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Neue Midijob-Grenze: Mehr Geld ab 2023 – doch Handwerk fühlt sich schikaniert

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Von: Jasmin Farah

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Viele Midijobber sind im Lebensmittelhandwerk tätig. 2023 sollen sie weiter entlastet werden. Doch Handwerksbetriebe kritisieren das scharf.

Das Bundeskabinett hat für 2023 eine Erhöhung der Midijobgrenze beschlossen. Hierbei handelt es sich im Gegensatz zur geringfügigen Beschäftigung (Minijob) um ein Beschäftigungsverhältnis mit einem Arbeitsentgelt oberhalb der Minijobgrenze. Letztere ist von 450 Euro monatlich auf 520 Euro im Zuge des dritten Entlastungspakets angehoben worden.

Neue Midijob-Grenze: Mehr Geld ab 2023 - doch Handwerk fühlt sich schikaniert

Arbeitnehmer, die darüber verdienen und sich somit in einem „Übergangsbereich“ befinden, haben bis 30. September 2022 bis 1.300 Euro verdienen dürfen. Seit dem 01. Oktober sind es nun bis 1.600 Euro und zum 01. Januar 2023 soll die Obergrenze auf 2.000 Euro angehoben werden. Das betrifft vor allem Beschäftigte im Lebensmittelhandwerk sowie Textil- und Gebäudereiniger.

Eine Bäckerei-Aushilfskraft sortiert Brot.
Viele Midijobber arbeiten im Lebensmittelhandwerk. ©  Kzenon/Imago

Außerdem sollen Midijobber weniger Sozialversicherungsbeiträge künftig leisten müssen. Dadurch will Arbeitsminister Hubertus Heil (49, SPD) Menschen mit geringem Einkommen gezielt unterstützen, die höheren Lebenshaltungskosten abzufedern. Doch Handwerksverbände kritisieren das scharf. Laut der Deutschen Handwerks-Zeitung empfinden Betriebe dies als „Unding“, weil „Arbeitgeber würden dadurch unnötig belastet“.

Die Erhöhung fände auf Kosten der Arbeitgeber statt, was diese nicht gutheißen können. Schließlich würde sie vor allem Betriebe treffen, die von Teilzeitkräften abhängig sind. Letztere würden aber infolgedessen für manche schlichtweg zu teuer, was zu finanziellen Engpässen führen könnte.

Neue Midijob-Grenze: Mehr Geld ab 2023 - Handwerk befürchtet finanzielle Einbußen

Darüber hinaus stellt das Handwerk die Entlastung infrage, da Beschäftigte am Ende nur wenig von den geringeren Sozialversicherungsbeiträgen profitieren würden, meint Gerhard Schenk, Präsident des Konditorenhandwerks.

Bislang mussten Arbeitgeber im Midijobbereich etwa 20 Prozent an Sozialabgaben leisten. Diese haben sich zum 01. Oktober ebenfalls erhöht. Nun liegen sie ab der neuen Untergrenze von 520 Euro bei rund 28 Prozent. Bis zur Grenze von 1.600 Euro nehmen sie linear bis auf 20 Prozent wieder ab.

Aber: Für Midijobber nimmt der Anteil der Sozialabgaben in diesem Bereich linear zu und liegt dann mit dem der Arbeitgeber erst wieder bei 1.600 Euro gleich auf. Steigt die Midijobgrenze 2023 bis auf 2.000 Euro, wird es allerdings für die Arbeitnehmer wiederum günstiger, doch Arbeitgeber zahlen zu ihrem Unmut drauf. Wie der Bundesarbeitsminister dieses ungleiche Verhältnis dann lösen will, wird sich spätestens im kommenden Jahr zeigen.

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