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Diese Russland-Sanktionen plant der Westen – doch sie hätten auch Folgen für Deutschland

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Von: Kai Hartwig

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r) und US-Präsident Joe Biden beraten über den Ukraine-Konflikt.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r) und US-Präsident Joe Biden beraten über den Ukraine-Konflikt. © Kay Nietfeld/dpa

Kommt es in der Ukraine wirklich zum Einmarsch russischer Truppen? Eine solche Eskalation hätte unangenehme Folgen für Russland – und Deutschland.

München – Die Ukraine-Krise hält die Welt in Atem*. Am Donnerstag (10. Januar) absolvierte Bundeskanzler Olaf Scholz* einen wahren Gesprächsmarathon. Der deutsche Regierungschef versuchte zu vermitteln. Er ließ aber auch Entschlossenheit zu Sanktionen gegen Russland durchblicken*, sollte Präsident Wladimir Putin* seine Truppen auf ukrainischen Boden entsenden.

Doch wie genau würden die Sanktionen des Westens gegen Russland aussehen, sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen? Die viel diskutierte Gas-Pipeline Nord Stream 2 nahm der Kanzler bislang namentlich zwar nicht in den Mund*. Er bekräftigte während seines Antrittsbesuches in den USA allerdings im CNN*-Interview: „Wir sind bereit, Schritte zu unternehmen, die auch für uns Kosten verursachen werden.“ Damit dürfte Scholz auch Nord Stream 2 gemeint haben - wenngleich der Kanzler auch im US-Fernsehen die konkrete Benennung umging.

Ukraine-Krise: Diese Sanktionen bereitet der Westen gegen Russland vor

Inzwischen bereiten die USA und die EU mögliche Sanktionen gegen Russland vor. Laut Kanzler Scholz sind diese bereits „weit vorbereitet“, wie er am Mittwoch (9. Februar) auf einer Pressekonferenz mit Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte.

Der Business Insider berichtete unterdessen, dass es vier zentrale Maßnahmen gebe, die der Westen im Fall einer russischen Militäroffensive in der Ukraine in die Wege leiten würde. Dazu zählt der besagte Stopp der Gas-Pipeline Nord Stream 2, durch die die Gasversorgung Deutschlands von Russland aus bewerkstelligt würde. Das milliardenschwere Großprojekt wurde 2021 vollendet, eine Betriebsgenehmigung steht noch aus.

Russland-Sanktionen: Aus für Nord Stream 2 würde auch die Ukraine wirtschaftlich schwächen

Ein Aus von Nord Stream 2 würde Russlands Wirtschaft schwächen, da der Export von Rohstoffen den mit Abstand größten Anteil des russischen Haushalts ausmacht. Doch auch die Ukraine müsste finanzielle Einbußen hinnehmen, bekommt sie doch als Transitland, durch das die Pipeline führt, jährlich einen Betrag in Milliardenhöhe bezahlt. Deutschland hatte ohne Nord Stream 2 noch die Möglichkeit, auf andere Gaspipelines zurückzugreifen. Doch Russland könnte als Reaktion auf einen Nord-Stream-2-Stop diese ebenfalls dichtmachen. Das würde die Energieversorgung der gesamten EU gefährden.

Eine weitere Sanktion ist dem Bericht zufolge der Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungsverkehrs-System SWIFT. Zwar würde man so dem russischen Außenhandel vorerst ein Ende bereiten. Allerdings sind die Folgen eines solchen Schritts für das globale Finanzsystem kaum absehbar. Deshalb gilt ein allumfassender Ausschluss Russlands aus dem SWIFT als eher nicht wahrscheinlich.

Russland-Sanktionen: Stopp von Rohstoff-Exporten hätte Folgen für Deutschland

Als dritte mögliche Sanktion könnt es zu einer Blockade der russischen Handelsrouten kommen, gepaart mit einer Beschränkung des Handels mit Russland. Zwar fallen lediglich zwei Prozent der deutschen Importe und Exporte auf Geschäfte mit dem Land. Doch für einzelne Branchen oder Unternehmen, deren wirtschaftliche Beziehungen nach Russland tief verwurzelt sind, könnte eine solche Sanktion empfindliche Folgen haben. Besonders in ostdeutschen Regionen bekäme man dies zu spüren.

Eine Blockade von russischen Rohstofflieferungen ist die vierte Sanktion. Dies würde, wie bereits beschrieben, der Wirtschaft Russlands enorm schaden. Da russische Rohstoffexporte (Gas und Öl) für Europa und damit auch Deutschland von großer Bedeutung sind, wäre ein Preisanstieg innerhalb der EU wohl im Sanktionsfall zu befürchten. Zwar ließen sich langfristig auch alternative Energiequellen von Ländern wie Katar oder Aserbaidschan generieren. Zudem könnte Flüssiggas von den USA und Australien bezogen werden. Einen kurzfristigen Ersatz für Russlands Lieferungen gäbe es allerdings nicht. (kh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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