Pressekonferenz

RKI-Chef Wieler und Jens Spahn warnen: „Notbremse ab einer Inzidenz von 100 konsequent ziehen“

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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  • Joel Schmidt
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Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich zu. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler informierten über die Situation in einer Pressekonferenz.

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler haben über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland informiert.
  • Lothar Wieler betonte, dass schwere Wochen bevorstünden. Es werde viele neue Infektionen und auch Tote geben.
  • Grund dafür sei die rasche Ausbreitung der britischen Corona-Mutante B.1.1.7.
  • Spahn und Wieler appelllierten an die Bevölkerung, die Kontakte an Ostern auf ein Minimum zu reduzieren.
  • Die generelle Corona-Testpflicht für Einreisen per Flugzeug nach Deutschland soll erst in der Nacht zum Dienstag (30.03.2021) in Kraft treten.
  • Spahn sagte außerdem, dass der „Effekt des Impfens durch hohe Inzidenz geschmälert“ werde.

+++ 11.05 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

+++ 10.58 Uhr: „Wäre es richtig, Kitas und Schulen wegen der hohen Zahlen bei Kindern wieder zu schließen?“ Spahn: „Wer Kitas und Schulen nicht schließen will, muss sie schützen. Dazu gehören mindestens zweimal die Woche Tests. Impfstoffe für Kinder und Jugendliche sind in der Studienphase. Das kann aber noch dauern. Die Studien laufen. Sobald es einen entsprechenden Impfstoff gibt, wollen wir ihn bald verfügbar machen.“

Lothar Wieler ergänzt: „Sobald die Daten ausreichend sind, kommt es womöglich zu einer Zulassung.“

Corona-Lage in Deutschland: Lothar Wieler hält Lockdown für sinnvoll

+++ 10.56 Uhr: „Ohne Lockdown geht es nicht, haben Sie gesagt, Herr Wieler. Welche Vorstellung haben Sie dabei?“ Wieler: „Wir hatten den einen Lockdown letztes Jahr im Frühjahr. Diese Art von Lockdown ist der Effektivste.“

+++ 10.49 Uhr: „Wird die Bundesregierung Frankreich als Hochinzidenzregion einstufen?“ Spahn: „Es gibt jede Woche einen Prozess, in dem entschieden wird, welche Länder Hochinzidenzregionen sind. Auch in Frankreich wird das Infektionsgeschehen regelmäßig betrachtet. Und wenn die Zahlen nicht runtergehen, wird es zu einer entsprechenden Einstufung kommen.“

+++ 10.45 Uhr: Lothar Wieler appelliert dringend, die „Werkzeuge“ gegen die Corona-Pandemie, wie die Schnelltests, zu nutzen. Als Beispiel nennt er Brasilien, wo es eine neue Corona-Variante gebe. Es sei nicht auszuschließen, dass neue Mutanten auch in Deutschland auftreten werden.

+++ 10.41 Uhr: „Was sind die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin noch wert?“ Jens Spahn: „Ich kann nur wiederholen, was ich gerade gesagt habe. Aus meiner Sicht ist die Notbremse ab einer Inzidenz von 100 konsequent zu ziehen.“

Jens Spahn spricht über Corona-Warnapp und Saarland-Modell

+++ 10.35 Uhr: „Die Corona-Warnapp scheint kaum eine Rolle bei den Gesundheitsämtern zu spielen.“ Jens Spahn: „In der Corona-Warnapp kann gesehen werden, wie viele Personen gewarnt haben. Der Anteil steigt proportional in den letzten Wochen, aber noch mehr wäre natürlich besser.“ Die App diene dazu, Anonymität zu wahren. Keine persönlichen Daten sollen gespeichert werden. Deshalb könne die App keine Rolle für die Daten der Gesundheitsämter spielen.

+++ 10.32 Uhr: „Herr Spahn, wir sind bei Inzidenzen um die 20.000. Wir sind in der dritten Welle. Gleichzeitig sprießen die Modellregionen, wie etwa das Saarland, aus dem Boden. Haben Sie die politische Steuerung der Pandemie aufgegeben?“ Spahn: „Modellregionen sind vorgesehen. Sie wollen ja nach Ostern beginnen, und so ist es vereinbart in Regionen, in denen das Infektionsgeschehen entsprechend niedrig ist.“ Es ergebe Sinn für die Perspektive, Konzepte zu testen, wo man Tests mit Öffnungen verknüpft.

Jens Spahn: Ostern nutzen, „um die dritte Welle abzumildern“

+++ 10.28 Uhr: „Haben Sie Erklärungen, warum viele Impfdosen nicht verimpft wurden?“ Die Frage richtet sich an Jens Spahn. „Es gibt teilweise Verzüge in den Meldungen. Wenn geimpft wird, verzögert sich die Meldung der Dokumentation der Impfung, weshalb uns die Information fehlt, wie viel verimpft wurde. Wir bekommen teilweise noch Meldungen aus dem Januar.“ Es gebe in der zeitlichen Abfolge einen gewissen Zeitverzug.

+++ 10.21 Uhr: „Müssen wir uns mit Blick auf die Zahlen nicht eingestehen, dass die letzte Bund-Länder-Konferenz nichts Konkretes hervorgebracht hat?“ Spahn: „Wir haben die Grenze der Lockerungen möglicherweise überschritten. Die Notbremse ab Montag ist deswegen so wichtig. Der Umstand, dass jetzt staatlich an Ostern eine zusätzliche Entschleunigung eintritt, bedeutet das nicht, dass wir nicht auch als Bürger diesen Unterschied machen können. Das Problem ist ja nicht weg, nur weil die Ruhetage nicht stattfinden.“ Neben der „Notbremse“ müssten auch Öffnungen wieder zurückgenommen werden.

Lothar Wieler appelliert: „Nutzen Sie Ostern, um das Virus auszubremsen“

+++ 10.19 Uhr: „Schnelltests bedeutet nicht, dass wir auf die Hygieneregeln verzichten dürfen. Wir brauchen weiterhin gute Hygienekonzepte. Nur weil viele ältere geschützt sind, bedeutet das nicht, dass die jüngeren nicht mehr geschützt werden müssen.“ Zu Ostern sagt Wieler: „Es ist wichtig, dass alle mitmachen. Nutzen Sie die Tage über Ostern, um das Virus auszubremsen. Verzichten Sie auf ungeschützte Treffen. Bitte reisen Sie möglichst nicht. Und wenn wir die Ostertage nutzen, um die Zahlen zu reduzieren, können wir die dritte Welle abmildern.“

Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich zu. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler informieren live in einer Pressekonferenz.

+++ 10.16 Uhr: Die Zahl der Intensivpatienten sei gestiegen, so Wieler. Die Todesfälle gingen zwar aktuell zurück, man müsse sich aber darauf einstellen, dass sie hochgehen werde. „Wir können die Welle nicht verhindern, aber wir müssen versuchen, sie abzuschwächen. „Nehmen Sie Ihre Testergebnisse ernst. Wenn Sie einen positiven Test erhalten, bitte informieren Sie selbstständig Ihre Kontakte. Zeit ist ein entscheidender Faktor.“

Lothar Wieler über Corona-Lage: „Uns stehen sehr schwere Wochen bevor“

+++ 10.13 Uhr: RKI-Chef Lothar Wieler spricht jetzt. „Uns stehen sehr schwere Wochen bevor. Wir befinden uns am Anfang der dritten Welle, ausgelöst durch die Mutante B.1.1.7. Sie ist schwerer einzudämmen. Es gibt deutliche Signale, dass diese Welle noch schlimmer werden kann als die ersten beiden Wellen. Wir müssen uns auf hohe Infektionszahlen einstellen, hohe Überlastung der Kliniken und darauf, dass viele Menschen sterben werden.“ Im Moment würden alle Indikatoren darauf hindeuten, dass sich die Situation in den kommenden Wochen verschlechtern werde.

„Die Inzidenzen steigen auch bei Kindern und Jugendlichen“. Man sehe besonders viele Ansteckungen in Privathaushalten, Schulen und Kitas. Man könne jedoch oftmals nicht nachvollziehen, wo man sich angesteckt habe. Das Virus verbreite sich überall dort, wo Menschen zusammenkommen.

Lothar Wieler: „Wir müssen uns auf hohe Infektionszahlen einstellen“

+++ 10.11 Uhr: „Wenn wir die Inzidenz gesenkt haben und Öffnungsschritte gehen wollen, brauchen wir die Infrastruktur, die die Nachweise für den Besuch des Kinos, des Theaters oder des Fußballspiels ermöglicht“, betont Spahn.

„Noch können wir Ostern noch nicht so gestalten, wie wir das wollen. Aber wir sind im letzten Teil des Pandemie-Marathons angekommen. Das Ziel ist sichtbar, aber noch ein ganzes Stück weg“, erläutert Jens Spahn.

+++ 10.09 Uhr: Jeder Bürger in Deutschland könne sich kostenlos testen lassen. Spahn ermuntert, „es auch zu tun“. Diejenigen, die unwissentlich infiziert sind, könnten damit innerhalb kurzer Zeit ein flächendeckendes Testangebot nutzen. „Es werden weitere Angebote ausgebaut.“

Jens Spahn und Lothar Wieler: „Effekt des Impfens wird durch hohe Inzidenz geschmälert“

+++ 10.08 Uhr: Dass das Impfen helfe, sehe man an den Pflegeheimbewohnern und den über 80-Jährigen. Man sehe beim aktuellen Infektionsgeschehen, dass die Zahl der Neuinfektionen zurückgehe, so Spahn. „Auch die Ausbrüche in den Pflegeheimen sind deutlich zurückgegangen. Von 370 pro Woche sind wir auf 20 pro Woche gekommen.“ Diese ersten Erfolge seien „ermutigend“.

+++ 10.06 Uhr: 8,3 Millionen Menschen in Deutschland seien geimpft. Man dürfe im April viel mehr Impfdosen erwarten, so Spahn. „Die Impfkampagne wird an Dynamik gewinnen. Es wird sich Woche für Woche verbessern. Aber der Effekt des Impfens wird durch die hohe Inzidenz geschmälert. Je höher die Inzidenz, desto weniger hilft die Impfung.“

+++ 10.04 Uhr: „Das Infektionsgeschehen ist zu hoch“, betont Spahn. „Wir laufen Gefahr, dass unser Gesundheitssystem an seine Belastungsgrenzen kommen. Wir sehen erneut steigende Zahlen von intensivpflichtigen Covid-19-Patienten. Die Ärzte, die dort arbeiten, arbeiten inzwischen seit sechs Monaten unter Dauerbelastung und kommen durch die höheren Infektionszahlen durch noch höhere Belastungen. Es kann wieder zu hohen Todeszahlen kommen.“ Spahn appelliert, Treffen an Ostern nach draußen zu verschieben. „Wenn drinnen, dann mit Schutzmaske.“

Bundesgesundheitsminister: Jens Spahn warnt vor hohen Todeszahlen

+++ 10.00 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ergreift das Wort. „Die Einreiseverordnung tritt Montagnacht (30.03.2021) in Kraft. Wer keinen negativen Test hat, wird nicht mitgenommen. Wir geben bis Montagnacht Zeit, um die Fluggesellschaften zu entlasten.“ Damit setze man um, was man zwischen Bund und Ländern vereinbart haben – nämlich vor einer Einreise aus dem Ausland nach Deutschland einen negativen Test vorzuweisen.

Erstmeldung vom Freitag, 26.03.2021, 09.06 Uhr: Berlin – Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* (CDU) und der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler informieren am Freitagmorgen (26.03.2021) um 10 Uhr auf einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona*-Lage in Deutschland. Dabei soll es auch um Einschränkungen von Reisemöglichkeiten um Ostern herum sowie die ab Sonntag geltende Testpflicht bei Flug-Einreisen gehen.

Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten hatten sich bereits zu Beginn der Woche mit Kanzlerin Angela Merkel* (CDU) auf eine Testpflicht als Einreisevoraussetzung bei Flügen nach Deutschland* geeinigt. Diese soll vorerst bis zum 12. Mai gelten, muss allerdings zuvor noch vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Mit der Testpflicht soll eine weitere Verbreitung von gefährlichereren Corona-Varianten vermindert werden.

Pressekonferenz zur Corona-Lage – RKI-Chef und Gesundheitsminister Spahn informieren

Indessen teilte das RKI am Donnerstag (25.03.2021) mit, dass die Corona-Infektionszahlen derzeit in sämtlichen Altersgruppen ansteigen – besonders stark allerdings bei Kindern und Jugendlichen. Eine Ursache dafür sieht das Institut in der ansteckenderen Virusmutation B.1.1.7 begründet. Da selbst Kleinkinder erkrankten, erwägt das Bundesfamilienministerium nun zunehmend auch Kita-Personal Impfungen zu ermöglichen. Jens Spahn stellte sich hinter diesen Plan und sagte bei einem Besuch des RKI: „Wer Kitas nicht schließen will, muss sie schützen.“

Name: Jens Georg SpahnEhepartner: Daniel Funke
Geboren: 16. Mai 1980 (40 Jahre)Partei: CDU
Geburtsort: AhausAmt: Bundesgesundheitsminister (seit 2018)

Nach Daten des RKI hat sich die 7-Tage-Inzidenz bei Kindern bis 14 Jahren innerhalb des vergangenen Monats bundesweit mehr als verdoppelt und beläuft sich mittlerweile auf mehr als 100 Fälle pro 100.000 Einwohnern. Eine Zunahme der registrierten Infektionsfälle zeige sich insbesondere in der Altersgruppe bis fünf Jahre, heißt es seitens des RKI. Die belegen demnach auch Daten nach Ausbrüchen in Kitas.

Lothar Wieler (l), Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), spricht nach einer Pressekonferenz zu Corona-Impfungen mit Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.

Jens Spahn und RKI-Chef Wieler zur Corona-Lage: Neuinfektionen steigen

Eine ähnliche Entwicklung steigender Corona-Infektionen wie sie derzeit in den Kitas zu beobachten ist, deute sich nach Aussage des RKI ebenfalls nach der Öffnung der Schulen an. Für Schulen empfiehlt das Institut daher weiterhin das Aufteilen von größeren Gruppen wie Klassen und Jahrgängen in kleinere Gruppen und die Beschränkung auf Kontakte innerhalb dieser festgelegten Gruppe sowie einen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht.

Nach aktuellen Zahlen des RKI* gab es binnen eines Tages in Deutschland 21.573 Corona-Neuinfektionen sowie 183 neue Todesfälle gemeldet (Stand 26.03.2021). Noch eine Woche zuvor wurden innerhalb eines Tages 17.482 Neuinfektionen und 226 neue Todesfälle verzeichnet. (jsc/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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