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Protasewitsch droht die Todesstrafe - Eltern melden sich verzweifelt: „Meine Seele schreit“

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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  • Patrick Mayer
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Der Fall Roman Protasewitsch sorgt für großen Ärger zwischen EU und Belarus. Seine Eltern richten einen emotionalen Appell an die internationale Gemeinschaft. Der News-Ticker.

  • Roman Protasewitsch: Nach der mutmaßlichen Entführung des Regimekritikers und seiner Freundin verhängte die EU neue Sanktionen gegen Belarus.
  • Machthaber Alexander Lukaschenko meldet sich zu Wort und bezeichnet den Oppositionsaktivisten als „Terroristen“. Außerdem sprach er von Mord, Protasewitsch habe Menschen getötet (siehe Update vom 26. Mai, 18.38 Uhr).
  • Die Eltern des inhaftierten Bloggers sind verzweifelt und bitten die internationale Gemeinschaft um die Rettung ihres Sohnes (siehe Update vom 27. Mai, 14.45 Uhr).
  • Dieser News-Ticker zum Ryanair-Vorfall und zu Protasewitsch ist beendet.

+++ Dieser News-Ticker ist beendet. Aktuelle Informationen zu Roman Protasewitsch und Belarus finden Sie hier. +++

Update vom 27. Mai, 14.45 Uhr: Noch immer sind die Eltern des inhaftierten Bloggers Protasewitsch im Unklaren darüber, wo sich ihr Sohn befindet. „Wir wissen nicht, wo unser Sohn ist, auch seinen Gesundheitszustand kennen wir nicht“, sagte sein Vater Dmitri Protassewitsch am Donnerstag in Warschau. Ein von der Familie beauftragter Anwalt sei nicht zu dem 26-Jährigen vorgelassen worden. Er habe auch keine Auskunft darüber erhalten, in welchem Untersuchungsgefängnis er einsitze.

Die Aufnahmen eines veröffentlichten Videos zeigten deutliche Spuren von Misshandlung im Gesicht ihres Sohnes, betonten die im polnischen Exil lebenden Eltern erneut. Das Geständnis sei erzwungen worden. Sie dementieren ebenfalls Vorwürfe des belarussischen Machthabers Lukaschenko, ihr Sohn habe als Söldner in der Ostukraine aufseiten der Regierungstruppen gekämpft. „Im Donbass war er als Reporter“, sagte Mutter Natalia Protassewitsch. „Seine Waffe war nur das Wort“, sagte der Vater, ein ehemaliger Offizier der belarussischen Armee. Es seien viele Spekulationen im Umlauf, die seinen Sohn diskreditieren sollten.

Die Mutter richtete einen emotionalen Appell an die internationale Gemeinschaft, auf die Freilassung Protassewitschs zu dringen. „Meine Seele schreit: Rettet Roman, rettet meinen Sohn!“, sagte sie.

EU-Außenministertreffen in Lissabon: Heiko Maas fordert „Sanktionsspirale“ gegen Belarus

Update vom 27. Mai, 12.15 Uhr: Außenminister Heiko Maas hat sich für weitere harte Sanktionen gegen Belarus ausgesprochen. Er könne noch keine konkreten Industriezweige oder Unternehmen für Strafmaßnahmen nennen, sagte Maas am Donnerstag vor einem Treffen der EU-Außenminister in Lissabon. „Klar ist aber, dass wir uns nicht mit kleinen Sanktionsschritten zufrieden geben wollen, sondern dass wir die Wirtschaftsstruktur und den Zahlungsverkehr in Belarus mit Sanktionen ganz erheblich belegen wollen.“ Machthaber Alexander Lukaschenko müsse verstehen, dass die Zeit des Dialogs vorbei sei. Wenn Lukaschenko nicht einlenke, „muss man davon ausgehen, dass das der Beginn einer großen und langen Sanktionsspirale sein wird“.

Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis hat Sorge vor einer Annexion der früheren Sowjetrepublik Belarus durch Russland geäußert. Am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Lissabon sprach Landsbergis am Donnerstag von einem entsprechenden Zusammenwirken zwischen Machthaber Alexander Lukaschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin. Lukaschenko arbeite daran, die Verfassung zu ändern, so dass es möglich wäre, aus Russland und Belarus ein einziges Land zu machen.

Landsbergis verglich das Vorgehen Russlands mit der Einverleibung der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014. „Das ist die Krim, nur im größeren Maßstab“, sagte er. Aus seiner Sicht sollte die EU ein Signal an Russland senden, dass eine solche Annexion nicht gut ausgehen würde. Andere Teilnehmer des Ministertreffens äußerten sich zurückhaltend zu solchen Vermutungen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte: „Das kann man so sehen, das muss man aber nicht so sehen.“

Verzweifelter Hilferuf der Eltern: Mutter fleht um Hilfe für Blogger Roman Protasewitsch

Update vom 26. Mai, 20.47 Uhr: Mit einem verzweifelten Hilferuf haben sich nun die Eltern des festgenommenen Regierungskritikers Roman Protasewitsch an die Öffentlichkeit und die internationale Staatengemeinschaft gewandt.

„Ich bitte, ich flehe, ich appelliere an die ganze internationale Gemeinschaft, ihn zu retten“, sagte unter Tränen Natalia Protassewitsch, die Mutter des 26-jährigen Bloggers, im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im polnischen Breslau. „Er ist nur ein Journalist, er ist nur ein Kind. Bitte retten Sie ihn! Sie werden ihn töten!“, sagte die 46-Jährige. Seit Tagen habe sie nicht mehr geschlafen und das Handy in der Hoffnung auf gute Neuigkeiten nie aus der Hand gelegt. „Sie haben einen Kampfjet geschickt, um diesen jungen Mann zu holen! Das ist ein Terrorakt, anders kann man es nicht nennen“, erklärte sie. „Er wurde als Geisel genommen.“

Update vom 26. Mai, 19.40 Uhr: Nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Minsk und der Festnahme des Bloggers Roman Protasewitsch hat Polen seinen Luftraum für belarussische Airlines geschlossen. Dies sei ein Element der Sanktionen, für die sich Ministerpräsident Mateusz Morawiecki beim EU-Gipfel ausgesprochen habe, teilte Regierungssprecher Piotr Müller am Mittwoch mit. Bereits am Nachmittag war auf dem Portal „Flightradar“ zu sehen, wie ein Flugzeug der belarussischen Airline Belavia auf der Route von Minsk nach Barcelona vor dem Eindringen in den polnischen Luftraum mehrere Schleifen flog und schließlich wieder nach Minsk abdrehte.

Protasewitsch/Belarus: Lukaschenko spricht plötzlich von Mord und wendet sich an Putin - Todesstrafe droht

Update vom 26. Mai, 18.38 Uhr: Im Beisein des belarussischen Geheimdienstes KGB redete sich Alexander Lukaschenko bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der umstrittenen Landung eines Ryanair-Flugzeugs in Rage. Der Westen führe einen Krieg gegen Belarus, donnerte der Machthaber am Mittwoch in Minsk vor Abgeordneten. Drei Tage ist der Vorfall da her. Der 66-Jährige äußerte sich nun auch erstmals zu der von der EU und den USA verurteilten Zwangslandung des Flugzeugs am Sonntag: Wegen eines Bombenalarms habe er gehandelt - was sich schnell als Fehlalarm herausstellen sollte.

Lukaschenko wird dafür kritisiert, diese Argumentation dazu missbraucht zu haben, den von ihm gesuchten Blogger und politischen Aktivisten Roman Protasewitsch festzunehmen. Angesprochen auf Protasewitsch sagte Lukaschenko im Beisein des KGB: „Dieses Dreckschwein hat im Südosten der Ukraine Menschen getötet.“ Der Geheimdienst werde dazu bald Details bringen. Auch Russland sei im Bilde. Zwar hat Protasewitsch in der Ukraine als Reporter gearbeitet. Dass er als Söldner am Krieg in der Ostukraine teilgenommen haben soll, ist aber nicht erwiesen. Doch wiegen diese Vorwürfe besonders schwer, weil dem Journalisten eine lebensgefährliche Anklage drohen könnte. Auf schwere Verbrechen steht in Belarus die Todesstrafe, die das Land als letztes in Europa noch vollstreckt.

Regimekritiker in Belarus: Roman Protasewitsch(Mi.), hier bei einem Protest 2017.

Nach der Ankündigung von Sanktionen (siehe vorheriges Update) gab Lukaschenko den Auftrag, Gegensanktionen auszuarbeiten, um den Westen hart zu treffen. Er selbst will sich andere Märkte suchen, lobte in seiner Rede China und Russland als treue Unterstützer. An diesem Freitag wird er in Sotschi am Schwarzen Meer von Kremlchef Wladimir Putin empfangen. Es ist das dritte Treffen der beiden seit Jahresbeginn. Der bei Russland mit Milliardenbeträgen hoch verschuldete Lukaschenko dürfte vor allem einmal mehr als Bittsteller zu Putin kommen.

Kreml und Außenministerium in Moskau springen Lukaschenko vor der Visite schon einmal am Mittwoch zur Seite. Kremlsprecher Dmitri Peskow meinte, dass Lukaschenkos Äußerungen zu der gelandeten Ryanair-Maschine schlüssig seien. Er spricht sich wie Minsk für eine internationale Untersuchung aus. Und das Außenministerium weist angesichts von Vorwürfen auch deutscher Politiker zurück, dass Moskau etwas mit dem Vorfall zu tun haben könnte.

Fall Protasewitsch: Belarus kündigt „ziemlich schmerzhafte“ Sanktionen an

Update vom 26. Mai, 14.15 Uhr: Belarus droht dem Westen wegen der Sanktionen nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine mit Gegenreaktionen. Die Regierung habe „Schutzmaßnahmen“ vorbereitet, sagte Regierungschef Roman Golowtschenko am Mittwoch der Zeitung des Präsidentenamtes, Belarus Segodnja, zufolge. „Diese Maßnahmen werden für die Länder, die eine offen feindselige Haltung eingenommen haben, ziemlich schmerzhaft sein.“ Dazu zählten Beschränkungen beim Transit, sagte der Ministerpräsident. Er ließ allerdings offen, ob damit Waren oder der Öl- und Gastransit nach Europa gemeint sind. Zudem könnte es ein Embargo auf Importe geben. Um welche Produkte es sich handeln könnte, sagte Golowtschenko ebenfalls nicht.

Machthaber Alexander Lukaschenko drohte dem Westen: „Wir werden auf traditionellen und neuen Märkten handeln.“ Minsk werde entsprechend auf die Strafmaßnahmen antworten, sagte auch Außenminister Wladimir Makej. Dem Regierungschef zufolge will Belarus dabei allerdings nicht überstürzt reagieren: „Wir schlagen vor, nüchtern noch einmal nachzudenken, bevor Sie den rutschigen Weg eines Wirtschaftskrieges gehen, in dem es keine Sieger geben wird.“

Außerdem bezeichnete Lukaschenko den festgenommenen Oppositionsaktivisten Roman Protasewitsch als „Terroristen“. Der 26 Jährige und seine Helfer hätten einen „blutigen Aufstand“ in Belarus geplant, sagte Lukaschenko am Mittwoch vor Abgeordneten in Minsk. „Sie sollten die Hauptsache hier verstehen: An Bord des Flugzeugs war ein Terrorist“, so Lukaschenko laut Belarus Segodnja. Das sei über die Grenze von Belarus hinaus bekannt gewesen, meinte er mit Blick auf Russland. Damit räumte Lukaschenko das erste Mal ein, dass er die Ryanair-Maschine am Sonntag auf dem Weg nach Litauen in Minsk auf den Boden brachte, um seinen Gegner festnehmen zu lassen.

Sollte Protasewitsch tatsächlich als Terrorist verurteilt werden drohen ihm laut Experten mehr als 15 Jahre Haft oder sogar die Todesstrafe.

Lukaschenko: „Ich habe rechtmäßig gehandelt, um die Menschen zu schützen“

Update vom 26. Mai, 10.35 Uhr: Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat sich erstmals seit der Inhaftierung des prominenten Bloggers Protasewitsch öffentlich geäußert. Dabei verteidigte er die erzwungene Umleitung und Landung des Ryainair-Flugzeuges, in dem sich der 26-Jähirge und seine Partnerin befanden, als „rechtmäßig“. Am Mittwoch sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta vor dem russischen Parlament: „Ich habe rechtmäßig gehandelt, um die Menschen zu schützen, in Übereinstimmung mit allen internationalen Vorschriften.“ Berichte, wonach das Passagierflugzeug durch einen Kampfjet zur Landung gezwungen worden sei, bezeichnete er als „Lüge“.

Update vom 26. Mai, 10 Uhr: Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), hat eine Beteiligung Russlands an der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Belarus nicht ausgeschlossen. Röttgen sagte der Rheinischen Post und dem General-Anzeiger, es sei „mindestens davon auszugehen, dass die staatliche Entführung des Flugzeuges vom Kreml abgesegnet war, wenn es nicht sogar auch operative Unterstützung seitens Russlands gegeben hat“.

„Es ist jetzt an der Zeit, mit harten Sanktionen gezielt alle Stützen des Regimes Lukaschenko zu treffen: Militär, Polizei, Verwaltung, Sicherheitsdienste und vor allem die Staatsunternehmen, von denen das Regime und seine korrupten Profiteure wirtschaftlich leben“, sagte Röttgen. Auch ein KfW-Kredit für Siemens Kraftwerke in Belarus müsse gestoppt werden. „Nach einer derartigen Eskalation kann es keine Kredite zugunsten von Belarus durch eine staatliche Förderbank geben.“

Auch der FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff begrüßte die EU-Sanktionen. „Die EU muss den weißrussischen Diktator jetzt als das behandeln, was er ist: Ein Krimineller, der sich mit der Entführung der Passagiermaschine außerhalb des internationalen Rechts gestellt hat.“ Die Achillesferse des Landes seien Wirtschaft und Finanzen. Dass die belarussische Fluggesellschaft Belavia jetzt keine Einnahmen mehr erziele, werde sich im Staatshaushalt bemerkbar machen. Die Freilassung des festgenommenen Bloggers und dessen Lebensgefährtin sei am ehesten über Moskau zu erreichen, so Graf Lambsdorff.

Der Außenpolitiker Röttgen sagte weiter: „Wir brauchen endlich eine gemeinsame europäische Russlandpolitik, die auf Realismus basiert.“ Mit einem Land, das bereit sei, seine Ziele mit militärischen Mitteln zu erzwingen, könne man keinen Dialog führen, um europäische Interessen zu verfolgen. „Mit Gesprächstherapie kommen Deutschland und die EU hier nicht weiter.“

CSU-Mann Manfred Weber macht Russland für Ryanair-Landung in Belarus mitverantwortlich

Der Chef der Konservativen im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), hat Russland für die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk sowie die Festnahme eines belarussischen Bloggers mitverantwortlich gemacht. „Dieser Vorfall zeigt, dass wir in Moskau eine Führung haben, die das Miteinander mit Europa nicht mehr will, sondern bewusst einen Konfliktkurs steuert“, sagte Weber der Augsburger Allgemeinen. „Es kann nicht sein, dass wir innerhalb Europas nicht mehr vor diesem staatlichen Terror, der dort stattgefunden hat, geschützt sind“, sagte der CSU-Politiker. Er gehe definitiv davon aus, dass die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin bei dem Vorfall mehr als eine Zuschauerrolle gespielt habe und der belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko die Aktion mit Moskau abgestimmt habe, sagte Weber.

„Lukaschenko weiß, dass sein Regime ohne Unterstützung und Rückendeckung von Putin keine Überlebenschance hat“, sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei EVP der Zeitung. „Deshalb gehen viele davon aus, dass alle wesentlichen Schritte mit Moskau abgestimmt und von dort abgedeckt werden.“ Das Gesamtbild der europäisch-russischen Beziehungen sei das einer „zunehmenden Eskalation“, sagte der CSU-Politiker. „Da gab es offenen Mord auf unseren Straßen. Da gab es Versuche, unsere Demokratie zu attackieren.“ Auch im Syrien-Konflikt habe die Konfrontation die Zusammenarbeit mit Russland abgelöst.

„Die Liste ist lang. Deshalb müssen alle Optionen auf dem Tisch liegen, damit wir dem russischen Präsidenten zeigen, dass wir diese Destabilisierungsstrategie nicht hinnehmen“, sagte Weber dem Blatt. „Wir Europäer werden immer den Dialog anbieten. Aber wenn er zurückgewiesen wird, müssen wir auch zur Entschlossenheit bereit sein“, betonte Weber. Sollte es weitere Eskalationen etwa beim Vorgehen gegen die Demokratiebewegung in Russland geben, seien weitere Sanktionen gegen Moskau denkbar. „Das schließt das Projekt Nord Stream 2 ein“, sagte Weber.

Fall Protasewitsch weitet sich aus: Auch der Freundin des Bloggers droht eine Anklage in Belarus

Update vom 25. Mai, 21:53 Uhr: Die belarussischen Behörden haben es offenbar auch auf die Freundin des festgenommenen Bloggers Roman Protasewitsch abgesehen. Sofia Sapega war ebenfalls nach der erzwungenen Landung des Ryanair-Fliegers in Minsk verhaftet worden.

Laut dem russischen Außenministerium droht der 23 Jahre alten russischen Staatsbürgerin eine Anklage in Belarus. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, heißt es in einem Statement des Ministeriums, dass Sapega in Verbindung mit dem Verdacht stehe, „zwischen August und September 2020 gegen mehrere Artikel des belarussischen Kriminalkodexes verstoßen zu haben.“

Ferner sei die Dauer des Gewahrsams auf zwei Monate verlängert worden, meldete die Nachrichtenagentur Tass unter Bezug auf Sapegas Vater. Bei Twitter schrieb die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja das Gleiche. Sie berief sich in ihrem Tweet auf den Anwalt von Sapega.

Belarus verhaftet Protasewitsch: Mutter des Bloggers erhebt schwere Vorwürfe

Update vom 25. Mai, 18:33 Uhr: Der in Belarus festgenommene Blogger Roman Protasewitsch* ist nach Aussage seiner Mutter in Haft schwer misshandelt worden. In einem von der belarussischen Staatspropaganda verbreiteten Video aus dem Untersuchungsgefängnis in Minsk seien im Gesicht ihres Sohnes deutliche Spuren von Gewaltanwendung erkennbar, sagte Natalia Protasewitsch am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

„Ich bin keine Chirurgin, aber es ist sicher, dass sie ihn auf die Nase geschlagen und diese möglicherweise gebrochen haben.“ Außerdem sei die linke Wange des 26-Jährigen geschwollen und hänge nach unten. „Selbst unter der Schminke sieht man eine gelbliche Färbung - vermutlich wurden Blutergüsse mit Puder überdeckt.“ Am Hals seien zudem Würgemale zu erkennen. „So wie es aussieht, haben sie ihn gewürgt, um aus ihm Beweise herauszuprügeln.“

Das Geständnis lese er entweder vom Blatt ab, „oder man hat ihn gezwungen, es auswendig zu lernen“, sagte Natalia Protasewitsch weiter. Ihr Sohn sei ein sehr starker Mensch. Allerdings sei auch seine Freundin in Haft. Die Ermittler könnten die junge Frau misshandeln, um ihren Sohn zu brechen, fürchtet sie.

Roman Protasewitsch: Das belarussische Regime zeigte ein Video des Regierungskritikers.

Belarus verhaftet Protasewitsch: Dramatischer Ryanair-Funk aufgetaucht - „Bombe an Bord“

Update vom 25. Mai, 15.55 Uhr: Nach der internationalen Empörung über die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk hat Belarus den Funkverkehr mit dem Piloten veröffentlicht. „Wir wurden von den Sicherheitsdiensten informiert, dass Sie eine Bombe an Bord haben und sie über Vilnius gezündet werden kann“, sagte die Minsker Flugsicherung laut der vom Verkehrsministerium veröffentlichten Abschrift.

Als der Pilot nach der Herkunft der Bombendrohung fragte, antwortete der Fluglotse, dass sie per E-Mail an den Minsker Flughafen geschickt worden sei. Dem Piloten wurde mehrfach geraten, in der belarussischen Hauptstadt Minsk zu landen. Dies sei „unsere Empfehlung“, sagte der Lotse.

Die belarussische Luftwaffe hatte am Sonntag einen Kampfjet losgeschickt, um die Ryanair-Maschine zu eskortieren. Nach der Landung in Minsk wurden der in Polen und Litauen im Exil lebende Regierungskritiker und Journalist Roman Protasewitsch und seine aus Russland stammende Freundin festgenommen, die beide in der Maschine saßen.

Roman Protasewitsch: Etliche Fluggesellschaften meiden belarussischen Luftraum

Update vom 25. Mai, 15.30 Uhr: Der Blogger Roman Protasewitsch soll schnell gewusst haben, was ihm nach der erzwungenen Notlandung in Minsk* bevorsteht. Das berichten mehrere Augenzeugen aus dem Ryanair-Flugzeug (siehe Link).

Update vom 25. Mai, 15.25 Uhr: Nach der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk haben zahlreiche Fluggesellschaften angekündigt, den belarussischen Luftraum vorerst zu meiden. Die Fluggesellschaften Lufthansa, SAS und AirBaltic hatten bereits am Montag angekündigt, ihre Flugrouten anzupassen. Air France, Finnair, KLM, Singapore Airlines und die japanische ANA zogen am Dienstag nach.

Roman Protasewitsch: Briten-Premier Boris Johnson kündigt Belarus „Konsequenzen“ an

Update vom 25. Mai, 13.05 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson hat sich nach der Veröffentlichung eines Videos des festgenommenen belarussischen Bloggers Roman Protassewitch besorgt gezeigt. Es sei „zutiefst beunruhigend“, die Aufnahme anzuschauen, twitterte Johnson an diesem Dienstag.

„Als Journalist und leidenschaftlicher Anhänger der Meinungsfreiheit fordere ich seine sofortige Freilassung. Das Handeln von Belarus wird Konsequenzen haben“, betonte Johnson, der früher unter anderem als Zeitungskorrespondent in Brüssel arbeitete.

Das Handeln von Belarus wird Konsequenzen haben.

Der britische Premier Boris Johnson

Roman Protasewitsch: Machthaber Alexander Lukaschenko reagiert auf Kritik an Ryanair-Vorfall

Update vom 25. Mai, 12.45 Uhr: Der weißrussische Machthaber Alexander Lukaschenko reagiert auf die internationale Kritik an der erzwungenen Notlandung einer Ryanair-Maschine in Minsk. So hat die belarussische Regierung internationale Luftfahrtexperten zu einer Untersuchung eingeladen.

Unter anderem seien Vertreter der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und Experten der EU eingeladen worden, teilte das Verkehrsministerium am Dienstag mit.

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Roman Protasewitsch: Vorgehen von Belarus und Alexander Lukaschenko sorgt für internationale Kritik

Erstmeldung vom 25. Mai: München/Minsk - Es war das erste Lebenszeichen von Roman Protasewitsch: Das belarussische Regime zeigte ein Video des weißrussischen Regierungskritikers*. Auf diesem wirkte er müde. Es gab Spekulationen, unter anderem vom Vater, ob Protasewitsch sogar Verletzungen im Gesicht habe. Was sich nicht eindeutig verifizieren ließ.

Zur Erinnerung: Der 26-jährige Oppositionelle war am Pfingstwochenende in einer spektakulären Aktion auf Geheiß von Machthaber Alexander Lukaschenko* festgenommen worden. Der 66-jährige Regierungschef ließ dazu eine Ryanair-Maschine durch einen Kampfjet nach Minsk abdrängen, die eigentlich auf dem Weg ins litauische Vilnius war - und Protasewitsch an Bord hatte.

Roman Protasewitsch: Sanktionen gegen Belarus und Machthaber Alexander Lukaschenko

Ryanair-Chef O’Leary sprach von „staatlich finanzierter Entführung“ und von „staatlich finanzierter Piraterie“, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)* forderte auf dem aktuellen EU-Gipfel die „sofortige Freilassung von Roman Protasewitsch“. Die Europäische Union (EU) hat bereits erste Sanktionen beschlossen, unter anderem, dass der Luftraum für Airlines aus Belarus gesperrt wird.

Währenddessen hat die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja mehr Druck der USA* und der restlichen G7 Staaten auf Minsk gefordert. Sie habe die US-Regierung in einem Telefonat mit dem nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan aufgerufen, „das Regime zu isolieren und es durch Sanktionen unter Druck zu setzen“, erklärte die im Exil lebende Oppositionspolitikerin an diesem Dienstag (25. Mai) auf Twitter.

Roman Protasewitsch: Mordrohungen gegen Mitstreiter von Lukaschenko-Kritiker?

Derweil berichtete ein Mitstreiter des inhaftierten belarussischen Bloggers nach eigenen Angaben von Morddrohungen. „Sie schreiben mir, dass wir als Nächstes an der Reihe sind, dass man uns nicht nach Belarus entführen, sondern in Warschau erschießen wird“, sagte der Blogger Stepan Putilo der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“ (Dienstag). Der 22-jährige Putilo war gemeinsam mit Protasewitsch Gründer des Portals Nexta im Nachrichtenkanal Telegram. Die Redaktion hat ihren Sitz in Warschau.

Verfolgen Sie alle Entwicklungen zum Fall Roman Protasewitsch hier im News-Ticker. (pm) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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