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Drohgebärde aus Russland? Putin besucht Übung von atomaren Abschreckungskräften

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Von: Andreas Schmid, Christoph Gschoßmann, Felix Durach

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Der ukrainische Verteidigungsminister rechnet mit der Lieferung von Kampfpanzern. Putin wohnt einer Übung der russischen Abschreckungskräfte bei. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 26. Oktober, 14.25 Uhr: Wladimir Putin hat persönlich eine Übung der „strategischen Abschreckungskräfte“ Russlands besucht. Zu den Aufgaben der Truppe zählt im weitesten Sinne die Reaktion auf Bedrohungen von außen – auch im Falle eines Atomkriegs.

„Unter der Führung des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Wladimir Putin, haben die strategischen Abschreckungskräfte am Boden, zu Wasser und in der Luft ein Training abgehalten“, teilte der Kreml mit. Die Übung habe den Abschuss von ballistischen Raketen und von Marschflugkörpern umfasst. Unter anderem wurden demnach ballistische Raketen von der Halbinsel Kamtschatka und aus den Gewässern der Barentssee in der Arktis aus abgefeuert. An der Übung waren auch Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 beteiligt. „Die gestellten Aufgaben der Übung zur strategischen Abschreckung wurden vollständig erfüllt. Alle Raketen haben ihr Ziel erreicht“, hieß es in der Mitteilung weiter.

Russland Präsident Wladimir Putin beim Besuch eines militärischen Ausbildungszentrums des westlichen Militärbezirks für Reservisten in der Region Rjasan. (Symbolbild)
Russland Präsident Wladimir Putin beim Besuch eines militärischen Ausbildungszentrums des westlichen Militärbezirks für Reservisten in der Region Rjasan. (Symbolbild) © Mikhail Klimentyev/dpa

In den vergangenen Tagen hatte die russische Führung immer wieder davon gesprochen, dass die Ukraine den Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ vorbereite. Die offene Kommunikation von Putins Teilnahme an der Übung könnte dieses Narrativ weiter bedienen und gleichzeitig als Zeichen von Stärke angesehen werden. Die westlichen Staaten sehen aktuell keine Anzeichen für den Einsatz einer solchen Waffe durch die Ukraine und vermuten eher eine „False-Flag-Operation“ durch Russland.

Ukraine hofft jetzt auf Kampfpanzer: Minister verweist auf frühere Kurswechsel im Westen

Update vom 26. Oktober, 11.45 Uhr: Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow hat sich mit Blick auf weitere westliche Waffenlieferungen an die Ukraine optimistisch gezeigt. Er rechnet wohl auch mit der Lieferung westlicher Kampfpanzern und Jets. „Ich bin wirklich optimistisch, dass Abrams-Panzer in der Zukunft möglich sein werden, und ich bin sicher, dass Kampfjets wie F-16, F-15 oder Gripen aus Schweden ebenfalls möglich sein werden“, erklärte Resnikow dem Portal Politico.

US-amerikanische Abrams-Panzer sind vergleichbar mit dem von Deutschland eingesetzten Kampfpanzer Leopard-2. Bisher lehnte Washington eine Lieferung mit Verweis auf die Komplexität der Waffensysteme ab. Auch die Nato-Staaten hatten bisher die Lieferung von Kampfpanzern verweigert. Zu groß sei die Sorge einer weiteren Eskalation des Konflikts.

Resnikow verwies auf vergangene Waffenlieferungen an die Ukraine, wie auch fr.de von IPPEN.MEDIA berichtet. So sei auch die Lieferung von schweren Artillerie-Systemen zunächst vom Westen abgelehnt worden. Mittlerweile sind diese Waffen jedoch im Kriegsgebiet eingetroffen. Auch Deutschland lieferte unter anderem die Panzerhaubitze 2000 und den Mehrfachraketenwerfer MARS-II. „Wenn man hört, dass es unmöglich ist, bedeutet das, dass es in Zukunft möglich sein wird“, erklärt Resnikow seine Einstellung.

Ukraine-News: US-Präsident Biden spricht mit Sunak und Meloni über Ukraine-Unterstützung

Update vom 26. Oktober, 10.45 Uhr: US-Präsident Biden und der frisch ernannte britischer Premierminister Rishi Sunak haben sich auf eine enge Zusammenarbeit bei der Unterstützung der Ukraine verständigt. Die beiden seien sich einig über die „Wichtigkeit, bei der Unterstützung der Ukraine zusammenzuarbeiten und Russland für seine Aggression zur Rechenschaft zu ziehen“, erklärte das Weiße Haus.

Ebenfalls am Dienstagabend sprach der US-Präsident mit der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni. „Sie besprachen ihr Engagement, der Ukraine weiterhin Hilfe zu leisten und Russland für seine Aggression zur Rechenschaft zu ziehen“, erklärte das Weiße Haus in einer Pressemitteilung.

Merkels Ex-Berater sicher: „Mit der Atomwaffen-Drohung zielt Putin in erster Linie auf Deutschland“

Update vom 26. Oktober, 7.14 Uhr: Wladimir Putins Drohungen, im Ukraine-Krieg und zur Verteidigung des russischen Territoriums den Einsatz von Atomwaffen zu erwägen, haben für den Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz einen vornehmlichen Adressaten. „Mit der Atomwaffen-Drohung zielt er in erster Linie auf Deutschland“, sagte Christoph Heusgen den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Putin versuche, mit dieser Drohung Ängste zu schüren und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. „Wir sind zurück in der Logik des Kalten Krieges.“ Die Amerikaner hätten Moskau klar zu verstehen gegeben, dass der Einsatz von Atomwaffen katastrophale Konsequenzen für Russland hätte, sagte Heusgen, von 2005 bis 2017 außenpolitischer Berater von Angela Merkel, weiter.

Merkel geht in Ulan Bator beim Asien-Europa-Gipfel zusammen mit Regierungssprecher Steffen Seibert (l.) und ihrem Berater Christoph Heusgen (r.) zu einer Sitzung.
Christoph Heusgen (r.) war lange Angela Merkels sicherheitspolitischer Berater. © picture alliance / Kay Nietfeld/dpa

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es selbstmörderische russische Generäle gibt, die eine solche Anordnung umsetzen würden.“ Außerdem wolle sich der Kremlchef nicht in eine weltweite Isolation begeben. Auch China könne den Einsatz von Atomwaffen nicht durchgehen lassen.

Joe Biden warnt Russland vor Einsatz von Nuklearwaffen

Update vom 25. Oktober, 20.48 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat Moskau erneut mit deutlichen Worten vor dem Einsatz von Nuklearwaffen gewarnt. „Russland würde einen unglaublich schweren Fehler begehen, wenn es taktische Atomwaffen einsetzen würde“, sagte Biden am Dienstag auf die Frage, ob Russland den Einsatz einer nuklear verseuchten Bombe oder von Atomwaffen vorbereite. „Ich kann nicht garantieren, dass es eine Operation unter falscher Flagge ist“, so Biden weiter mit Blick auf Russlands Behauptung, die Ukraine plane die Zündung einer schmutzigen Bombe und wolle diese dann Russland anlasten. „Ich weiß es nicht, aber es wäre ein schwerer, schwerer Fehler.“

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, hatte am Montag ebenfalls betont, dass Russland „gelegentlich andere für Dinge verantwortlich gemacht hat, die es vorhatte zu tun“. Es gebe derzeit aber keine Hinweise, dass dies hier der Fall sei, so Kirby. „Aber es ist ein Schauspiel, das wir schon gesehen haben.“

US-Präsident Biden
Joe Biden, Präsident der USA, spricht über Energie und die strategische Erdölreserve während einer Veranstaltung im Roosevelt Room des Weißen Hauses. © Evan Vucci/dpa

Hofreiter fordert mehr Flugabwehrsysteme aus Deutschland für die Ukraine

Update vom 25. Oktober, 20.06 Uhr: Mehr Iris-T-Systeme für die Ukraine? Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter hat die Lieferung weiterer Flugabwehrsysteme aus Deutschland gefordert. „Drei weitere Iris-T-Systeme reichen nicht“, sagte Hofreiter der Welt (Mittwoch). „Wenn die Produktionskapazitäten nicht mehr hergeben, müssen wir verschärft prüfen, ob wir Patriot-Systeme aus Beständen der Bundeswehr und mehr Geparden liefern können.“ Außerdem müsse Deutschland gepanzerte Fahrzeuge, Kampf- und Schützenpanzer liefern, damit die Ukraine die von Russland besetzten Gebiete befreien könne.

Kadyrow bekundet Unmut über Kriegsverlauf in Ukraine - und will ukrainische Städte auslöschen

Update vom 25. Oktober, 19.28 Uhr: Der berüchtigte Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hat erneut seinen Unmut mit dem Kriegsverlauf in der Ukraine bekundet. „Früher haben wir immer gesagt, dass wir eine militärische Spezialoperation auf dem Territorium der Ukraine führen, aber der Krieg findet bereits auf unserem Territorium statt“, sagte Kadyrow am Dienstag in seinem Telegram-Kanal. Er sei damit sehr unzufrieden. Zugleich drohte er den westlichen Unterstützer-Ländern der Ukraine mit Vernichtung.

Es sei bereits das Kriegsrecht in Grenzregionen zur Ukraine verhängt worden, sagte Kadyrow. „Aber sie schießen weiter auf friedliche Bürger und zivile Objekte.“ Russlands Antwort darauf sei „schwach“, bemängelte Kadyrow. Er forderte als Vergeltung die Auslöschung von ukrainischen Städten, „damit wir den fernen Horizont sehen können“.

Acht Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte Kremlchef Wladimir Putin vergangene Woche in mehreren völkerrechtswidrig annektierten Gebieten das Kriegsrecht verhängt. Die Ukraine will die besetzten Gebiete zurückerobern.

Duma-Abgeordneter Leonid Slutsky warnt vor einer nuklearen Explosion in der Ukraine

Update vom 25. Oktober, 15.45 Uhr: Nach den Kreml-Aussagen über eine „schmutzige Bombe“ der Ukraine warnt der Duma-Abgeordnete Leonid Slutsky vor einer nuklearen Explosion in der Ukraine. Sie könnte auch die USA treffen. „Wenn ukrainische Anstifter eine Atombombe in die Luft jagen, werden die Folgen auf die eine oder andere Weise auch die USA und die ganze Welt treffen“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Politiker.

Russland habe mehrmals vor einer nuklearen Katastrophe gewarnt und werde „alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, um sie zu verhindern“. Slutsky ist Vorsitzender der rechtsextremen Partei LDPR und steht auf der Sanktionsliste der USA. Kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs war er an damaligen russisch-ukrainischen Verhandlungen beteiligt. Sie scheiterten jedoch ergebnislos. Ein Kriegsende auf diplomatischem Wege ist derzeit nicht in Sicht.

Verhandlungen im Ukraine-Konflikt
Wladimir Medinski (v.l.) und Leonid Sluzki (v.r.), Mitglieder der russischen Delegation, und der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow (hinten Mitte) im März bei Kriegsverhandlungen. © Alexander Kryazhev/imago

Update vom 25. Oktober, 14.40 Uhr: Russland beharrt weiter auf der Behauptung, die Ukraine bereite im Krieg den Einsatz einer radioaktiv verseuchten „schmutzigen“ Bombe vor. Nach Lawrows-Sprecherin Sacharowa legt nun auch Kremlsprecher Dmitri Peskow nach.

Die Weigerung der USA, dies zur Kenntnis zu nehmen, sei angesichts einer solchen Gefahr inakzeptabel, sagte Peskow russischen Nachrichtenagenturen. „Dies ist ein Ansatz, der alles andere als seriös ist, ein Ansatz, der, so würde ich sagen, unangemessen ist angesichts der Schwere der Gefahr, über die wir hier sprechen.“

Peskow äußerte sich auch zur Ernennung Rishi Sunaks zum neuen britischen Premier. „Im Moment sehen wir keine Voraussetzungen, keine Grundlage und wir haben keine Hoffnung darauf, dass es in absehbarer Zeit positive Veränderungen geben wird“, sagte er.

„Schmutzige Bombe“ im Ukraine-Krieg? Russland wiederholt Vorwürfe

Erstmeldung vom 25. Oktober, 13.00 Uhr: Moskau – Im Ukraine-Krieg ist derzeit viel von einer „schmutzigen Bombe“ die Rede. Mit diesem Ausdruck wirft Russland der Ukraine vor, eine atomar verseuchte Bombe zünden zu wollen. Russland hatte die Vorwürfe am Wochenende publik gemacht, die Ukraine sowie die USA, Frankreich und Großbritannien wiesen diese zurück. Nun legt Russland nach – mit einem Angebot an den Westen.

Aus Russlands Außenministerium hieß es am Dienstag, Moskau sei bereit, „allen interessierten“ Staaten „detaillierte Informationen über die Vorbereitungen Kiews auf eine Provokation durch den Einsatz einer schmutzigen Bombe zu geben“.

An die Adresse der USA, Frankreichs und Großbritanniens sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa: „Was sie jetzt tun sollten, ist alle ihre Geschäfte zu verschieben, sich hinzusetzen und die von Russland in Telefonaten erwähnten Materialien zu überprüfen und die Informationen öffentlich zu analysieren.“

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und seine Sprecherin Maria Sacharowa.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow und seine Sprecherin Maria Sacharowa. © IMAGO / SNA

„Wie Russlands Äußerungen vor 24. Februar“ -Litauen warnt vor Kriegs-Eskalation

Eine erneute Reaktion der Staaten blieb zunächst aus, stattdessen äußerte sich Russlands Nachbar, Litauen. Außenminister Gabrielius Landsbergis forderte vom Westen, die Kremlbehauptungen ernst zu nehmen. Die Vorwürfe Moskaus könnten möglicherweise der Auftakt zu einer militärischen Eskalation sein, sagte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes am Dienstag im Radio.

„Es erinnert sehr an Russlands Äußerungen im Vorlauf zum 24. Februar“, sagte Landsbergis. Vor dem Angriff auf die Ukraine seien von Moskau damals auch falsche Informationen über Chemiefabriken verbreitet worden, die angeblich in der Ukraine existierten. „Einige Partner nahmen es ernst, aber nicht unbedingt alle. Wir dachten, es ist nur ein Lügenkampagne Russlands, aber wir sehen, was daraus geworden ist“, sagte er. (as mit Material der dpa)

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