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Welche Pläne hat Putin als nächstes?

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Von: Stefan Krieger

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Die russische Invasion in der Ukraine schreitet immer weiter voran. Wie wird Moskau weiter vorgehen?

Kiew – Russlands Truppen kämpfen nach Angaben aus Kiew weiter um eine vollständige Kontrolle des bereits weitgehend eroberten Gebiets Luhansk im Osten der Ukraine. Zuvor hatte der Luhansker Gouverneur Serhij Hajdaj erklärt, dass auch nach dem Fall der strategisch wichtigen Stadt Lyssytschansk weiter in Außenbezirken gekämpft werde. Aus Moskau heißt es hingegen seit Tagen, die eigenen Truppen hätten Luhansk komplett unter ihre Kontrolle gebracht.

Mit dem Fall von Lyssytschansk stellt sich die Frage nach den nächsten Schritten der russischen Truppen im Ukraine-Krieg. Den Donbass abriegeln, weiter vorrücken, verhandeln und damit das Gewonnene sichern oder den Westen spalten?

Ukraine-Krieg: Weiteres Vorrücken der russischen Truppen Richtung Westen

Niemand scheint die russischen Truppen mehr davon abhalten zu können, den Donbass komplett unter ihre Kontrolle zu bekommen. Pierre Grasser vom Fachbereich Internationale Beziehungen an der Universität Sorbonne ist der Ansicht, Russland könnte als Nächstes versuchen, die Städte Slowjansk und Kramatorsk einzunehmen.

Allerdings haben die russischen Truppen gezeigt, dass sie nicht in der Lage sind, allzu weit gegen den Feind vorzurücken. Die russische „Dampfwalze funktioniert gut in der Nähe ihrer Grenzen, ihrer Logistikzentren und ihrer Luftstützpunkte“, sagt Pierre Razoux von der Mittelmeerstiftung für Strategische Studien. „Je weiter sie sich von ihnen entfernen, desto komplizierter wird es.“

Gipfel der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres in Turkmenistan
Welche Pläne hat Putin für die Ukraine? © Grigory Sysoyev/dpa

Ukraine-Krieg: Kontrolle der Küste am Schwarzen Meer

Die russische Armee hat die südukrainische Stadt Cherson zu Beginn des Krieges schnell eingenommen. Doch die Situation an den Ufern des Schwarzen Meeres ist nicht stabil. Der australische Militärexperte Mick Ryan ist der Meinung, dass der Krieg im Süden sowie die „Befreiung ukrainischer Häfen von russischem Einfluss“ von „sehr großer strategischer Bedeutung“ sei.

Die Kontrolle der Küste würde Moskau ein zusammenhängendes Territorium mit der 2014 annektierten Krim sowie den Zugang zu ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer verschaffen. Doch "die Gegenangriffe der Ukraine im Süden bedeuten für die Russen ein Dilemma. Erhalten sie die Offensive im Osten aufrecht oder stärken sie den Süden?", gibt Ryan zu bedenken.

Ukraine-Krieg: Charkiw könnte das nächste Ziel sein

Charkiw im Nordosten der Ukraine ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Nur einen Steinwurf von der Grenze zu Russland entfernt, ist Charkiw nach wie vor unter ukrainischer Kontrolle und könnte laut Wissenschaftler Razoux das nächste Ziel für Putin sein.

Im Falle eines „ukrainischen Einbrechens“ könnte Moskau die ukrainischen Truppen demnach zu der Entscheidung nötigen, ob sie Charkiw verteidigen oder nach Süden in Richtung Cherson ausweichen. Eine Schlacht um die etwa 1,4 Millionen Einwohner zählende Stadt Charkiw wäre zweifellos zerstörerisch, eine Belagerung könnte laut Razoux ein Jahr dauern.

Wladimir Putin arbeitet weiter an der Spaltung des Westens

Mit jedem weiteren militärischen Erfolg treibt Putin den Keil tiefer in die westliche Solidarität. Colin Clarke vom New Yorker Soufan Center sagte, Russlands Ziel sei es, „die ukrainischen Truppen weiter aufzureiben“ und darauf zu warten, dass „die politische Unterstützung für die Ukraine im Westen nachlässt“.

Kiew hängt am Tropf der westlichen Militärhilfe. Doch laut Alexander Grinberg vom Jerusalem Institut für Sicherheit und Strategie ist den Ukrainern klar, „dass der Westen nicht all die schweren Waffen liefern kann, die sie brauchen“. Jede weitere Kriegswoche verstärkt den Druck auf die öffentliche Meinung im Westen hinsichtlich der Inflation und der Energiekrise. Laut Grinberg könnten die USA den Ukrainern eines Tages einfach sagen: „Ihr könnt nicht weitermachen.“

Ukraine-Krieg: Unter welchen Umständen sind Verhandlungen möglich?

Die russischen Fortschritte sollten die Kosten nicht vergessen machen: Sanktionen, Menschenleben und die Vernichtung von Material. Putin hätte nach Meinung von Analysten viele Gründe, den Krieg beenden zu wollen. Ende Juni hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärt, die ukrainischen Soldaten müssten nur ihre Waffen niederlegen und die von Russland gestellten Forderungen erfüllen. „Dann wird alles an einem Tag vorbei sein.“

Doch selbst wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht wäre, den Donbass für Frieden einzutauschen, lehnen sein rechter Parteiflügel und seine Generäle laut Razoux „jeglichen Kompromiss mit Russland“ ab. „Sie können einen eingefrorenen Konflikt tolerieren, aber keine Niederlage.“

Was auch immer Putin plant: Ein schnelles Ende des Krieges ist derzeit nicht besonders wahrscheinlich. Russlands Präsident Wladimir Putin hat viele Möglichkeiten, seine Ziele bleiben undurchsichtig. (skr/AFP)

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