Eine Infektion mit Coronaviren kann eine gefährliche Kettenreaktion auslösen.
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Eine Infektion mit Coronaviren kann eine gefährliche Kettenreaktion auslösen.

Lebensgefährliche Verläufe durch Inflammaging?

Das passiert bei einer Coronavirus-Infektion im Körper

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Das Immunsystem der meisten Menschen bekämpft eine Coronavirus-Infektion erfolgreich - doch bei manchen löst Sars-CoV-2 eine gefährliche Kettenreaktion aus.

  • Mediziner berichten von Covid-19-Fällen, deren Verlauf einem grippalen Infekt ähneln. 
  • Wer Vorerkrankungen hat oder raucht läuft allerdings Gefahr, dass eine Coronavirus-Infektion einen bedrohlichen Verlauf nimmt. 
  • Erfahren Sie hier, wie der Körper auf eine Infektion reagiert. 

"Die Krankheitsverläufe sind unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum „typischen“ Krankheitsverlauf machen": Dieser Vermerk des Robert Koch-Instituts zum Krankheitsverlauf von Coronavirus-Infektionen trifft es auf den Punkt. Je nach Gesundheitszustand und Alter eines Covid-19-Patienten unterscheiden sich die Krankheitsverläufe enorm. 

Dringen Coronaviren in den Körper ein, wird das Immunsystem aktiviert und bekämpft die Erreger. In den meisten Fällen wird die körpereigene Abwehr mit dem neuartigen Coronavirus fertig - im schlimmsten Fall kommt es zu einer tödlichen Kettenreaktion.

Können Coronaviren das Immunsystem verrückt spielen lassen?

"Im Gegensatz zu Grippe- und Erkältungsviren können Coronaviren dafür sorgen, dass das Immunsystem verrückt spielt und dabei gleich mehrere Organe im Körper schädigen. Der aktuelle Virus Sars-CoV-2 ist in seiner schweren Verlaufsform keine Ausnahme", informiert das Portal National Geographic. Doch wie richtig ist diese Behauptung? Wissenschaftler forschen aktuell fieberhaft, wie das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 aufgebaut ist und wie es im Körper wirkt. 

"Sars" steht für "Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom", es handelt sich also um Erreger, die für die Atmung zuständige Organe befallen. Dazu zählen Lunge und Bronchien. Kämpft die körpereigene Abwehr gegen die Viren, kommt es zu typischen Symptomen* wie Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Schwindelgefühl. Die Infektion kann allerdings in einer schweren atypischen Lungenentzündung mit akuter Atemnot und starkem Husten gipfeln, wie das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung meldet

Lesen Sie auch: Coronavirus: Deshalb sind auch jüngere Menschen von schweren Covid-19-Verläufen betroffen.

Coronavirus-Infektion: Körpereigene Abwehr wird aktiviert

Dringt das Virus über Schleimhäute von Mund, Augen oder Nase in den Körper ein, kann es mehrere Organe gleichzeitig befallen und sich dort vermehren, wie Wissenschaftler der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan herausgefunden haben. Verantwortlich dafür ist das Enzym Furin: Nur wenn das Coronavirus diese Eiweißstruktur auf der Oberfläche von Zellen vorfindet, kann es in die Zelle eindringen und sich dort vermehren. Wissenschaftler versuchen nun herauszufinden, ob man durch Blockieren des Furin-Enzyms verhindern kann, dass das Virus in die Zellen eindringt, wie die Welt berichtet. 

Generell gehen Mediziner davon aus, dass ein gesundes Immunsystem mit dem neuartigen Coronavirus zurecht kommt und dieses erfolgreich eliminieren kann. Dringen Krankheitserreger wie Sars-CoV-2 in den Körper ein, setzt eine natürliche Abwehrreaktion ein: Das Immunsystem wird durch Antigene (körperfremde Substanzen wie Eiweiße auf der Oberfläche von Viren) aktiviert, indem diese an spezielle Rezeptoren von Abwehrzellen andocken. Diverse Zellprozesse werden in Gang gesetzt, die die Krankheitserreger unschädlich machen sollen.

Hat das Immunsystem bereits Informationen über das Virus oder das Bakterium gespeichert, das es gerade bekämpft - etwa durch eine Infektion mit dem selben Erreger im Vorjahr - kann es auf diese zurückgreifen. In dem Fall kann der Körper bereits auf eigens produzierte Antikörper zurückgreifen. Da die meisten Menschen allerdings noch keinen Kontakt mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hatten, greift diese erworbene Immunabwehr nicht. Das angeborene Immunsystem wird stattdessen aktiviert. Auch als unspezifisches Abwehrsystem bezeichnet, setzt es sogenannte Fress- und Killerzellen frei, die schädliche Substanzen eliminieren sollen. 

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Inflammaging könnte Überreaktion der körpereigenen Abwehr begünstigen

Verläuft die Abwehrreaktion des Körpers geordnet, können normal geartete Viren vom Immunsystem in der Regel erfolgreich bekämpft werden. Kommt es allerdings zu einer Überreaktion der körpereigenen Abwehr, kann dies gefährliche Folgen haben. 

Dass es durch die aktuelle Coronavirus-Pandemie vor allem bei älteren und vorkranken Menschen zu lebensgefährlichen und tödlichen Verläufen kommt, erklären sich Immunologen damit, dass deren Immunsystem zu stark auf den neuartigen Erreger anspricht. Extrem heftige Krankheitssymptome sind die Folge der Überreaktion. Das sogenannte "Inflammaging" soll dafür verantwortlich sein: Mit dem Alter sammeln sich viele Defekte im Körper an, die körpereigene Abwehr ist dauerhaft alarmiert und es kommt zu vielen kleinen, unbemerkt ablaufenden Entzündungsreaktionen, wie die Welt schreibt. Ein neuer und zudem fremdartiger Erreger könne dafür sorgen, dass das Immunsystem eine Kettenreaktion in Gang setzt, die lebensgefährliche Folgen haben kann. Inwieweit die "Inflammaging"-Theorie richtig ist, muss jedoch noch weiter erforscht werden. 

Mehr Quellen: www.nationalgeographic.de; www.rki.de; www.welt.de; www.gesundheitsinformation.de

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jg

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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
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Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
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Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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