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Wer braun werden möchte, sollte sich langsam herantasten und sich nicht ohne Sonnenschutz der UV-Strahlung aussetzen.

Dermatologe klärt auf

Von wegen von der Sonne geküsst: Darum färbt sich Ihre Haut wirklich braun

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Nur wer richtig braun ist und in der Sonne gebrutzelt hat, hat auch einen guten Urlaub gehabt. Das ist noch immer die Denke vieler Deutscher. Doch Dermatologen warnen.

Für viele gehört ein sonnengeküsster Teint zum Schönheitsideal – wer schließlich braun gebrannt ist, wirkt schlanker, die Haut reiner und der Teint gesünder. Daher heißt es für manche Deutsche im Urlaub so viel Sonne tanken wie möglich. Doch exzessives Sonnenbaden ist gefährlich, warnen immer wieder Dermatologen.

Schließlich erhöht es die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken. Besonders dann, wenn man sich stundenlang in der Sonne aufhält – und zuvor keine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor aufgetragen hat. Dann ist die Haut der schädlichen UV-Strahlung ausgeliefert – und ein fieser Sonnenbrand oder Schlimmeres ist die Folge.

Dermatologen warnen: Haut wird nur deshalb braun, um den Körper zu schützen 

Was viele nämlich nicht wissen: Die so heiß ersehnte Bräune bildet unsere Haut nur deshalb, um sich gegen die Ultraviolettstrahlung zu schützen. Dazu produziert sie Pigmente, die die Haut bräunlich färben. Das heißt nicht, dass Sie nun für immer im Schatten Ihr Dasein fristen sollen, dennoch sollten Sie in Zukunft vorsichtiger sein, raten Hautärzte.

Auch tragisch: Nach Solariumsbesuch: So sieht dieses junge Model nicht mehr aus.

Das bedeutet konkret: sich langsam an die Sonneneinstrahlung gewöhnen und vor dem Sonnenbaden immer Sonnenschutz von mindestens LSF 30 bis 50 auftragen. Dieser sollte im besten Falle sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlen schützen. So rät Facharzt Professor Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum gegenüber dem Kölner Express: "Lieber am Anfang des Urlaubs in den Schatten gehen und auf etwas verzögerte Bräunung setzen."

Doch Vorsicht: Benutzen Sie Sonnencreme mit chemischen Filtern (wie Tinosorb S oder Avobenzone), warten Sie am besten etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Auftrag ab, bis Sie sich der Sonne aussetzen. Erst dann kann ein umfassender Schutz gewährleistet werden. Auch wenn die ominöse UV-Strahlung für uns unsichtbar scheint, brennt sie sich in unsere Haut umso mehr ein.

"Wir sehen das Licht, wir spüren die Wärme, doch für die UV-Strahlung gibt es kein Sinnesorgan. Das erschwert die richtige Einschätzung der UV-Intensität. Wind, Wasser oder ein wolkenbedeckter Himmel können schnell über eine hohe Intensität hinweg täuschen. Die Folge sind UV-Schäden, Sonnenbrände und Hautkrebs."

Erfahren Sie hier: Hautkrebsgefahr: Diese Muttermale, Leberflecke & Co. können gefährlich sein.

Schwarzer und weißer Hautkrebs: So erkennen Sie bösartige Tumore

Allein in Deutschland sollen etwa 300.000 Menschen jährlich neu an einem Tumor der Haut erkranken. 35.000 davon am aggressiven, malignen Melanom, der auch als "schwarzer" Hautkrebs bezeichnet wird. "Schwarzer Hautkrebs entsteht vor allem durch schwere Sonnenbrand-Schädigungen in der Kindheit oder auch familiäre Vorbelastungen", erklärt Prof. Uwe Reinhold.

Obwohl er sich so rasant im Körper ausbreiten kann, wird er oft viel zu spät erkannt und behandelt. Heller bzw. weißer Hautkrebs dagegen bezeichnet zwei bösartige Tumore, den Basalzellkrebs und den Stachelzellkrebs. Zwar bildet er kaum Metastasen, dennoch kann er sich ohne Therapie auf den ganzen Körper ausbreiten. Gängige Hautstellen, an denen ein weißer Hautkrebs auftreten kann, sind vor allem im Gesicht. Unter anderem auf:

  • Stirn
  • Nase
  • Ohren
  • Nacken
  • Kopfhaut

Auch diese werden oft zu spät erkannt, da die Tumore meist rötlich bis hautfarben sind und oft mit Wunden oder Ekzemen verwechselt werden. Werden sie nicht behandelt, können sie sich in den Körper fressen und dort Knochen sowie Knorpel angreifen. Ein Besuch beim Hautarzt sollte allerdings Klärung schaffen. Oftmals werden sie dann chirurgisch entfernt.

Lesen Sie auch: Haben Sie diesen Streifen auf dem Fingernagel? Dann ab zum Arzt.

jp

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

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