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Ukraine-Krieg: Widerstand in Russland wächst trotz harter Repressalien

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Von: Astrid Theil

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Festnahme in Moskau
Polizisten nehmen bei einer Protestaktion in Moskau eine Frau fest. © Denis Kaminev/AP/dpa

Wer sich gegen den Ukraine-Krieg in Russland ausspricht, wird drangsaliert. Dennoch wächst der Widerstand im ganzen Land.

Moskau - Der von Wladimir Putin* befohlene Angriff auf die Ukraine durch russische Truppen entsetzt Menschen weltweit. Widerstand gegen den Angriffskrieg ist auch in der russischen Bevölkerung zu sehen und wächst sogar. Seit Beginn des Einmarsches russischer Truppen am Donnerstag (24. Februar) gab es in zahlreichen Städten Russlands Demonstrationen gegen den Ukraine-Krieg, die sich auch am Freitag (25. Februar) fortsetzen. Das Motto der Proteste lautete „Nein zum Krieg“.

Auch in den russischen Medien gab es Widerstand. Die Journalistin Elena Tschernenko, die für die Tageszeitung Kommersant über das russische Außenministerium berichtet, startete zum Beispiel eine Anti-Kriegs-Petition. Russische Wissenschaftler wandten sich wiederum in einem offenen Brief gegen den Angriff auf die Ukraine. Viele bekannte Persönlichkeiten nutzen ebenfalls ihre Prominenz und zeigen in Russland Widerstand gegen Putins Krieg. Der bekannte russische Comedian Maxim Galkin zeigte sich zum Beispiel angesichts des Angriffskrieges entsetzt: „Wie ist all das möglich? Es darf keinen Krieg geben. Nein zum Krieg!“, zitiert ihn das amerikanische Nachrichtenportal Rawstory. „Angst und Schmerz. Nein zum Krieg“, schrieb wiederum der russische Late Night Moderator Ivan Urgant auf Instagram.

Widerstand gegen den Krieg: Putins Angst vor zivilgesellschaftlicher Opposition

Der russische Tennisspieler Andrej Rubljow positionierte sich ebenfalls nach seinem Finaleinzug bei einem Turnier in Dubai am Freitag (25.02.2022) gegen den Ukraine-Krieg. Auch der russische Musiker Oxxxymiron nutzte seine Plattform für Kritik. Über Instagram wendete er sich in einem Video an seine zwei Millionen Follower. Seine Botschaft war eindeutig: „Ich denke, es ist eine Katastrophe und ein Verbrechen“. Er sei gegen den Krieg in der Ukraine und rief zum Widerstand auf: „Je mehr Menschen ihre wahre Haltung gegenüber diesem Krieg aussprechen, desto eher können wir diesem Horror ein Ende bereiten“.

Damit versucht er genau das zu befördern, was Wladimir Putin wohl am meisten befürchtet: eine große zivilgesellschaftliche oppositionelle Bewegung in Russland. Das brutale Vorgehen gegen jede Form von Opposition offenbart die Angst, die Putin vor einer solchen hat. Auch in der aktuellen Situation ging die russische Regierung hart gegen die Proteste im Land vor. Am ersten Tag der Proteste waren mehr als 1700 Demonstranten festgenommen worden. Am Freitag (25.02.2022) sind es laut Bürgerrechtsgruppe OVD-Info mindestens 500 Menschen, die in 26 Städten festgenommen wurden.

Ukraine-Konflikt: Medienzensur in Russland: „Militärische Aktion“ statt „Krieg“

Von den Repressalien sind auch die prominenten Gegner des Ukraine-Krieges betroffen. So berichtet das amerikanische Nachrichtenportal Rawstory, dass Ivan Urgants TV-Sendung am Freitagabend (25. Februar) nicht wie üblich ausgestrahlt worden sei. Die politische Situation ändere den Zeitplan, erklärte ein Sprecher des Senders der Nachrichtenagentur Interfax. Auch die Journalistin Tschernenko wurde für ihre Petition sanktioniert: Sie ist laut eigenen Angaben wegen „mangelnder Professionalität“ aus dem Pressepool des Außenministeriums entfernt worden.

Besonders die Medieninhalte wurden in den vergangenen Tagen von der russischen Regierung streng kontrolliert. Die russischen Behörden sprechen im Zusammenhang des Ukraine-Krieges von einer militärischen Operation und gehen gegen die Verwendung des Wortes „Krieg“ in der Berichterstattung vor. Auch der Zugang zu bestimmten Medien wird beschränkt: In einem großen Wohn- und Arbeitskomplex im Zentrum von Moskau, in dem neben russischen Beamten auch viele Diplomaten und Auslandskorrespondenten leben und arbeiten, sind bereits seit Tagen ausländische Fernsehsender nicht verfügbar. Die Gebäudeverwaltung begründete das mit einem angeblichen Ausfall der Satellitenanlagen und bot eine Freischaltung russischer Staatssender an.

Trotz Unterdrückung: Widerstand in der Bevölkerung wächst

Trotz der Unterdrückung der Protestbewegung* in den vergangenen Tagen rufen immer mehr Russen Wladimir Putin in Petitionen zur sofortigen Beendigung des Krieges gegen die Ukraine auf. „Wir, russische Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter, sind entschieden gegen kriegerische Handlungen, die von den russischen Streitkräften auf dem Gebiet der Ukraine vollzogen werden“, hieß es zum Beispiel in einer Petition mit mehr als 300 Unterschriften. Darüber hinaus haben zahlreiche Hilfsorganisationen einen offenen Brief an Putin veröffentlicht, in dem sie ihn um die Beendigung des Krieges bitten. Alle Informationen zum Ukraine-Konflikt in unserem News-Ticker. Weitere Infromationen zum Hintergrund der Ukraine-Krise lesen Sie hier*. (at/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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