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Studie: Deutschland hat genug Strom, um auf Energie aus Russland zu verzichten

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Von: Ines Alberti

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Montage Wladimir Putin und Strommasten und Windräder in Deutschland
Die Stromversorgung in Deutschland ist laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung auch ohne Energie aus Russland sicher. © Mikhail Klimentyev/Imago; Serienlicht/Imago

Deutschland will raus aus der Abhängigkeit von russischer Energie, zögert aber beim Gas. Dabei sei kein Engpass bei Strom zu erwarten, errechnen Forschende.

Deutschland kann ohne russische Energielieferungen beim Strom auskommen – und das, ohne die Ausstiege aus Kohle und Atomkraft nach hinten zu verschieben. Zu diesem Schluss kommt eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am 20. April 2022 veröffentlicht wurde.

Die Forschenden analysieren zum einen die Auswirkungen des Kohle-Embargos gegen Russland. Zum anderen beleuchten sie die Folgen eines möglichen Energielieferstopps aus Russland für den deutschen Strommarkt 2023 sowie mittelfristige Effekte dessen bis Anfang der 2030er-Jahre. Die Devise lautet: Russische Energie aus Gas und Kohle soll durch Importe aus anderen Ländern sowie durch andere Energiequellen ersetzt werden. So besuchte Habeck im März beispielsweise Katar, um Energie-Verhandlungen zu führen, wofür er von Twitter-User:innen als „Bückling“ beschimpft wurde.

Ukraine-Krieg: Deutschland kann Energieimporte aus Russland deutlich reduzieren

Deutschland bezieht nicht nur Erdgas in erheblichen Mengen aus Russland. Auch rund 60 Prozent der Kohleimporte kommen laut DIW dorther. Die Europäische Union hat sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs darauf geeinigt, ab August 2022 keine russische Kohle mehr zu kaufen.

Damit es nicht zum Engpass kommt und Deutschland trotzdem bis 2030 aus der Kohle aussteigen kann, schlägt das DIW vor, für den Übergang Steinkohle aus anderen Ländern wie den USA zu importieren. Auch kurzfristig gebe es ausreichende Kapazitäten für einen erhöhten Bedarf in der EU. „Trotz des Kohle-Embargos gegen Russland ist deshalb nicht mit Engpässen bei der Versorgung mit Steinkohle zu rechnen“, resümiert das DIW.

4 konkrete Maßnahmen sollen helfen, die Stromversorgung zu sichern

Außerdem trage hiesige Braunkohle noch einige Jahre zur Stromversorgung bei. Eine Ausweitung der jährlichen Laufzeiten von Kraftwerken sowie ein möglicher Einsatz der Kapazitäten aus der Sicherheitsbereitschaft und Netzreserve könnten dabei helfen, russisches Erdgas im Stromsektor zu ersetzen.

Konkret schlägt das DIW bezüglich Kohle folgende 4 Maßnahmen vor:

  1. Steinkohlekraftwerke, die 2022 stillgelegt werden sollten, sollten vorübergehend als Reserve vorgehalten werden.
  2. Steinkohleblöcke, die sich schon in der Reserve befinden, sollten in dieser verbleiben.
  3. Die in diesem Jahr zur Stilllegung vorgesehenen Blöcke des Braunkohlekraftwerks Neurath sollten vorübergehend in die Sicherheitsbereitschaft aufgenommen werden.
  4. Die schon in der Sicherheitsbereitschaft befindlichen Braunkohleblöcke sollten für einen begrenzten Zeitraum (etwa bis Ende des Winters 2023/24) in der Sicherheitsbereitschaft verbleiben.

Zunächst steige dadurch die Stromerzeugung aus Kohle zwar, um den Wegfall von Erdgas- und Atomstrom auszugleichen. Doch ab 2024 soll diese wieder stark absinken.

Unabhängigkeit von Russland: DIW schlägt 95 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien vor

Als Bedingung für eine gesicherte Stromversorgung müssen laut DIW die erneuerbaren Energien stärker ausgebaut werden. Konkreter rechnet es mit einem Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor von 95 Prozent im Jahr 2030. Den größten Part im ermittelten Energiemix für 2031 nimmt demnach „onshore Windenergie“ ein. Auch Fotovoltaik-Anlagen sollen einen Großteil der Stromerzeugung einnehmen, wie in der Grafik des Instituts (siehe unten) deutlich wird.

Stromerzeugung im Jahr 2031 in Deutschland
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat einen möglichen Energiemix für Deutschland im Jahr 2031 ermittelt. © Grafik: DIW Berlin

„Auch bei einem vollständigen Wegfall der russischen Erdgas- und Kohleexporte nach Deutschland bleibt die Stromversorgung sowohl im kommenden Jahr 2023 (nach dem Atomausstieg) als auch mittelfristig gesichert“, lautet das Fazit des DIW. Vorausgesetzt, Stromgewinnung aus Kohle wird kurzfristig intensiviert und erneuerbare Energien werden ausgebaut. Welche Auswirkungen ein Wegfall von russischem Gas auf die Wärmeerzeugung hätte, wurde in dem vorliegenden Bericht nicht analysiert. (ial)

Durch die russische Invasion befinden wir uns in einer Energiekrise, die wir mit eben beschriebenen Dingen bekämpfen können. Aber auch du kannst helfen: Wir haben 5 Tipps, wie du jetzt Energie sparen kannst.

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