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Kreditentscheidungen sind trotz standardisierter Angebote am Ende individuell. Ein Experte erklärt im Interview, auf was es dabei ankommt.

EXPERTENINTERVIEW

Kredit ja - aber richtig – wie die Kreditaufnahme ein Erfolg wird

Deutschland ist ein Land der Sparer. Mit der aktuellen Situation bei den Sparzinsen sind aber auch Kredite derzeit sehr günstig. Warum nicht den neuen TV fürs Wohnzimmer über ein Darlehen finanzieren? Doch was ist dabei zu beachten?

Die Suche nach dem richtigen Angebot ist jedoch nicht immer leicht. Fabian Krüger von Bon-Kredit erklärt im Interview, auf was es bei der Suche nach einer Finanzierung ankommt. Und warum im Alltag einige Haushalte einfach immer wieder ins Fettnäpfchen tappen – obwohl dies durchaus zu vermeiden wäre. Deshalb direkt unsere erste Frage an den Experten: 

„Ist die Auswahl von Kreditangeboten wirklich so schwierig, wie sie erscheint?“ 

„Die Antwort lautet eher Ja und Nein. Bei einer Kreditentscheidung generell von sehr schwierig zu sprechen, ist zu pauschal. Grundsätzlich hat jeder Haushalt dabei sehr individuelle Ansprüche und geht an die Suche nach passenden Darlehen mit seinen persönlichen Rahmenbedingungen heran.

Eine Familie mit zwei Kindern und mittleren Einkommen muss Finanzierungen anders planen als ein Paar, bei dem beide in Führungspositionen beschäftigt sind. Letztlich besteht die Schwierigkeit eher darin, alle Bedürfnisse und Ansprüche unter einen Hut zu bekommen.“

„Man sollte sich also zunächst seine Wünsche und die möglichen Rahmenbedingungen klar abstecken?“

„Genau! Ausschlaggebend ist auch, was finanziert werden soll. Bei einem Fernseher für 1.500 Euro fällt die Entscheidung leichter als beim Modernisierungskredit fürs Haus oder dem Immobilienkredit.

Letztere bewegen sich schließlich in einer Größenordnung, wo am Ende alles passen muss. Ein Fehler bei den Bereitstellungszinsen oder der Sondertilgung – und der Kredit wird gleich sehr viel teurer. Diese individuellen Maßstäbe machen es am Ende nicht immer einfach, passende Kredite in der Kürze der Zeit zu finden.“

„Kommen wir zu den Anbietern. Sind Online-Kredite den Filialbankkrediten vorzuziehen?“

„Nein, es ist schlicht falsch Darlehen aus Filialbanken als generell nachteilig darzustellen. Auch sie können im direkten Vergleich mit Onlinebanken durchaus gute Produkte anbieten. Onlineanbieter haben dennoch gewisse Vorteile und können oft bessere Konditionen durch eine etwas schlankere Struktur realisieren.

Filialbanken legen manchmal nicht alle Finanzierungskonditionen offen oder tun dies erst im Beratungsgespräch. Für Onlinebanken ist Transparenz auf der anderen Seite wichtiger Schlüssel zum Erfolg.“

„Man sollte also immer mehrere Optionen vergleichen?“

„Generell gilt für jeden Interessenten an einer Finanzierung, dass alle Angebote zu prüfen sind. Gerade beim Thema Hauskredit lohnt es sich, den Blick über den Tellerrand zu wagen. In den zurückliegenden Jahren haben auch andere Investoren – wie Versicherer – Hauskredite für sich entdeckt. Und die Konditionen sind durchaus mit denen der Banken konkurrenzfähig.“

„Auf was ist dann gerade bei den Konditionen zu achten?“

„Das allererste Schlagwort ist natürlich der Zins. Je niedriger gleich umso besser darf allerdings nicht gelten. Kredite sind immer als Gesamtpaket zu betrachten. Eine Finanzierung von 1.500 Euro ist sehr schnell zurückgezahlt, Konditionen wie Bereitstellungszins oder Sondertilgung fallen hier kaum ins Gewicht.

Je höher ein Kredit allerdings wird, umso stärker muss der Fokus vom Zins weggehen. Die Rahmenbedingungen werden dann auch wichtig.“

„Und welche sind das?“

„Hier sollte man sich verschiedene Fragen stellen:

  • Sind Sondertilgungen möglich?
  • Gibt es die Möglichkeit der Ratenpause?
  • Wie lange ist die Laufzeit des Darlehens?

Gerade im Detail stecken mitunter Kostenfallen. Einfaches Beispiel: Ein Kreditnehmer bekommt einen Hauskredit, kann diesen aber erst sechs Monate verspätet abrufen. Bei einigen Banken sind bereits vier Monate Bereitstellungszinsen fällig geworden. Andere Kreditinstitute halten immer noch die Füße still.“

„Man sollte also die eventuell zusätzlich anfallenden Kosten genau durchrechnen. Was gibt es denn für Angebote für Interessenten mit angeschlagener Bonität? Sind Darlehen ohne SCHUFA unseriös?

„SCHUFA ist für viele Kreditnehmer ein „Unwort“, das Ängste auslöst. Leider häufig zu Unrecht, da die SCHUFA durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Sie will ihre Vertragspartner vor Ausfallrisiken schützen und hat dafür das Scoring System geschaffen. Das Ganze kann auch anders gesehen werden: Wer in der Vergangenheit über seine Verhältnisse gelebt hat, bekommt so leicht keinen neuen Kredit – was in gewisser Weise vor neuen Schulden schützt.

Kredite ohne SCHUFA auf der anderen Seite als per se unseriöses Angebot zu bezeichnen, wird der Situation genauso wenig gerecht. Fakt ist, dass die Konditionen mancher Anbieter in den Bereich Wucher gehen und teils Produkte miteinander verknüpft werden, die in einer solchen Kombination Anlass zu Kritik geben. Gibt es tatsächlich den Wunsch, einen SCHUFA-freien Kredit abzuschließen, müssen die Konditionen intensiv geprüft werden.

Übrigens: Kredit ohne SCHUFA bedeutet nicht, dass Kreditgeber auf Bonitäts- und Einkommensprüfung verzichten. Beide Elemente sind auch in diesem Segment Standard.“

„Hat man also ein passendes Angebot gefunden, wie lange dauert es im Normalfall, bis ein Kredit ausgezahlt wird?“

„Die Formulierung ist leider unglücklich gewählt. Zuerst müssen wir definieren, was der Normalfall ist. Viele Onlineanbieter arbeiten heute mit Video-Ident im Vergabeprozess. Damit wird das Ganze natürlich einfacher. Aber: Unterlagen zum Einkommen usw. müssen trotzdem noch zur Bank.

Im Regelfall sind alle Aussagen vorbehaltlich der Prüfung dieser Dokumente. Jedem Kreditnehmer sollte an diesem Punkt klar sein, dass Prüfung, Zusage und Überweisung des Darlehensbetrags auch heute meist noch mehrere Werktage in Anspruch nehmen können. Es gibt natürlich einige Darlehen – gerade im Bereich der Mini-Kredite – die schneller ausgezahlt werden.

Auf der anderen Seite muss aber auch klar sein, dass längere Wartezeiten realistisch sind. Nehmen wir den Immobilienkredit. Hier geht es nicht nur um die Bank – auch Notar und Grundbuchamt haben ihre Finger mit im Spiel.“

Fazit: Kredite sind keine Bauchentscheidung

In Deutschland werden jeden Tag Kredite abgeschlossen. Ein Teil der Haushalte entscheidet aus dem Bauch heraus und unterschreibt vorschnell Verträge, ohne im Detail die Konditionen zu prüfen. Dabei ist es durchaus einfach, passende Kredite zu finden. Wichtig ist jedoch immer, sich der eigenen Situation klar zu werden und zu hinterfragen, wieviel Kredit sich die Haushaltskasse eigentlich leisten kann. So lassen sich Schuldenfallen zuverlässig vermeiden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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