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Corona-Lockerungen: Fachleute warnen vor „Achterbahnfahrt“

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Von: Max Schäfer

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In der Diskussion um Lockerungen der Corona-Maßnahmen warnt die Intensivmedizin vor einer „Achterbahnfahrt“.

Frankfurt – Die Omikron-Variante* triebt die Corona-Fallzahlen in Deutschland* in die Höhe. Gleichzeitig nimmt die Diskussion um eine Lockerung der Beschränkungen weiter an Fahrt auf. Die Fraktionschefin der Grünen* im Bundestag, Katharina Dröge, sieht den Zeitpunkt noch nicht gekommen, über Lockerungen der Einschränkungen nachzudenken. „Solange die Infektionszahlen steigen und die Impfquote weiter zu niedrig ist, sind Signale zu lockern verfrüht“, sagte Dröge dem Kölner Stadt-Anzeiger am Freitag (04.02.2022).

„Natürlich muss man sich Gedanken machen, wie der Weg wieder herausführt aus den Einschränkungen. Aber wenn man jetzt schon laut darüber redet, denken viele, wir seien über den Berg“, sagte Katharina Dröge. Stattdessen könne es auch durchaus sein, dass wir die Regeln noch einmal anpassen müssten.

Corona-Lockerungen: Intensivmediziner warnen vor „Achterbahnfahrt“

Auch für die Intensivmedizinerinnen und Mediziner kommen Corona-Lockerungen*, wie sie manche Bundesländer angekündigt haben, zu früh. Die aktuellen Maßnahmen hätten dazu geführt, dass sich die Omikron-Welle in Deutschland langsamer und nicht so schnell entwickele wie in anderen Ländern, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Freitag (04.02.2022).

Als einen Lockerungsschritt fordert der Arbeitgeberpräsident die bundesweite Aufhebung der 2G-Regel.
Als einen Lockerungsschritt fordert der Arbeitgeberpräsident die bundesweite Aufhebung der 2G-Regel. © Sven Hoppe/dpa

Dieser Erfolg dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Es sei zwar vernünftig, vorausschauend über Lockerungsschritte zu diskutieren. Konkrete Lockerungen dürften aber erst beschlossen werden, wenn der Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten sei. Gernot Marx riet Bund und Ländern zu warten, bis die Infektionszahlen stabil über mehrere Tage zurückgehen. „Es wäre fatal, wenn wir durch zu frühe Lockerungen in eine Achterbahnfahrt mit erneut steigenden Infektionszahlen gerieten“, warnte Marx.

Corona-Lockerungen: Kassenärzte-Chef Gassen fordert „Freedom-Plan“

Kassenärzte-Chef Andreas Gassen bezeichnete es dagegen als „wichtigste Aufgabe der Politik“, einen „Freedom-Plan“ zu formulieren. Deutschland müsse lernen, mit Corona zu leben, sagte der Arzt. Beim Profi-Fußball könnten bald wieder vollere Stadien zugelassen werden. Im Einzelhandel seien rasche Lockerungen möglich: „2G im Handel brauchen wir bald auch nicht mehr.“

Es sei ein Irrtum, zu glauben, die Pandemie sei erst vorbei, wenn niemand mehr an Corona stirbt. „Corona wird wohl dauerhaft Teil des Krankheitsgeschehens bleiben“, betonte Gassen. Auch bei der Influenza gebe es stets neue Varianten und in manchen Jahren Zehntausende Tote.

Corona-Lockerungen: Bundesregierung soll Plan für Öffnungen auf den Weg bringen

Im Februar solle die Bundesregierung einen Plan für Öffnungen auf den Weg bringen, forderte dagegen der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge (CDU*) im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) am Freitag. Es müsse stufenweise Öffnungsschritte geben, die für alle Bürgerinnen und Bürger verständlich sind, erklärte Sorge. „Andere Länder zeigen uns: Man kann sehr wohl lockern, ohne gleich in Leichtsinn zu verfallen.“

In der Debatte um Corona-Lockerungen solle der Expertenrat der Bundesregierung dafür „zeitnah“ eine Leitlinie formulieren, damit Bund und Länder entscheiden könnten, so Tino Sorge. Die Öffnungsschritte sollten sich auch an der Krankenhaus-Auslastung und anderen Faktoren orientieren. „Es wird nicht reichen, dem Geschehen hinterherzulaufen und erst dann Öffnungsoptionen zu präsentieren, wenn die Zahlen bereits sinken“, sagte Sorge der NOZ.

SPD: Corona-Maßnahmen könnten im März komplett wegfallen

Eine bundesweite Aufhebung der 2G-Regel im Einzelhandel forderte unterdessen Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. „Es ist ungerecht, wenn der eine Einzelhändler die 2G-Regel kontrollieren muss und der andere nicht, wenn der eine Händler wegen 2G Umsatz verliert und der andere nicht“, sagte Dulger der Rheinischen Post am Freitag. In einigen Bundesländern hätten die Gerichte wegen der Ungleichbehandlung schon reagiert und die 2G-Regel im Einzelhandel gekippt.

Die SPD* hält es für möglich, dass die Corona-Maßnahmen im März komplett wegfallen könnten. „Wir werden uns in den nächsten Wochen in aller Ruhe anschauen, ob eine Verlängerung der Corona-Schutzmaßnahmen über den 19. März hinaus überhaupt notwendig ist“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, der Welt am Freitag (04.02.2022). Wenn Mitte Februar tatsächlich ein Rückgang der Omikron-Variante festgestellt werde, stelle sich die Frage, ob es die Einschränkungen in den Frühjahrs- und Sommermonaten überhaupt noch brauche. (ms mit AFP/epd/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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