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„Als das Böse kam“ von Ivar Leon Menger – vom Schreibtrauma zum Thrillererfolg

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Von: Sven Trautwein

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„Als das Böse kam“ ist einer der Spitzentitel auf der Frankfurter Buchmesse. Ein Thriller, der es mit anderen Bestsellern locker aufnehmen kann. Mein Buchtipp. Test

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Dass sein Debütroman „Als das Böse kam“ zu einem der Spitzentitel auf der Frankfurter Buchmesse werden sollte, ist für Ivar Leon Menger an manchen Tagen noch schwer zu glauben. Als Hörspielproduzent hatte er in den vergangenen Jahren mit „Monster 1983“ und „Ghostbox“ 1983 große Erfolge gefeiert. Doch er wollte auch immer gern ein Buch schreiben. Die Kenntnisse über Bildsprache und Dialogformen erleichterten ihm den Einstieg.

„Als das Böse kam“: Über das Buch

Cover zum Thriller „Als das Böse kam“ von Ivar Leon Menger
Ivar Leon Menger „Als das Böse kam“ © dtv

Sie leben in völliger Isolation tief in den Wäldern einer kleinen Insel: Mutter, Vater und zwei heranwachsende Kinder in einer Blockhütte, das Festland ist in der Ferne kaum sichtbar. Die 16-jährige Juno und ihr Bruder verbringen die Zeit mit Fischfang, Kuchenbacken und sonntäglichen Gesellschaftsspielen. Und in ständiger Angst. Denn schon auf der anderen Uferseite lauert das Böse. Fremde können jederzeit auftauchen. Und die wollen Rache nehmen für etwas, das der Vater ihnen vor langer Zeit angetan haben soll. Die Fremden werden kommen, um die ganze Familie auszulöschen. Aus diesem Grund hat der Vater einen geheimen Schutzraum gegraben. Dort können sie sich sicher fühlen. Noch ...

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Als ich mit dem Buch begann, dachte ich, es handele sich um einen Endzeit-Thriller. Eine Familie, die sich nach dem Warnton einer Sirene in einen selbstgebauten Schutzbunker zurückzieht. Es ist eng, stickig und bis auf eine schwache Beleuchtung dunkel. In der hinteren Ecke des Bunkers stapeln sich Notvorräte. Die Stimmung ist bedrückend, die Kinder der Familie wollen sich nicht lange dort aufhalten. Eindringlich beschreibt die 16-jährige Ich-Erzählerin Juno ihre Gefühle.

Der Tagesablauf von Juno und ihrem jüngeren Bruder Boy, die ihre Eltern stets mit „Mutter“ und „Vater“ ansprechen, ist eintönig und ohne große Abwechslung. Technische Gadgets, wie beispielsweise eine Spielekonsole oder Handys, mit denen sich die Jugend ansonsten die Zeit vertreibt, gibt es in dem Buch nicht. Die gesamte Familie und die vorherrschende Situation wirken wie von der aktuellen Welt entrückt. Nur der sonntägliche Spielenachmittag mit Brettspielen sorgt für etwas Abwechslung.

„In der Schule hatte ich ein regelrechtes Schreibtrauma“

Ivar Leon Menger präsentiert seinen Thriller „Als das Böse kam“ auf der Frankfurter Buchmesse 2022
Ivar Leon Menger präsentiert seinen Thriller „Als das Böse kam“ auf der Frankfurter Buchmesse 2022 © S. Trautwein

Verlassen können die Protagonisten die Insel nicht. Zu groß ist die Gefahr, dass sie gefunden werden. Welches Geheimnis hinter den „Wächtern“ steckt, die nach dem Leben der Familie trachten, bleibt zunächst offen. Nur der Vater darf alle paar Wochen bei Vollmond die Insel verlassen, um Nachschub an Essen und Trinken zu besorgen. Die Kinder glauben den Eltern alle Erzählungen, ohne sie groß zu hinterfragen. Schien mir dies zu Beginn des Buches etwas merkwürdig, klärt es sich im weiteren Verlauf: 12 Jahre lebt die Ich-Erzählerin mit ihren Eltern schon dort. Eine andere Welt ist für sie nicht denkbar. So auch die sieben Regeln, an die sie sich halten sollen.

Ivar Leon Menger merkt man beim Lesen seine Erfahrung für die richtigen Dialoge an. Als Hörspielproduzent hat er über Jahre zahlreichen eigenen und Kundenprojekten eine Stimme gegeben, die im Hörer Bilder wie bei einem Film entstehen lassen. Seine Erzählweise ist kurz und prägnant, ohne Wichtiges auszulassen. Im Interview auf der Frankfurter Buchmesse verriet er, dass er in der Schule ein Schreibtrauma gehabt habe. Nur langsam konnte er sich davon lösen. Anzumerken ist dies dem Thriller nicht. Ganz im Gegenteil.

„Als das Böse kam“: Mein Fazit

Neben dem Setting auf einer Insel im Nirgendwo und der jungen weiblichen Ich-Erzählerin hat mich der Schreibstil in dem Debüt überzeugt. Die kurzen Kapitel und die spannenden Dialoge, die Bilder im Kopf entstehen lassen, machten viel Spaß. Wer nach einem anderen Thriller jenseits blutrünstiger Details, wie beispielsweise bei „Schmerzwinter“ sucht, wird hier fündig.

Ivar Leon Menger „Als das Böse kam“

2022, dtv ISBN-13 978-3-423-26339-9

Preis: Paperback 15,95 €, E-Book 12,99 € – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Ivar Leon Menger

Ivar Leon Menger, 1973 in Darmstadt geboren, studierte Grafikdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Er ist u.a. Autor und Regisseur zahlreicher Hörspielserien. „Monster 1983“ und „Ghostbox“ zählen zu den erfolgreichsten Produktionen in Deutschland. Als Werbetexter und Grafikdesigner entdeckte Menger rasch seine Liebe zum Film, die auch seine Geschichten prägt. „Als das Böse kam“ ist sein Debütroman.

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