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Ukraine-Krieg: Evakuierungen schreiten voran – Russland erwartet „Millionen“ Geflüchtete

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Von: Tobias Utz, Lukas Rogalla, Nail Akkoyun, Tanja Koch

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In der Ukraine geht es mit den Evakuierungen weiter voran, auch wenn die vereinbarte Waffenrufe mancherorts offenbar nicht eingehalten wird. Der News-Ticker.

Dieser News-Ticker ist beendet: Alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg lesen Sie im neuen Ticker.

+++ 16.44 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, dass 723 Menschen entlang einer vereinbarten Evakuierungsroute aus der nordostukrainischen Stadt Sumy evakuiert worden seien. Das Ministerium wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti zitiert. Demnach befanden sich unter den Evakuierten 576 indische, 115 chinesische, 20 jordanische sowie 12 tunesische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.

Der erste Konvoi, der am Dienstagmorgen aufbrach, erreichte ukrainische die Stadt Poltawa ohne Zwischenfälle, wie ukrainische Beamte mitteilten. Ein späterer Konvoi wurde nach Angaben des Leiters der Regionalverwaltung, Dmitri Zhyvitsky, durch den Ausbruch von Schüssen am Stadtrand aufgehalten. In lokalen Medien wurde Zhyvitsky jedoch mit den Worten zitiert, die russischen Streitkräfte hätten nicht auf den Konvoi geschossen. Es ist unklar, ob der Konvoi in Richtung Poltawa weiterfuhr.

Mutter und Kind bei einer Evakuierung aus ukrainischen Städten.
Mutter und Kind bei einer Evakuierung aus ukrainischen Städten. © dpa

Ukraine-Krieg: Mehr als 2,5 Millionen Menschen wollen nach Russland – laut Moskau

Nach der Darstellung Moskaus wollen aktuell mehr als 2,5 Millionen Menschen aus Angst vor den Gefechten nach Russland gebracht werden. Die Personen hätten sich über verschiedene Kommunikationskanäle an Russland gewandt, sagte Generaloberst Michail Misinzew vom Verteidigungsministerium am Dienstag in Moskau. Es handele sich dabei um Evakuierungen aus mehr als 1900 Orten. Die Zahlen ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der Ukraine lebt auch eine große russischsprachige Minderheit. Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Angriffskrieg gegen das Nachbarland unter anderem damit begründet, dass diese Menschen vor einem „Genozid“ geschützt werden müssten. Für die Vorwürfe gibt es jedoch keine Belege.

Laut russischen Angaben wurden seit Beginn des Einmarsches am 24. Februar mehr als 174.000 Menschen aus dem Nachbarland aufgenommen, darunter 44.250 Kinder. Vor allem aus den Separatistengebieten in der Ostukraine wurden in den vergangenen Wochen viele Menschen nach Russland gebracht.

Ukraine: Krieg tobt in Charkiw – Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen

+++ 15.45 Uhr: Ihor Terechow, Bürgermeister von Charkiw, erklärte gegenüber CNN, er sei „absolut zuversichtlich“, dass man die russischen Streitkräfte besiegen werde. In der zweitgrößten Stadt der Ukraine leisten die ukrainische Armee sowie Teile der Bevölkerung noch immer enormen Widerstand, trotz massiver russischer Bombardements.

Seit Beginn der Invasion zählt Charkiw zu den am stärksten bombardierten Gebieten der Ukraine, Terechow bezeichnete den Beschuss durch Russland als „Völkermord.“ In der vergangenen Woche attackierten russische Streitkräfte Medienberichten zufolge unter anderem Schulen, Krankenhäuser und Wohnblocks.

Ukraine-Krieg: Charkiws Bürgermeister spricht von gezielten Angriffen

„Was kann es sonst sein? Es gibt keine militärische Infrastruktur, keine militärischen Einrichtungen in diesen Gebieten. Die Angriffe treffen Kindergärten, Schulen, Entbindungskliniken und Krankenhäuser“, sagte Charkiws Bürgermeister. „Wenn Hunderte von zivilen Gebäuden getroffen werden, ist das kein Unfall. Das ist ein gezielter Angriff.“

Die 1,5 Millionen Einwohner zählende Stadt brauche „alles“, von Lebensmitteln über Medikamente bis hin zu warmer Kleidung, so Ihor Terechow. Der Kreml bestreitet bislang, dass zivile Infrastrukturen in der Ukraine angegriffen wurden, obwohl es mehrere dokumentierte Opfer gab.

Ein Wohnhaus in Charkiw steht nach einem russischen Angriff am 7. März in Flammen.
Ein Wohnhaus in Charkiw steht nach einem russischen Angriff am 7. März in Flammen. © IMAGO/Ukrainian State Emergency Servic

Krieg in Mariupol: Außenminister wird Russland Kriegsverbrechen in der Ukraine vor

+++ 14.48 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schreibt auf Twitter, dass die russische Armee 300.000 Zivilistinnen und Zivilisten in Mariupol „als Geiseln“ hält und trotz Vereinbarungen mit dem Roten Kreuz humanitäre Evakuierungen verhindert. Ein Kind sei an Folgen einer Dehydration gestorben. Kriegsverbrechen seien Teil einer bewussten Strategie Russlands, so der Außenminister weiter.

Ukraine-Krieg: Russland bricht offenbar Waffenruhe in Mariupol

+++ 13.30 Uhr: Russland hat offenbar die Waffenruhe in der Hafenstadt Mariupol gebrochen. Das berichtet der Journalist Oleksiy Sorokin, unter anderem Autor des Nachrichtenportals Kyiv Independent, auf Twitter. Er bezieht sich dabei auf Informationen des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Die Angabe lässt sich derzeit allerdings nicht unabhängig überprüfen. Laut Sorokin attackieren russische Streitkräfte die Stadt über die Fluchtroute: mehrere Straßen, welche als „humanitäre Korridore“ eingerichtet wurden. Diese wurden laut Militärangaben zuvor von Minen und Stacheldrähten befreit.

Russland bietet humanitäre Korridore an - Angebot stößt in Kiew auf Skepsis.
Russland hat am Dienstagmorgen „humanitäre Korridore“ angeboten. Eine vereinbarte Waffenruhe in Mariupol wurde gegen Mittag offenbar gebrochen. © Emilio Morenatti/AP/dpa

+++ 12.53 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich zu Gesprächen über den Status der Separatistengebiete im Osten des Landes und der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim bereit gezeigt. Im US-Sender ABC machte Selenskyj am Montagabend (Ortszeit) zugleich deutlich, dass er nicht auf Forderungen aus Moskau eingehen werde, die Unabhängigkeit der selbst ernannten „Volksrepubliken“ sowie die russische Herrschaft über die Krim anzuerkennen. „Ich bin bereit für einen Dialog. Aber wir sind nicht bereit für eine Kapitulation.“

Weiter sagte der ukrainische Präsident: „Wir können diskutieren und einen Kompromiss finden, wie diese Gebiete weitermachen können.“ Wichtig sei, darauf zu achten, wie es den Menschen dort ergehe, die Teil der Ukraine sein wollten. Es handle sich um eine viel kompliziertere Frage als nur um eine Anerkennung. „Dies ist ein weiteres Ultimatum, und wir erkennen keine Ultimaten an.“

„Ich bin bereit für einen Dialog. Aber wir sind nicht bereit für eine Kapitulation“, sagt Wolodymyr Selenskyj. (Archivfoto)
„Ich bin bereit für einen Dialog. Aber wir sind nicht bereit für eine Kapitulation“, sagt Wolodymyr Selenskyj. (Archivfoto) © Pressebüro des ukrainischen Präsidenten/dpa/AP

Ukraine-Krieg: Präsident Selenskyj will nicht um Nato-Beitritt betteln

Selenskyj forderte erneut den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu direkten Verhandlungen auf. „Was Präsident Putin tun muss, ist, ein Gespräch zu beginnen, einen Dialog, anstatt weiter in einer Informationsblase ohne Sauerstoff zu leben.“ Selenskyj räumte ein, dass Russland die Lufthoheit über der Ukraine habe. Er forderte erneut eine Flugverbotszone. Es gehe darum, Raketenbeschuss auf zivile Einrichtungen zu verhindern.

Mit Blick auf die Nato gab sich Selenskyj enttäuscht. Das Bündnis sei nicht bereit, die Ukraine als Mitglied zu akzeptieren. „Die Allianz hat Angst vor kontroversen Fragen und einer Auseinandersetzung mit Russland.“ Er deutete an, auf einen Beitritt zu verzichten. Die Ukraine sei kein Land, das auf den Knien um etwas bettele. Seit einer Verfassungsänderung 2019 ist der Nato-Beitritt das erklärte Ziel der ehemaligen Sowjetrepublik.

Ukraine-Krieg: Feuerpause soll bis zum Abend gelten

+++ 12.05 Uhr: Die Feuerpause in den ukrainischen Städten Kiew, Tschernihiw, Sumy, Charkiw und Mariupol soll noch bis 21 Uhr ukrainischer Zeit (20 Uhr MEZ) gelten. Dies erklärte Dmytro Lunin, Leiter der Regionalverwaltung von Poltawa, auf Telegram. Die Ukraine werde sich an die Regelung halten, so Lunin weiter.

In Lokhvytsia, einer Stadt südwestlich von Sumy, seien mehrere Dutzend Busse gestartet, um Menschen aus der Gegend abzuholen und zu evakuieren. Darüber hinaus seien 20 Tonnen an humanitärer Hilfe, darunter vor allem Lebensmittel und Medikamente, geschickt worden.

Fluchtkonvois im Osten der Ukraine sind gestartet

+++ 10.31 Uhr: In der ostukrainischen Stadt Sumy hat die Evakuierung bereits begonnen. Wie das ukrainische Außenministerium auf Twitter mitteilt, wurden unter anderem auch ausländische Studentinnen und Studenten in einem ersten Fluchtkonvoi aus der Stadt gebracht.

+++ 09.45 Uhr: Russische Truppen haben laut einem ukrainischen Medienbericht einen Evakuierungsbus in Kiew beschossen. Das berichtet das Nachrichtenportal Nexta. Auf Twitter wurde ein Foto des beschossenen Busses verbreitet.

+++ 09.30 Uhr: Das russische Militär hat laut eigenen Angaben am Dienstag eine neue Feuerpause in der Ukraine in Kraft gesetzt und „humanitäre Korridore“ in fünf Städten geöffnet. In der Hauptstadt Kiew sowie den Großstädten Tschernihiw, Sumy, Charkiw und der besonders umkämpften Hafenstadt Mariupol sollten die Menschen die Möglichkeit haben, sich in Sicherheit zu bringen. Die Feuerpause sei um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (8.00 Uhr MEZ) in Kraft getreten, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Die Einstellung der Kämpfe gilt als Voraussetzung für das Funktionieren von Fluchtkorridoren in den umkämpften Städten. Ein Schwerpunkt ist die von Russland belagerte Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. Dort warten nach Angaben des Roten Kreuzes 200.000 Menschen darauf, über verschiedene Routen aus der Stadt zu kommen. In Mariupol handelt es sich um den inzwischen vierten Versuch, Menschen in Sicherheit zu bringen. Sie sollen mit Bussen und Autos herausgebracht werden. Dazu werden nach Angaben der ukrainischen Behörden auch Sammelpunkte in der Stadt eingerichtet. Vertreter der Ukraine und Russlands hatten bei einer dritten Verhandlungsrunde am Montag nach Angaben aus Kiew dazu Details vereinbart.

Krieg mit Russland: UNO fordert humanitäre Hilfslieferungen in die Ukraine

+++ 06.55 Uhr: Die UNO hat Sicherheitskorridore für humanitäre Hilfslieferungen in die Ukraine gefordert. Es seien „sichere Korridore nötig, um humanitäre Hilfe in die umkämpften Gebiete“ in der Ukraine zu bringen, sagte der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths am Montag vor dem UN-Sicherheitsrat. Zivilisten in Städten wie Mariupol, Charkiw, Melitopol und in anderen Orten warteten verzweifelt auf Hilfe und seien insbesondere auf „lebenswichtige medizinische Versorgung“ angewiesen. 

Russland hatte für Dienstag die Einrichtung mehrerer neuer „humanitärer Korridore“ angekündigt. In den Städten Kiew, Charkiw, Mariupol, Tschernihiw und Sumy sollen demnach lokale Waffenruhen gelten, um Zivilisten die Flucht zu ermöglichen. Dies hängt allerdings von der Zustimmung Kiews ab, wozu bislang keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Kiew kritisiert, dass die Korridore bislang nach Russland oder Belarus führten.

Ukraine-Krieg: Fluchtkorridore zweischneidig

Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, hat das Konzept von Fluchtkorridoren hingegen kritisiert. „Ich sehe humanitäre Fluchtkorridore durchaus zweischneidig“, sagte Reuter im ZDF. Natürlich sei es gut, wenn möglichst viele Menschen in der Ukraine gerettet werden könnten. „Aber ein humanitärer Fluchtkorridor darf dann nicht in der Konsequenz heißen, dass alle Menschen, die dort nicht fliehen, dann sozusagen angegriffen werden können“.

Die „Konflikt- und Kriegsparteien sagen, dass alle anderen zum Angriffsziel werden“, warnte Reuter. Es gehe den Regierungen „nicht in erster Linie darum, Menschen zu retten“. Stattdessen sei es ein „militärisches Instrument“, um anschließend „ungenierter, ungehemmter“ in die „Konfliktlage hineinschießen, hineinbombardieren zu können“.
  

Ukraine-Krieg: Der ukrainische Außenminister Kuleba bestätigt Treffen mit russischem Amtskollegen Lawrow

Update vom Dienstag, 08.03.2022, 06.00 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bestätigte den Plan für ein baldiges Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. „Derzeit ist der 10. (März) geplant“, sagte er in einer Videobotschaft. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte zuvor gesagt, beide Seiten würden am 10. März in Antalya erwartet. Kuleba sagte, wenn Lawrow zu einem ernsthaften Gespräch bereit sei, werde man von Diplomat und Diplomat reden. „Falls er anfängt, die absurde Propaganda zu wiederholen, die in letzter Zeit ausgeteilt wurde, wird er von mir die harte Wahrheit hören, die er verdient.“

Russland bietet nach Angaben seines UN-Botschafters am Dienstag eine erneute Feuerpause zur Öffnung humanitärer Korridore in der Ukraine an. Wassili Nebensja zitierte am Montag (Ortszeit) vor dem UN-Sicherheitsrat in New York aus einer neuen Erklärung aus Moskau: „Darin heißt es, dass die russische Partei erneut sagt, dass morgen, am 8. März um 10 Uhr morgens Moskauer Zeit, eine Waffenruhe durchgeführt und humanitäre Korridore geöffnet werden sollen“, um Bürger aus Kiew, Tschernihiw, Sumy, Charkiw und Mariupol zu evakuieren.

In einer Stellungnahme des russischen Verteidigungsministeriums auf dem Kurznachrichtenportal Telegram zufolge schienen die humanitären Korridore aber hauptsächlich oder komplett in Richtung Russland oder Belarus zu verlaufen. Botschafter Nebensja betonte jedoch, dass Flüchtlinge nicht unbedingt nach Russland geschickt würden: „Es wird auch eine Evakuierung in Richtung ukrainischer Städte westlich von Kiew angeboten.“

Ukraine-Krieg: Erwartungen vor Verhandlungen laut Russland „nicht erfüllt“

+++ 19.50 Uhr: Russland und die Ukraine haben nach ihrer dritten Verhandlungsrunde die Absicht zur Schaffung humanitärer Korridore in den umkämpften Gebieten bekräftigt. Es gebe kleine positive Schritte bei der Verbesserung der Logistik für die humanitären Korridore, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak. „Mit Blick auf den politischen Block, wozu ein Waffenstillstand und überhaupt die Beendigung der Kampfhandlungen gehören, werden die intensiven Beratungen fortgesetzt“, sagte der Ukrainer Podoljak. Es gebe aber keine Ergebnisse für eine spürbare Verbesserung der Lage. „Dennoch werden die Beratungen fortgesetzt, und wir werden ein Ergebnis erhalten.“

Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski zeigte sich enttäuscht von dem Treffen. „Die Erwartungen wurden nicht erfüllt“, sagte Medinski im russischen Staatsfernsehen. Die russische Seite habe eine Reihe vorbereiteter Dokumente zu den Verhandlungen mitgebracht. Allerdings habe die ukrainische Seite nichts unterschreiben wollen, sondern die Papiere zur Prüfung mitgenommen. Medinski zufolge wird in Kürze eine neue Verhandlungsrunde erwartet, bei der die Vereinbarungen schriftlich festgeklopft werden könnten.

Ukraine-Krieg: Dritte Verhandlungsrunde beendet

+++ 19.15 Uhr: Die dritte Runde der Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist am Montagabend nach rund drei Stunden in Belarus zu Ende gegangen. Das meldeten belarussische Staatsmedien in Minsk unter Berufung auf die dortige Botschaft Russlands. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Die belarussische Staatsagentur Belta hatte im Nachrichtenkanal Telegram ein Bild der Delegationen an einem Tisch veröffentlicht.

An den Gesprächen nahm auch der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak teil. Die Vertreter beider Länder wollten unter anderem über humanitäre Korridore zur Rettung von Menschen aus umkämpften Gebieten sprechen. Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski hatte beklagt, dass keiner der Korridore funktionstüchtig sei.

+++ 16.30 Uhr: Die dritte Runde der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine hat begonnen. Das berichten die Agenturen Tass und Interfax unter Berufung auf die russische Botschaft in Belarus. Auch wenn es von ukrainischer Seite bislang noch keine Bestätigung gab, hatte die belarussische Staatsagentur Belta auf Telegram und Twitter ein Bild des Treffens veröffentlicht, welches nahe des Belovezhskaya Pushcha Nationalparks stattfinden soll.

Beide Seiten hatten sich zwar bereits bei ihrem zweiten Treffen am vergangenen Donnerstag auf Fluchtkorridore verständigt. Am Wochenende waren aber gleich zwei Anläufe für Evakuierungen von Bewohnern der Stadt Mariupol gescheitert. Beide Seiten warfen sich vor, gegen eine vereinbarte Waffenruhe verstoßen zu haben. Eine geplante Rettung von Zivilisten aus umkämpften Städten gelang auch am Montag nicht.

Als Bedingung für eine Einstellung der Gefechte fordert Russland, die Ukraine müsse sich in ihrer Verfassung für neutral erklären. Zudem müsse Kiew die annektierte Halbinsel Krim als russisch sowie die Separatistengebiete im Osten des Landes als unabhängig anerkennen.

Moskau und Kiew sprechen über Waffenruhe – Neue Details zu Verhandlungen

+++ 13.45 Uhr: Die dritte Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine soll nach Angaben aus Kiew am Montagnachmittag (07.03.2022) um 15.00 Uhr (MEZ) beginnen. Das teilte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Mittag via Twitter mit. Podoljak twitterte dazu ein Selfie vor einem Militärhubschrauber. Die russische Delegation war zuvor laut Staatsagentur Tass nach Belarus geflogen. Wo genau sich beide Seiten treffen, war zunächst nicht bekannt.

Update vom Montag, 07.03.2022, 10.35 Uhr: Einer der ukrainischen Unterhändler, der erst kürzlich mit Russland während des Ukraine-Konflikts verhandelte, ist tot. Das berichtet die Tageszeitung Welt in Bezug auf eine Meldung des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Offenbar war Denis Kireyev als Agent tätig. Er sei demnach während „besonderer Aufgaben“ getötet worden. Wie der Agent ums Leben kam und wer dafür verantwortlich ist, blieb unklar.

Kireyev wohnte den Verhandlungen im Rahmen des Ukraine-Konflikts am 28. Februar in Belarus bei. Für Montag (07.03.2022) ist eine neue Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine angesetzt.

Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine: Moskau und Kiew verhandeln über Waffenruhe

Erstmeldung vom Montag, 07.03.2022, 09.18 Uhr: Kiew – Nach Angaben der Ukraine soll am Montag eine dritte Runde der Waffenstillstands-Gespräche mit Russland stattfinden. Nachdem bereits zwei Versuche gescheitert waren, erscheinen die Chancen auf einen Verhandlungserfolg gering. Der russische Präsident Wladimir Putin* zeigte sich zuletzt entschlossen, seine Ziele im Ukraine-Konflikt durchzusetzen. Kiew lehnt Russlands Forderungen wie eine Entmilitarisierung jedoch strikt ab.

Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine: Neue Gespräche am Montag

Bereits im Vorfeld der Verhandlungen kündigte Russland dann am Montagmorgen (07.03.2022) eine einseitige Waffenruhe wegen der „katastrophalen humanitäre Lage“ im Ukraine-Krieg an. Diese soll ab Montagvormittag ab 9.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MEZ) gelten. Sowohl für die Hauptstadt Kiew, die Hafenstadt Mariupol sowie Charkiw und Sumy soll es humanitäre Korridore geben, teilte das russische Militär am Morgen in Moskau mit.

Menschen in Kiew sollen nach Gomel in Belarus und dann weiter nach Russland transportiert werden. Von Mariupol am Asowschen Meer sollten Zivilisten in die südrussische Stadt Rostow gebracht werden. Zivilist:innen in Sumy sollten demnach in der zentralukrainischen Stadt Poltawa eine vorübergehende Unterkunft finden. Russische Soldaten wollten dafür sorgen, dass Zivilisten sicher die Städte verlassen könnten. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite lag zunächst nicht vor

Ukraine-Krieg: Bisherige Verhandlungen zwischen Russland und Ukraine waren gescheitert

Eine erste Verhandlungsrunde an der belarussisch-ukrainischen Grenze am Montag vergangener Woche (28.02.2022) war ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Beteiligten einigten sich lediglich auf ein weiteres Treffen. Die russische Armee setzte ihren Vormarsch auf die ukrainischen Städte fort. Zu Kampfpausen war es während der Verhandlungen nicht kommen.

Verhandlungen und Absprachen über Waffenruhe zwischen Ukraine und RusslandDatum
Verhandlungen an der Grenze zwischen Belarus und der Ukraine28.02.2022
Verhandlungen im polnisch-belarussischen Grenzgebiet: Humanitäre Korridore geplant03.03.2022
Versuch, humanitäre Korridore zu ermöglichen, scheitert05.03.2022
Zweiter Versuch für humanitäre Korridore scheitert05.03.2022
Dritte Verhandlungsrunde geplant07.03.2022
Russland kündigt einseitige Waffenruhe an, um Flucht zu ermöglichen07.03.2022

Am Donnerstag (03.03.2022) hatten sich die Ukraine und Russland schließlich zum zweiten Mal auf die Schaffung humanitärer Korridore geeinigt. Die Evakuierung der zivilen Bevölkerung aus den Kampfgebieten in der Ukraine scheiterte jedoch erneut. Beide Seiten machten sich dafür verantwortlich. Die Waffenruhe wurde nicht eingehalten. (tk/nak/lrg/tu mit AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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