Pandemie

Seehofer fordert „einfachere Regeln“ – und will Läden trotz Corona öffnen

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Die Corona-Regeln seien zu kompliziert: Bundesinnenminister Seehofer fordert neue Maßnahmen – und offene Geschäfte und Läden.

  • Die Corona-Lage* in Deutschland ist weiterhin angespannt.
  • Ein möglicher dritter Lockdown ist im Gespräch.
  • Indes fordert Bundesinnenminister Horst Seehofer neue, „einfachere Regeln“.

München/Berlin – Deutschland befindet sich bereits in der dritten Corona-Welle. Fachleute wie die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck oder der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) warnen vor den neuesten Entwicklungen. Dirk Brockmann, Experte beim Robert Koch-Institut, sieht sogar das Risiko eines „exponentiellen“ Wachstums an Corona-Neuinfektionen in Deutschland.*

Corona: Seehofer fordert „einfachere Regeln“ in Deutschland

Die Debatte um Lockerungen hierzulande verschwimmt längst zu einer Diskussion um einen neuen, dritten Lockdown. Mitten in diese platzt ein Vorschlag des Bundesinnenministers. Horst Seehofer (CSU) spricht sich im Interview mit dem Münchner Merkur für eine Vereinfachung der Corona-Regeln in Deutschland aus.* „Die Regelungen sind mittlerweile zum Teil recht kompliziert geworden und nicht immer logisch“, so der Minister. „Die Leute verstehen nicht, wenn der Blumenladen schließen muss, aber der Supermarkt nebenan Blumen verkaufen darf“, erklärt Seehofer weiter.

„Wir können doch jetzt nicht drei Jahre im Lockdown verharren.“

Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister

Sein Vorschlag ist an den Inzidenzwert geknüpft: Ab einer Inzidenz von 50 soll ein Kunde pro zehn Quadratmeter in ein Geschäft dürfen – unabhängig davon, ob es sich um einen Discounter oder ein Geschäft des Einzelhandels handelt. Seehofer plädiert zudem dafür, dass dem Inzidenzwert von 100 weniger Bedeutung zugemessen wird. Zahlreiche Landkreise in Deutschland überschreiten diesen derzeit. Damit verknüpft ist die „Notbremse“, welche in den letzten Bund-Länder-Beratungen beschlossen wurde. „Eine Regel für eine Inzidenz von über 100 bräuchten wir dann nicht mehr“, sagt der Bundesinnenminister im Interview mit dem Münchner Merkur. „Wir alle müssen Corona sehr ernst nehmen. Aber dazu brauchen wir einfachere Regeln, die Schutz und Freiheit zusammenbringen und von jedem verstanden werden“, führt er aus.

Horst Seehofer, Bundesinnenminister und CSU-Politiker. (Archivfoto)

Folgen Corona-Lockerungen in Deutschland?

Offenbar planen die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer jedoch, den bisher vorgesehenen vierten Lockerungsschritt verschieben zu wollen. Dieser sieht vor in Landkreisen, welche eine Inzidenz unter 50 aufweisen in den Bereichen Kultur und Außengastronomie zu lockern. Das berichtet „Business Insider“ unter Berufung auf Interna. Das „verschlechtere Infektionsgeschehen“ und „die Unsicherheit beim Astrazeneca-Impfstoff“ seien die Gründe dafür.

Zumindest zweiteres dürfte sich am Donnerstag (18.03.2021) beziehungsweise Freitag klären: Die Europäische Arzneimittelagentur will sich zum Astrazeneca-Vakzin äußern.* Zudem will Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer die weitere Strategie auf dem Impfgipfel beraten.* (Tobias Utz) *fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/Photothek/Imago Images

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