicht vor Kurzem den Job oder die Branche gewechselt haben und auch auf das Bewerbungsgespräch sollt man sich gut vorbereiten. Schließlich möchte nicht nur der Personaler Sie, sondern auch Sie das Unternehmen kennenlernen.

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