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30 Kilometer in nicht mal 8 Minuten: Die schnellsten Züge der Welt

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Von: Ines Alberti

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Dass Züge nicht nur im Nahverkehr, sondern auch auf längeren Strecken ein vielversprechendes Reisemittel sind, zeigen die schnellsten Züge der Welt. Ein Überblick.

Frankfurt – Wer von Frankfurt* nach Wien gelangen möchte, wird für die 600 Kilometer Luftlinie vor die Wahl gestellt: Zehn Stunden mit dem Fernbus, sieben bis acht Stunden mit Auto oder Zug, knappe anderthalb Stunden auf dem Luftweg vom Flughafen Frankfurt – und das nicht einmal teurer als mit der Bahn. Auf welches Verkehrsmittel die Wahl bei den meisten Menschen fallen dürfte, ist wohl naheliegend. Schnell und gleichzeitig nicht die teuerste Option, das erfüllt bisher nur das Fliegen.

Doch Fliegen steht wegen der vergleichsweise schlechten Klimabilanz in der Kritik, vor allem Kurzstrecken- und Inlandsflüge stehen im Fokus von Diskussionen. Erst Ende 2021 sorgte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) mit einem 50-Kilometer-Flug im Privatjet für Furore. In Deutschland gibt es daher etwa Pläne, jeden fünften Inlandsflug durch eine Bahnverbindung* zu ersetzen. Noch einen Schritt weiter - oder streng genommen gar vier - geht man in Norwegen, wo Bahnverbindungen Inlandsflüge komplett ersetzen* sollen. Außerdem schlug Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), damals noch Kanzlerkandidat, im Wahlkampf vor, einen Mindestpreis für Flugtickets* einzuführen, um Dumpingpreise zu verhindern.

Die schnellsten Züge der Welt: China ist Vorreiter

All das bringt aber einen entscheidenden Vorteil des Fliegens trotzdem nicht auf die Schiene: die Geschwindigkeit. Soll das Bahnfahren Flugreisen in der Attraktivität ablösen, muss es schneller und günstiger werden. Zumindest am ersten Punkt wird weltweit bereits gearbeitet. Vorreiter bei Zügen großer Geschwindigkeit ist derzeit China, doch auch in Europa und Afrika lautet das Ziel: Statt höher, lieber schneller und weiter.

Viele Projekte dürften noch in den Kinderschuhen stecken, doch einige superschnelle Züge gibt es heute schon. Die schnellsten Züge der Welt (Stand: Januar 2022) haben wir zusammengestellt:

Platz 1: Shanghai Maglev – 460 km/h (China)

Magnetisches Schweben heißt das Zauberwort in China – der derzeit schnellste Zug der Welt ist eine Magnetschwebebahn. Auf Englisch heißt die Technik „magnetic levitation“, daher das Kurzwort „Maglev“, das sich aus der jeweils ersten Silbe der beiden Wörter zusammensetzt. Erfunden wurde die Magnetschwebebahn Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland, kam jedoch nie flächendeckend zum Einsatz. Zwar sind hohe Geschwindigkeiten möglich, jedoch steht man hierzulande vor dem Problem der bestehenden Infrastruktur aus Schienen.

In China verbindet der Maglev den Flughafen Shanghai-Pudong mit der U-Bahn-Station Longyang Road. 30 Kilometer werden in siebeneinhalb Minuten zurückgelegt.

Maglev Zug Shanghai
Der Maglev in Shanghai ist derzeit der schnellste Zug der Welt. Er fährt nicht auf Schienen, sondern ist eine Magnetschwebebahn. © Kyodo News/Imago

Platz 2: CR400 „Fuxing“ – 350 km/h (China)

Die Fuxing-Züge in China fahren mit einer maximalen Geschwindigkeit von 350 Stundenkilometern auf der Schiene, haben aber in einem Test eine Maximalgeschwindigkeit von 420 km/h erreicht. Bis zu 1200 Passagiere können in den höchstens 16 Waggons befördert werden. Die Züge sind nicht nur schnell, sondern auch hochmodern ausgestattet. CNN berichtet von Features wie Unterhaltungsmöglichkeiten am Platz, Smart-Glass-Displays und kabellosem Aufladen von Geräten. Die Fuxing-Züge fahren derzeit auf den Routen Peking - Shanghai - Hongkong sowie Peking - Harbin.

Hochgeschwindigkeitszug Fuxing China
Der Hochgeschwindigkeitszug „Fuxing“ ist ebenfalls in China beheimatet. © Chogo/Imago

Platz 3: „ICE 3“ – 330 km/h (Deutschland)

Die ICE 3 in Deutschland fahren mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h im Dienste der Deutschen Bahn* – und das laut dem Unternehmen bereits seit dem Jahr 2000. Die Züge aus dem Hause Siemens werden besonders auf der Strecke Frankfurt am Main – Köln eingesetzt, fahren aber auch nach Paris, Brüssel und Amsterdam. Die Züge werden außerdem auch in andere Länder verkauft.

ICE3 Deutsche Bahn Baureihe 407 (Velaro D) mit grünem Zierstreifen
Auf Platz drei der schnellsten Züge der Welt (2022) ist der deutsche ICE3, der sich mit bis zu 330 km/h fortbewegt. © Arnulf Hettrich/Imago

Platz 4: „TGV“ – 320 km/h (Frankreich)

In Frankreich streifen die Trains à Grande Vitesse (kurz: TGV, dt.: Hochgeschwindigkeitszug) für gewöhnlich mit bis zu 320 km/h durchs Land, in einem Test wurde allerdings 2007 eine Maximalgeschwindigkeit von 574,8 km/h ausgemacht. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Frankreich an Hochgeschwindigkeitszügen und knackt seither Temporekorde. Der TGV aus dem Hause Alstom ist zudem ein Exportschlager und wurde in den vergangenen 30 Jahren nach Südkorea, Taiwan, Marokko, Italien und in die USA verkauft, wie CNN berichtet.

TGV Frankreich Zug
Die Hochgeschwindigkeitszüge TGV fahren in Frankreich, im Bild im Elsass mit Blick auf die Vogesen. © Jacky Quatorze/Imago

Platz 5: „JR East E5“ – 320 km/h (Japan)

Auch Japan ist in der Entwicklung schneller Züge vorne mit dabei. Die 320 km/h schnellen Shinkansen-Züge des Typs JR East E5 übertreffen andere japanische Modelle, die meist 20 km/h langsamer unterwegs sind. Auffällig bei den 12.900 PS starken Zügen ist die besonders lange und platte Nase, die laut CNN einen Überschallknall beim schnellen Einfahren in Tunnel reduzieren soll.

Shinkansen Zug Japan
Ein Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug ist in Japan unterwegs. Besonderes äußerliches Merkmal des Shinkansen ist die lange, platte Nase. © Kyodo News/Imago

Platz 6: „Al Boraq“ – 320 km/h (Marokko)

In Afrika sind Hochgeschwindigkeitszüge bislang noch nicht weit verbreitet. Der „Al Boraq“ in Marokko ist der schnellste Zug auf dem Kontinent und verkehrt auf der derzeit einzigen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Diese wurde 2018 eröffnet und verbindet die Städte Tanger, Rabat und Casablanca. Die Strecke, für die zuvor 4 Stunden und 45 Minuten benötigt wurden, lässt sich nun bei einer maximalen Geschwindigkeit von 320 km/h in etwas über zwei Stunden zurücklegen.

Die Zugflotte, bei der es sich um Derivate der französischen TGV Euroduplex-Züge handelt, wurde laut CNN nach einem Fabelwesen benannt, das islamische Propheten transportierte. Er hält demnach außerdem den Geschwindigkeitsrekord in Afrika: 357 km/h wurden in einem Test erreicht. Die Strecke, auf der der „Al Boraq“ verkehrt, soll erst der Anfang des geplanten 1500-Kilometer-Hochgeschwindigkeitsnetzes sein.

Al Boraq Zug Marokko
Der schnellste Zug Afrikas verkehrt in Marokko unter dem Namen „Al Boraq“ und bringt es auf bis zu 320 km/h. © Wilfrid Esteve/Hans Lucas/Imago

Platz 7: „AVE S-103“ – 310 km/h (Spanien)

Wie der „Al Boraq“ in Marokko nutzt auch der AVE in Spanien TGV-Technologie aus Frankreich. Bereits seit 1992 ist Spanien im Hochgeschwindigkeitsgeschäft und verfügt über Europas größtes Netz an dedizierten Hochgeschwindigkeitsstrecken. AVE steht nicht etwa für ein lateinisches Grußwort, sondern „Alta Velocidad Espana“, zu Deutsch „Hochgeschwindigkeit Spanien“. Die Züge der Flotte fahren laut CNN mit einer Normalgeschwindigkeit von bis zu 310 km/h. Maximal können sie 350 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Den Rekord knackte ein Zug der Flotte 2006 mit 404 km/h.

AVE Zug Spanien
In Spanien trägt die Hochgeschwindigkeitsflotte den Namen AVE (kurz für Alta Velocidad Espana, dt.: Hochgeschwindigkeit Spanien). © Brais Lorenzo/Imago

Platz 8: „KTX“ – 305 km/h (Südkorea)

Seit 2004 düsen in Südkorea Züge mit 305 km/h zwischen Seoul und Busan hin und her. Sie können eine Geschwindigkeit von bis zu 330 Stundenkilometern erreichen. Die erste Generation der KTX-Züge basierte auf der französischen TGV-Technologie und schraubte die Reisezeit zwischen den beiden Städten von über vier Stunden auf zwei Stunden und 15 Minuten herunter, wie CNN berichtet.

KTX Zug Südkorea
Knapp über 300 km/h schnell fahren die KTX-Züge in Südkorea. © Ed Jones/AFP

Platz 9: „Trenitalia ETR1000“ – 300 km/h (Italien)

Die staatliche Flotte „Frecciarossa“ („roter Pfeil“) verkehrt seit 2017 in Italien. Mit ihren 10.000 PS erreichen die Züge Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h, fahren jedoch laut dem Unternehmen Trenitalia planmäßig nur 300 km/h. Die Züge fahren in ganz Italien und verbinden Turin, Mailand und Venedig im Norden mit Bologna, Florenz, Rom und Neapel.

Frecciarossa Zug Italien
Platz neun belegen die leuchtend roten „Frecciarossa“-Züge Italiens. © Arnulf Hettrich/Imago

Platz 10: „Haramain High Speed Railway“ – 300 km/h (Saudi-Arabien)

Die heiligen Städte Mekka und Medina verbindet in Saudi-Arabien der Haramain High Speed Railway. Was mit dem Auto viereinhalb Stunden dauern würde, ist mit dem nach eigenen Angaben 300 km/h schnellen Zug in zwei zu schaffen. Die Züge wurden speziell an die örtlichen Bedingungen wie die hohen Temperaturen in der Wüste angepasst. Vor allem während der Haddsch, wo viele Muslime nach Mekka pilgern, ist die Strecke beliebt.

Zug Saudi-Arabien
Auf der Strecke zwischen den Städten Mekka und Medina in Saudi-Arabien fahren Hochgeschwindigkeitszüge, die mit der Wüstenhitze klarkommen. © Saudi Press Agency/dpa

Schnellste Züge der Welt: China und Co. arbeiten an noch höheren Geschwindigkeiten

In Zukunft wollen sich China und Japan nicht mehr mit den derzeitig erreichten Höchstgeschwindigkeiten zufriedengeben. In China befindet sich eine bis zu 600 km/h schnelle Magnetschwebebahn in der Entwicklung, die bereits im Sommer 2021 in Qingdao getestet wurde. Bei dieser Geschwindigkeit würde es lediglich zweieinhalb Stunden dauern, die 1000 Kilometer lange Strecke von Peking nach Shanghai zurückzulegen. Mit dem Flugzeug würde es der Nachrichtenagentur Reuters zufolge drei Stunden dauern, mit einem Hochgeschwindigkeitszug auf Schienen fünfeinhalb.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Auch Japan springt auf den Maglev-Zug auf und arbeitet an einem bis zu 500 km/h schnellen Gefährt. Dieser neue Shinkansen wird ebenfalls bereits getestet und soll die Städte Tokyo and Osaka verbinden. Auch Frankreich und Südkorea arbeiten an schnelleren Zügen. Ziel sind Geschwindigkeiten jenseits der 420 km/h, was in Südkorea in einem Prototypentest bereits gelungen ist. (ial) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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