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Minimalinvasive Methoden ermöglichen es Chirurgen, auch ältere Menschen zu operieren. Der Einsatz von Kunsthüften bei Hochbetagten stellt oft kein unvertretbares Risiko mehr dar. Foto: Armin Weigel

Schonender Eingriff

Minimalinvasive OP verhilft Hochbetagten zu neuer Hüfte

Die Zahl der Senioren steigt - und die Medizin hat Fortschritte gemacht. Ärzte können Patienten auch in hohem Alter noch mit Operationen helfen, die früher als zu gefährlich galten.

München (dpa) - Mit 80 eine neue Hüfte oder eine Darm-OP: Immer öfter setzen Chirurgen auch bei hochbetagten Patienten das Messer an.

Wurden früher etwa Krebspatienten in höherem Alter jenseits der 75 kaum noch operiert, könnten heute bei diesen Menschen Tumore an Speiseröhre, Darm, Magen und Leber oft minimalinvasiv und somit schonend entfernt werden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Matthias Anthuber, am Rande des 136. Chirurgenkongresses in München (26. bis 29. März).

"Wir machen heute erfolgreiche Krebsoperationen bei Patienten im achten und neunten Lebensjahrzehnt", sagte Anthuber, der den Kongress als Präsident leitet. "Gerade die Entwicklung von minimalinvasiven Methoden hat die Belastungen für ältere Patienten reduziert." Es gebe weniger Wundinfektionen und Schmerzen. Studien zeigten dabei keine höhere Gefahr einer Rückkehr des Krebses als bei herkömmlichen OP-Methoden. Auch bessere Narkosetechniken und Intensivtherapien machten Eingriffe bei älteren Menschen sicherer. Zudem würden sie gemeinsam mit Altersmedizinern gezielter auf die OP vorbereitet.

Speziell Darmkrebs trete meist in höherem Lebensalter auf. Von jährlich 55.000 Neuerkrankten in Deutschland seien 20 Prozent über 75 Jahre alt. 30 bis 40 Prozent der Eingriffe bei Darmkrebs würden bereits minimalinvasiv gemacht. "Das ist noch steigerungsfähig. Wir sind hier den Nachbarländern deutlich hinterher", sagte Anthuber.

Auch Rücken-OPs und Kunsthüften stellten bei sorgfältiger Prüfung des Einzelfalles für hochbetagte Patienten oft kein unvertretbares Risiko mehr dar. "Wir können heute über 80-Jährigen guten Gewissens neue Hüft- oder Knieprothesen einsetzen, weil wir wissen, wie wir die mit einer Operation verbundenen Risiken für Herzinfarkt und Lungenentzündung wirkungsvoll senken", sagte Anthuber. "Das kalendarische Alter ist für uns ein Anhaltspunkt, wie fit ein Mensch sein könnte. Es gibt aber 80-Jährige, die wirken wie 65. Warum sollte man diesen Menschen eine OP mit Aussicht auf bessere Lebensqualität vorenthalten?"

Nach dem Krankenhausreport der Barmer Ersatzkasse von 2017 stieg gemäß DGHC-Angaben die Zahl der Klinikpatienten über 70 Jahre von 2006 bis 2015 um 80 Prozent. Experten rechnen mit weiterem Zuwachs.

Chirurgenkongress in München

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