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Weitere Tote bei Protesten in Peru - Polizei stürmt Universität in Lima

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Von: Nail Akkoyun

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Die Lage in Peru eskaliert weiter. Vor allem in Lima liefern sich Demonstranten und Polizisten heftige Straßenschlachten. Der Newsticker.

Update, Sonntag, 22.01.2023, 7.45 Uhr: Die Sicherheitskräfte Perus haben in Lima die besetzte Marcos-Universität gestürmt. Dabei sollen Tränengas und gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz gekommen sein. 200 Personen wurden nach Angaben der Behörden festgenommen. Laut Angaben des britischen Guardian, der sich auf Augenzeugenberichte beruft, sei die Polizei dabei äußerst brutal vorgegangen.

Die Proteste in Peru dauern nun seit fast sechs Wochen an. 60 Menschen haben in den gewalttätigen Auseinandersetzungen bereits ihr Leben verloren. Mindestens 580 sollen zum Teil schwer verletzt worden sein. Die Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Menschen verhaftet.

Die Proteste in Peru dauern an. Polizisten sichern die gestürmte Marcos-Universität in der Hauptstadt Lima.
Die Proteste in Peru dauern an. Polizisten sichern die gestürmte Marcos-Universität in der Hauptstadt Lima. © JUAN MANDAMIENTO/AFP

Proteste in Peru: Regierung schließt Machu Picchu

+++ 21.35 Uhr: Um die „Integrität“ von Touristinnen und Touristen zu schützen, hat die peruanische Regierung erneut „bis auf Weiteres“ den Zugang zur Inka-Stätte Machu Picchu geschlossen. Auch der Betrieb des unweit gelegenen Flughafens in Cusco sei bereits eingestellt worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die Maßnahme soll verhindern, dass Besucherinnen und Besucher erneut, wie bereits wiederholt seit Beginn der Aufstände im Dezember, an der Weltkulturerbestätte stranden.

Auch im Laufe des Samstags gab es Berichte über zahlreiche Verletzte und vereinzelte Tote aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die die Proteste gegen die Amtsenthebung des linksgerichteten Präsidenten Pedro Castillo ausgelöst hatten. Aus der Kleinstadt Ilave in der südlichen Region Puno wurde am Samstag über ein weiteres Todesopfer berichtet. Ein Krankenhaus in der Stadt meldete außerdem zehn Verletzte. Anlass dafür waren wohl Zusammenstößen zwischen Mitgliedern des indigenen Aymara-Volkes und der Polizei, deren gewaltsames Vorgehen gegen die Proteste zu gewalttätigem Widerstand führte. Am Samstagfrüh steckten die Demonstrierenden eine Polizeiwache in Brand.

Proteste in Peru eskalieren - 45 Menschen sterben in Straßenschlachten

Update von Sonntag, 21. Januar, 08.00 Uhr: Die Lage in Peru gerät weiter außer Kontrolle. Laut offiziellen Angaben sind bei den Protesten gegen die Regierung bereits 45 Menschen gestorben. Rund 60 weitere Personen sollen verletzt worden sein. Das berichtet die ARD Tagesschau und beruft sich dabei auf Angaben der Behörden in der Haupstadt Lima.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgeht. Diese wiederum attackieren Sicherheitsbeamte mit Steinen. In der Provinz Chucuito ist eine Polizeiwache in Flammen aufgegangen. Die Regierung weitete den Ausnahmezustand auf weitere Regionen aus.

Schwere Proteste in Peru - Straßenschlachten in Lima

Erstmeldung vom 20. Januar: Lima – Bei Protesten gegen die peruanische Regierung haben sich Demonstrierende mit Polizistinnen und Polizisten in der Hauptstadt Lima schwere Auseinandersetzungen geliefert. Die Regierungsgegnerinnen und -Gegner schleuderten Steine und Feuerwerkskörper auf die Einsatzkräfte, die wiederum Tränengas in die Menge feuerten. Die Demonstrierenden versuchten nach einem Bericht des Radiosenders RPP zum Kongress vorzudringen. Mehrere Menschen wurden bei den Zusammenstößen verletzt.

Im Zentrum von Lima ging ein Gebäude in Flammen auf. Mehr als 25 Einheiten der Feuerwehr seien im Einsatz, um zu verhindern, dass der Brand auf benachbarte Häuser übergreife, sagte der Kommandant der Feuerwehr, Mario Casaretto, dem Sender RPP. Das Feuer sei „außer Kontrolle“, hieß es. Ob es einen Zusammenhang mit den Protesten gebe, war zunächst nicht bekannt.

Proteste in Peru: Demonstrierende fordern Rücktritt von Präsidentin Boluarte

Die Proteste richten sich gegen die Regierung von Übergangspräsidentin Dina Boluarte. Diese rief die Protestierenden in einer Ansprache am Abend zum Dialog auf und kündigte Konsequenzen für diejenigen an, die „Chaos und Unordnung stiften wollen“.

Die Demonstrierenden fordern den Rücktritt der Staatschefin, die Auflösung des Kongresses und die Freilassung des inhaftierten Ex-Präsidenten Pedro Castillo. Der frühere Dorfschullehrer wollte im Dezember einem Misstrauensvotum zuvorkommen und löste den Kongress auf. Das Parlament enthob den Linken daraufhin des Amtes. Er wurde wegen des Vorwurfs eines versuchten Staatsstreichs festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Peru: Person stirbt bei Demonstrationen in Arequipa

Tausende Menschen waren am Donnerstag (19. Januar) unter dem Motto „Toma de Lima“ („Einnahme von Lima“) vor allem aus dem Süden von Peru nach Lima gekommen. Auch in anderen Teilen des südamerikanischen Landes kam es zu heftigen Protesten. In der Stadt Arequipa kam eine Person ums Leben, zehn weitere wurden verletzt, wie die staatliche Ombudsstelle mitteilte. Seit Beginn der Proteste im Dezember starben in Peru mehrere Dutzend Menschen.

Die blutigen Proteste haben für den Tourismus in dem Andenstaat schwere Folgen. 90 Prozent der Buchungen bis Ende März seien storniert worden, berichtete die peruanische Nachrichtenagentur Agencia Andina unter Berufung auf die Handelskammer der Region um Cusco am Dienstag (17. Januar). (nak/dpa)

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