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Donald Trump in Washington: „Wir müssen es vielleicht einfach nochmal machen“

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Von: Stefan Krieger

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Ex US-Präsident Donald Trump macht bei Rückkehr nach Washington erneut Andeutungen über eine mögliche Kandidatur.

Washington DC – Donald Trump, der ehemalige US-Präsident, dessen Rolle beim Sturm auf das Kapitol mit fünf Toten und rund 140 verletzten Polizisten noch immer ungeklärt ist, kehrte am Dienstag (26. Juli) mit einem Appell ausgerechnet für Recht und Ordnung nach Washington zurück. Er, Donald Trump, wolle der Polizei „den Respekt geben, den sie verdient“.

Donald Trump sprach in einem Luxushotel weniger als drei Kilometer vom US-Kapitol entfernt, wo seine Anhänger vor 18 Monaten wütend die Strafverfolgungsbehörden angriffen, um das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen 2020 zu kippen. Es war sein erster Besuch in der Hauptstadt, seit er bei Amtseinführung von Joe Biden brüskiert nach Florida geflogen ist, ohne seinem Nachfolger die Ehre zu erweisen.

Donald Trump will „weitere Details“ präsentieren

Trump nutzte seine Rückkehr in die Hauptstadt für erneute Andeutungen über eine mögliche zweite Kandidatur. Bei seiner Rede vor der konservativen Denkfabrik America First Policy Institute betonte er, er habe bei seiner ersten Präsidentschaftskandidatur 2016 gewonnen und beim zweiten Anlauf im Jahr 2020 noch „viel besser“ abgeschnitten.

„Wir müssen es vielleicht einfach nochmal machen“, fügte der 76-jährige Republikaner hinzu. „Wir müssen unser Land wieder in Ordnung bringen.“ In den „kommenden Wochen und Monaten“ wolle er „viele weitere Details“ vorlegen.

Ehemaliger US-Präsident Trump
Donald Trump bezeichnete sich ein Mal mehr als ein Opfer politischer Verfolgung. © Andrew Harnik/dpa

In seiner eineinhalbstündigen Rede kritisierte Trump seinen Nachfolger Joe Biden von der Demokratischen Partei scharf und machte ihn für die hohe Inflation, hohe Kriminalität und eine „Invasion“ durch Millionen Migranten verantwortlich. „Wir sind ein Land im Niedergang“, sagte der Rechtspopulist. „Wir sind eine scheiternde Nation.“

Donald Trump sieht sich als Verfolgter

Trump beschwerte sich: „Es gibt keinen Respekt mehr vor dem Gesetz und schon gar keine Ordnung. Unser Land ist jetzt ein Sündenpfuhl des Verbrechens. Wir haben Blut, Tod und Leid in einem Ausmaß, das früher undenkbar war, weil die Demokratische Partei versucht, die Strafverfolgung in der ganzen USA zu zerstören und zu demontieren. Das muss aufhören, und zwar sofort.“

Trump nutzte seine Rede vor dem America First Policy Institute auch für Angriffe auf den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 - und bezeichnete sich ein Mal mehr als ein Opfer politischer Verfolgung. „Wenn ich meine Überzeugungen aufgeben würde, wenn ich schweigen, zu Hause bleiben und eine ruhige Kugel schieben würde, würde die Verfolgung von Donald Trump sofort aufhören“, sagte der 76-Jährige. „Aber das werde ich nicht machen.“

„Sie wollen mir wirklich schaden, damit ich nicht wieder für euch arbeiten kann“, sagte Trump. „Und ich denke nicht, dass das passieren wird.“ Das Publikum reagierte mit „Vier weitere Jahre“-Rufen – ein in den USA üblicher Slogan für eine weitere Amtszeit.

Joe Biden: Trump hatte nicht das Rückrat, zu handeln

US-Präsident Joe Biden reagierte am Dienstag mit scharfer Kritik auf Trumps Rede. „Nennt mich altmodisch, aber ich denke nicht, einen Mob anzustacheln, Polizisten anzugreifen, stellt ‚Respekt vor dem Gesetz‘ dar“, schrieb der Präsident im Kurzbotschaftsdienst Twitter. Die Menschen dürften nicht vergessen, dass Trump der Gewalt vom 6. Januar tatenlos zugesehen und „nicht das Rückgrat“ gehabt habe, zu handeln.

Auch andere Demokraten spotteten über Trumps Rückkehr nach Washington und wiesen auf die Ironie seiner „Law-and-Order“-Botschaft hin. Cedric Richmond, leitender Berater des Democratic National Committee, sagte: „Wenn Donald Trump über Kriminalität sprechen will, sollte er erklären, warum er einen Mob aufgestachelt hat. Aufgestachelt, um Polizeibeamte, die das Kapitol verteidigten, gewaltsam anzugreifen. Oder warum er massive Kürzungen bei kommunalen Polizeiprogrammen vorgeschlagen hat. Oder warum seine republikanischen Verbündeten gegen Mittel gestimmt haben, die die Strafverfolgung unterstützt haben.“

Seit seiner Abwahl, die er nie akzeptierte, kokettiert Trump immer wieder mit einer erneuten Kandidatur und befeuert Spekulationen. Trump wäre bei der Wahl in gut zweieinhalb Jahren 78 Jahre alt – und somit ein Jahr jünger als sein Nachfolger heute ist. (Stefan Krieger)

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