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Ukraine-Botschafter Melnyk kritisiert Ex-Kanzlerin Merkel: „Haben ihr fast blind vertraut“

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Von: Tobias Utz

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Andrij Melnyk
Andrikj Melnyk gibt ein Interview im Deutschen Bundestag. © Christian Spicker/Imago

Erneut sorgt Andrij Melnyk für Schlagzeilen. Der ukrainische Botschafter kritisiert Ex-Kanzlerin Merkel scharf.

Frankfurt/Berlin – Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat Ex-Kanzlerin Angela Merkel für ihre Russland-Politik* scharf kritisiert. „Die Deutschen sind fast besessen davon, immer etwas Gutes in Russland zu finden“, sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Seit acht Jahren werden in Russland in industriellem Maßstab die Gehirne gewaschen. Es ist ein faschistisches Staatsgebilde geworden“, so Melnyk.

Unabhängig von Merkels Russland-Politik habe man ihr in der Ukraine* „fast blind“ vertraut. „Es gab ein riesiges Vertrauen in der Überzeugung, dass sie die Dinge besser einschätzen und regeln kann. Niemand war so nah an Putin* dran wie sie persönlich und die Deutschen, auch als Vermittler im Normandie-Format.“ Dennoch hätte Merkel laut Melnyk den Ukraine-Krieg* mit einem anderen politischen Kurs verhindern können.

Ukraine-News: Botschafter Melnyk kritisiert Merkels Russland-Politik

Die Regierung in Berlin habe immer um das angespannte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine gewusst – und „dass Putin keine Einigung, sondern die Vernichtung“ der Ukraine anstrebe, so der Botschafter gegenüber der SZ. Dennoch habe sich die Merkel-Regierung noch im Jahr 2015 für Nord Stream 2 und gegen Waffenlieferungen an die Ukraine entschieden.

Melnyk kritisierte allerdings nicht nur die alte, sondern auch die neue Bundesregierung. Lange Zeit sei zu wenig getan worden, so Melnyk. Mittlerweile ändere sich „langsam“ das Vorgehen: „Aber wir sind noch nicht so weit, dass die Politiker und auch der Kanzler davon überzeugt sind, dass wir gewinnen können.“ Melnyk schlug vor, dass sich Kanzler Olaf Scholz vor Ort in Kiew* ein Bild machen könne. Das hat Scholz jedoch bereits am Mittwoch verneint, nachdem es den diplomatischen Affront um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gegeben hatte.*

Botschafter Melnyk geriet kürzlich in die Kritik, da er das rechtsextreme Asow-Regiment in der Ukraine unterstützt.* (tu) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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