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Iran schickt 820.000 Corona-Impfdosen zurück – weil sie aus den USA stammen

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Von: Tim Vincent Dicke

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Eine iranische Frau wird gegen Corona geimpft.
Der Iran kämpft gegen hohe Infektions- und Todeszahlen an – trotzdem sind viele westliche Corona-Impfstoffe nicht erlaubt. © Morteza Nikoubazl/imago

Der Iran kämpft mit hohen Corona-Todeszahlen. Doch in den USA produzierte Impfstoffe will das Regime unter keinen Umständen annehmen.

Teheran – Die Behörden im Iran* haben mehr als 800.000 von Polen gespendete Impfdosen gegen das Corona-Virus* zurückgeschickt, weil diese in den USA* hergestellt wurden. Dies meldete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf iranische Staatsmedien am Montag (21.02.2022).

Im iranischen Fernsehen sagte Mohammad Hashemi, ein Beamter des Gesundheitsministeriums, dass Polen etwa eine Million Dosen des Corona-Impfstoffs des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca* an die Islamische Republik gespendet habe. „Als die Impfstoffe im Iran ankamen, stellten wir jedoch fest, dass 820.000 Dosen des aus Polen importierten Impfstoffs aus den Vereinigten Staaten stammten“, sagte er.

Iran schickt Corona-Impfdosen zurück – Vakzine aus den USA nicht erlaubt

Der Iran und die USA haben extrem komplizierte und angespannte Beziehungen*. Während Washington den Iran seit 1984 als „Schurkenstaat“ klassifiziert und immer wieder vor der Entwicklung iranischer Atomwaffen* warnt, sieht Teheran die USA als Erzfeind an.

Hashemi sagte im TV: „Nach Abstimmung mit dem polnischen Botschafter im Iran wurde beschlossen, dass die Impfstoffe zurückgegeben werden.“ Irans „Oberster Führer“ Ayatollah Ali Chamenei lehnt den Import von amerikanischen und britischen Vakzinen seit Beginn der Corona-Pandemie ab.

„Amerikanische und englische Impfstoffe dürfen für den Iran weder gekauft noch hier verwendet werden“, sagte Chamenei 2021, der als politisches und religiöses Oberhaupt das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten hat. „Wenn die USA zuverlässige Impfstoffe haben, warum sterben dann so viele Menschen in dem Land?“

Iran: Polen will in den USA produzierte Corona-Impfdosen zurücknehmen

Vermutlich gab es bei der Koordination zwischen den polnischen und iranischen Stellen ein Missgeschick. Der iranische Gesundheitsminister Bahram Einollahi schrieb in einem Brief an den Leiter der Zollbehörde, dass die Corona-Impfstoffe trotz der Zusicherungen Polens aus einer „nicht genehmigten Quelle“ stammen würden. Einollahi zufolge will Polen die Dosen zurücknehmen und „die Impfstoffe durch solche aus einer zugelassenen Quelle ersetzen“.

Neben dem Vakzin von Astrazeneca* sind im Iran folgende Impfstoffe zugelassen: Sinopharm aus China, Sputnik V aus Russland sowie Covaxin vom indischen Hersteller Bharat Biotech. Außerdem hat der Iran den Corona-Impfstoff „COVIran Barekat“ entwickelt – überprüfbare wissenschaftliche Studien zu dem Eigengewächs gibt es jedoch kaum.

Mehr als 135.000 Corona-Tote im Iran

Mit insgesamt mehr als 135.000 Corona-Todesfällen hat der Iran nach offiziellen Angaben die höchste Todesrate im Nahen Osten. Rund sieben Millionen Menschen haben sich laut den Behörden seit 2020 mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert, unabhängige Stellen vermuten allerdings eine hohe Dunkelziffer.

Zwar soll rund 65 Prozent der Bevölkerung zweifach gegen Corona geimpft sein, die Booster-Impfquote ist offiziellen Stellen zufolge aber sehr gering. Sie liegt demnach nur bei etwa 26 Prozent. Wie in vielen anderen Ländern auch ist die hochansteckende Omikron-Mutante mittlerweile die dominante Virusvariante im Iran. (tvd) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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