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US-Basketballerin Griner verurteilt – Russland gesprächsbereit für Gefangenenaustausch

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Von: Florian Dörr, Tim Vincent Dicke

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Die US-Basketballerin Brittney Griner wurde von einem russischen Gericht zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Update vom Freitag, 5. August, 08.40 Uhr: Russland ist nach Angaben von Außenminister Sergej Lawrow bereit, mit Washington über einen Gefangenenaustausch der am Donnerstag verurteilten US-Basketballspielerin Brittney Griner zu diskutieren. Moskau sei „bereit, über das Thema zu sprechen“, sagte Lawrow auf einer Pressekonferenz bei einem Besuch in Kambodscha. Voraussetzung dafür sei die Einhaltung eines direkten Kommunikationskanals zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden, der zwischen beiden vereinbart worden sei.

Russland verurteilt US-Basketballerin Griner zu neun Jahren Straflager: „Nicht hinnehmbar“

Update vom Donnerstag, 4. August, 19.16 Uhr: Seit über fünf Monaten sitzt sie in russischer Gefangenschaft. Nun wurde die US-Basketballerin Brittney Griner von einem russischen Gericht nahe Moskau zu neun Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Zudem soll sie eine Geldstrafe von einer Million Ruben (16.000 Euro) zahlen, wie russische Nachrichtenagenturen berichten. Die Verteidigung hat bereits Rechtsmittel angekündigt.

Hintergrund des Falls: Die 31-jährige US-Basketballerin hatte nach Feststellung der Justiz bei einer Kontrolle ihres Gepäcks im Moskauer Flughafen Scheremetjewo im Februar sogenannte Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl bei sich. Es soll sich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Dies wurde als illegaler Drogenbesitz und versuchter Schmuggel gewertet. Griner bekannte sich schuldig.

Brittney Griner
Basketballerin Brittney Griner wurde in Russland zu neun Jahren Haft verurteilt. © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Der Prozess hat aber auch eine andere Komponente: Washington warf Moskau vor, ein politisch motiviertes Verfahren zu führen. In einem Telefonat zwischen US-Außenminister Antony Blinken und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ging es zuletzt auch um die Möglichkeit eines Gefangenenaustausches, mit Hilfe dessen die Athletin freikommen sollte (Siehe Erstmeldung vom Samstag, 30. Juli, 10.24 Uhr).

Fall Brittney Griner: US-Präsident Biden zu Verurteilung von Brittney Griner: „Nicht hinnehmbar“

US-Präsident Joe Biden kritisierte Griners Verurteilung nun scharf und forderte ihre Freilassung. „Russland hält Brittney zu Unrecht fest“, erklärte er in einer schriftlichen Stellungnahme. „Das ist nicht hinnehmbar, und ich fordere Russland auf, sie sofort freizulassen, damit sie bei ihrer Frau, ihren Angehörigen, Freunden und Teamkollegen sein kann.“ Biden versicherte, die US-Regierung arbeite weiter unermüdlich daran, Griner so bald wie möglich sicher nach Hause zu bringen.

Vor der Urteilsverkündung hatte die Staatsanwaltschaft neun Jahre und sechs Monate Haft gefordert, was knapp unter der Höchststrafe von zehn Jahren lag. Die Verteidigung forderte vergeblich einen Freispruch für ihre Mandantin.

Seit 2015 spielte die US-Basketballerin Griner beim Team UMMC Jekaterinburg im Ural. Mit dem Frauen-Spitzenclub gewann sie viermal die Euroleague. Griner gilt als eine der besten Basketballerinnen der USA. Sie holte mit der US-Nationalmannschaft unter anderem zwei Olympiasiege auch zweimal Gold bei Weltmeisterschaften.

Russland will Tiergarten-Mörder freipressen – US-Gefangene als Druckmittel

Erstmeldung vom Samstag, 30. Juli, 10.24 Uhr: Im Gegenzug für die Freilassung von zwei inhaftierten US-Bürgern hat Russland offenbar die Entlassung des in Deutschland inhaftierten Tiergarten-Mörders Vadim K. gefordert. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, bestätigte am Freitag (29. Juli) im US-Nachrichtensender CNN einen entsprechenden Vorstoß russischer Vertreter.

Er wies die Forderung allerdings entschieden zurück. „Zwei US-Bürger als Geiseln zu halten im Austausch für einen Mörder in einem Drittstaat ist kein ernsthaftes Gegenangebot“, sagte Kirby. „Es handelt sich um einen arglistigen Versuch, einem sehr ernsthaften Angebot und Vorschlag der USA auszuweichen.“ Russland müsse das US-Angebot ernst nehmen.

US-Basketballerin in Russland inhaftiert: Häftlingstausch mit Tiergarten-Mörder?

Die USA versuchen derzeit, die in Russland inhaftierte Basketball-Profispielerin Brittney Griner und den ebenfalls inhaftierten früheren US-Soldaten Paul Whelan freizubekommen. Washington hat Moskau deswegen ein Angebot vorgelegt, das am Freitag auch Thema eines Gesprächs zwischen US-Außenminister Antony Blinken und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow war.

US-Außenminister Antony Blinken und der russische Außenminister Sergej
US-Außenminister Antony Blinken und der russischen Außenminister Sergej haben am Freitag (29.07.2022) miteinander gesprochen. Dabei ging es auch um einen Häftlingsdeal. (Archivbild) © Martial Trezzini/dpa

Sie hätten ein „offenes und direktes Gespräch“ geführt, sagte Blinken im Anschluss. „Ich habe den Kreml gedrängt, den wesentlichen Vorschlag zu akzeptieren, den wir zur Freilassung von Paul Whelan und Brittney Griner gemacht haben“, fügte der US-Außenminister hinzu.

Medienberichten zufolge beinhaltet der vor Wochen übermittelte Plan der USA einen Austausch der beiden US-Bürger mit dem in den USA inhaftierten russischen Waffenschmuggler Viktor Bout. CNN berichtete am Freitag unter Berufung auf informierte Kreise, russische Vertreter hätten über informelle Kanäle von den USA gefordert, im Zuge eines Häftlingstauschs auch Vadim K. freizulassen.

Vadim K. aus Russland erschoss Georgier im Berliner Tiergarten

K., der ein Oberst des russischen Geheimdienstes FSB gewesen sein soll, war im Dezember 2021 wegen des sogenannten Tiergarten-Mords zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Berliner Kammergericht sah es als erwiesen an, dass er im August 2019 im Auftrag staatlicher russischer Stellen einen tschetschenischstämmigen Georgier im Kleinen Tiergarten erschossen hatte.

Laut CNN wurde die russische Forderung einer Freilassung des Mannes als problematisch angesehen, vor allem, weil K. seine Haftstrafe in Deutschland absitzt. US-Vertreter hätten sich aber an Deutschland gewandt, um grundsätzlich in Erfahrung zu bringen, ob K. Teil des Tauschgeschäfts werden könnte, berichtete der Nachrichtensender unter Berufung auf einen deutschen Regierungsvertreter. Das sei aber nie ernsthaft in Erwägung gezogen worden.

Deal mit Russland? USA will weiter daran arbeiten

Trotz des inakzeptablen Angebotes aus Russland möchten die USA eigenen Angaben zufolge weiter alles tun, um die US-Gefangenen freizubekommen. „Wir wollen unbedingt, dass Brittney und Paul nach Hause zu ihren Familien kommen, wo sie hingehören. Sie sind dort zu Unrecht inhaftiert. Und wir werden einfach weiter daran arbeiten“, sagte Kirby zu CNN.

Basketball-Star Griner war Mitte Februar am Moskauer Flughafen Scheremetjewo wegen des Besitzes von Cannabisöl festgenommen worden. Ihr drohen wegen Drogenschmuggels bis zu zehn Jahre Haft. Whelan war 2020 wegen Spionagevorwürfen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. (tvd/AFP)

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