Nach Thüringen-Beben

Zusammenarbeit mit der AfD: Umfrage bringt pikante Einstellung von FDP-Wählern zutage

Führende Bundespolitiker haben eine Zusammenarbeit mit der AfD erneut prinzipiell ausgeschlossen. Doch eine ARD-Umfrage fördert bei den Wählern einer Partei nun ein überraschendes Ergebnis zu Tage.

  • Der Wahl-Eklat in Thüringen sorgte in Deutschland für Diskussionen.
  • Führende Politiker schlossen eine Zusammenarbeit mit der AfD prinzipiell aus.
  • Einer Umfrage zu Folge sehen die Wähler der FDP dies mehrheitlich anders.

Update vom 10. Februar 2020: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zieht drastische Konsequenzen aus der desaströsen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen - und nimmt radikal Abschied von möglichen Höhepunkten ihrer politischen Karriere. 

Ursprungsmeldung vom 8. Februar 2020: 

Erfurt - Der Eklat um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen sorgte in Deutschland für Furore: FDP-Landeschef Thomas Kemmerich wurde mit den Stimmen von CDU und auch AfD zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Während Teile die Meinung vertraten, dass Kemmerich in einer demokratischen Wahl zu seinem neuen Posten gekommen sei, folgte vielerorts ein Sturm der Entrüstung, da er Ministerpräsident „von Höckes Gnaden“ sei. 

Führende Bundespolitiker, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, entschieden sich sehr schnell und erneuerten ihre Ansicht, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD in jeglicher Form prinzipiell ausgeschlossen sei. Doch nicht alle Wähler sehen dies so, wie eine Umfrage überraschend zu Tage fördert.

Thüringen-Eklat: Kemmerich-Rücktritt findet in Umfrage breite Zustimmung

Direkt nach der Skandal-Wahl in Thüringen stellte Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend eine Blitz-Umfrage zu den Vorgängen an. Befragt wurden knapp 1000 Wahlberechtigte in Deutschland. Den Rücktritt Kemmerichs* finden demnach 61 Prozent der Bundesbürger richtig. 24 Prozent finden ihn falsch. 

Unterteilt nach Anhängern der Parteien zeichnet sich dabei ein deutliches Gefälle ab. Unter Anhängern der Linken, der SPD und der Grünen finden je mehr als 80 Prozent den Rücktritt richtig. Bei Unions-Anhängern sind es noch 65 Prozent. Dagegen finden 46 Prozent der FDP-Anhänger den Rücktritt falsch und nur 38 Prozent richtig. Bei den AfD-Wählern finden sogar 68 Prozent den Rücktritt falsch (15 Prozent finden ihn richtig).

Thüringen-Wahl: Blitz-Umfrage bringt überraschendes Ergebnis bei FDP-Wählern

Besonders überraschend sind allerdings die Umfrage-Ergebnisse bei der Frage, ob es richtig sei eine Zusammenarbeit mit der AfD prinzipiell auszuschließen. Im Gesamten finden 58 Prozent der Befragten diesen Schritt richtig, 22 Prozent würden von Fall zu Fall entscheiden und 17 Prozent halten diese Einstellung für falsch.

Bei Letzteren stellen AfD-Sympathisanten erwartbarer Weise die Mehrheit. 60 Prozent der AfD-Anhänger finden die prinzipielle Ablehnung einer Zusammenarbeit mit ihrer Partei falsch, 30 Prozent würden von Fall zu Fall entscheiden. Bei Anhängern der Linken (82 Prozent), Grünen (81 Prozent), der SPD (79 Prozent) und der CDU (69 Prozent) findet die große Mehrheit den Schritt richtig. 

Etwas überraschend sind allerdings die Ergebnisse bei der FDP: Unter ihren Anhängern finden 25 Prozent einen prinzipiellen Ausschluss der Zusammenarbeit mit der AfD richtig. Dagegen würden sich ganze 62 Prozent wünschen, dass man von Fall zu Fall entscheide, ob man mit der AfD zusammenarbeite.

Bereits direkt nach der Wahl hatte Kemmerich für Aufsehen gesorgt, als er im ZDF-Interview einen vermeintlich entlarvenden Satz sagte.

rjs

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Andreas Arnold

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