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Mutmaßlicher „Reichsbürger“ schießt auf SEK-Beamten - zahlreiche Kriegswaffen und Nazi-Devotionalien gefunden

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Von: Christoph Gschoßmann, Kai Hartwig

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Bei einem Polizeieinsatz in Baden-Württemberg wurde ein Beamter von einem vermeintlichen „Reichsbürger“ angeschossen. Im Haus machten Ermittler einen erschreckenden Fund.

Update vom 21. April, 16.46 Uhr: Im Haus des mutmaßlichen Reichsbürgers haben Ermittler zahlreiche Kriegswaffen und nationalsozialistische Devotionalien gefunden. Der Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Andreas Stenger, sprach am Donnerstag unter anderem von begehbaren Waffenkammern und Reichsflaggen. Im Wohnzimmer habe ein Maschinengewehr gestanden, im Grunde habe sich überall Munition befunden. Zudem sei in dem Haus in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) eine Cannabis-Plantage gewesen.

Ein 54-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft, weil er am Mittwoch auf einen Polizisten geschossen haben soll. Das habe der Mann auch eingeräumt, sagte der Leitende Mosbacher Oberstaatsanwalt Florian Kienle. Der Vorwurf lautet auf versuchten Mord in Tateinheit mit Körperverletzung und unerlaubten Besitzes einer Kriegswaffe. Sechs weitere bei dem Einsatz festgenommene Menschen, darunter zwei Frauen, seien wieder auf freien Fuß gekommen. Die Ermittlungen gegen sie liefen aber weiter. Wegen des politischen Hintergrunds stehe im Raum, dass der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall übernimmt.

Update vom 21. April, 13.22 Uhr: Nach dem Schuss auf einen Polizisten in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) sind noch viele Fragen offen. Staatsanwaltschaft, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und Polizei wollen am Donnerstagnachmittag über den Stand der Ermittlungen informieren, wie ein Sprecher mitteilte.

Großeinsatz in BaWü: Mutmaßlicher „Reichsbürger“ schießt auf SEK-Beamten

Update vom 20. April, 18.09 Uhr: Bei einem dramatischen Polizeieinsatz in Boxberg zwischen Heilbronn und Würzburg hat ein mutmaßlicher Reichsbürger auf SEK-Beamte geschossen. Ein Polizist wurde verletzt - aber nicht lebensgefährlich, wie eine Sprecherin am Mittwoch mitteilte. Er wurde wohl am Bein getroffen. Spezialkräfte wollten das Gebäude in Baden-Württemberg am frühen Morgen unter die Lupe nehmen. Dabei seien mehrere Schüsse abgegeben worden. Die Durchsuchung fand wegen des Verdachts des illegalen Waffenbesitzes statt.

Insgesamt wurden demnach sieben Menschen vorläufig festgenommen. Der Mann, gegen den sich die Polizeiaktion richtete, besaß nach dpa-Informationen einmal legal mindestens eine Waffe. Es habe eine Verfügung der Waffenbehörde gegeben, dass er sie abgeben müsse. Diese Verfügung sollte durchgesetzt werden. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte in Stuttgart: „Es liegen Hinweise vor, dass der mutmaßliche Täter der Reichsbürgerszene nahesteht oder ihr angehört.“

Der mutmaßliche Haupttäter widersetzte sich der Festnahme. Ein politisch motivierter Hintergrund der Tat sei nicht ausgeschlossen, sagte die Sprecherin weiter. Nach Angaben der Polizei wurden in dem Anwesen die weiteren Personen widerstandslos und unverletzt festgenommen. Es kam zu einem Brand. Das Gebäude sei kontrolliert abgebrannt, hieß es. 

Blutiges Ende bei Polizeieinsatz in Boxberg

Erstmeldung vom 20. April, 15.40 Uhr: Boxberg – Im baden-württembergischen Boxberg hat ein Polizeieinsatz am Mittwoch ein blutiges Ende genommen. Dabei wurde ein SEK-Beamter angeschossen. Eine Polizei-Sprecherin teilte am Mittwoch mit, dass auf die Beamten mehrere Schüsse abgegeben wurden, während sie ein Gebäude durchsuchen wollten. Demnach wurde der angeschossene Polizist des Spezialeinsatzkommandos am Bein getroffen. Seine Verletzung sei allerdings nicht lebensgefährlich, hieß es.

Die polizeiliche Durchsuchung in Boxberg, das zwischen Heidelberg und Würzburg unweit der Grenze Baden-Württembergs zu Bayern liegt, fand aufgrund des Verdachts des illegalen Waffenbesitzes statt. Während der Polizeiaktion widersetzte sich ein Mann der Festnahme, er wurde festgenommen.

Bewaffnete Polizisten umzingeln ein Haus in Boxberg (Main-Tauber-Kreis).
Bei einem Polizeieinsatz im baden-württembergischen Boxberg sind Schüsse gefallen. © SDMG/Kohls/dpa

Schüsse bei Polizeieinsatz in Boxberg (Baden-Würtemberg) – Täter ein „Reichsbürger“?

Mehrere Medien berichteten, dass es sich bei dem Festgenommenen um einen Anhänger der sogenannten Reichsbürger-Szene handelt. Dazu wollte sich die Polizei-Sprecherin nicht äußern. Dennoch könne ein politisch motivierter Hintergrund der Tat nicht ausgeschlossen werden.

Laut Polizeiangaben wurden in dem Anwesen weitere Menschen, die sich dort aufhielten, widerstandslos und unverletzt festgenommen. Anschließend sei das Gebäude von Entschärfern durchsucht worden. Man habe den Verdacht gehabt, dass sich dort möglicherweise Munition oder Ähnliches befinde. Außerdem kam es zu einem Brand. Im Rahmen der polizeilichen Maßnahme wurde der Stadtteil Bobstadt vorübergehend abgeriegelt. Die Anwohner wurden darum gebeten, ihre Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Nach Schüssen bei Polizeieinsatz: Gewerkschaftschef Kusterer warnt vor „Reichsbürger-Szene“

Der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, äußerte sich unterdessen wie folgt: „Seit Jahren beschäftigt die Polizei die zunehmende Gefahr, die von ‚Reichsbürgern‘ ausgeht.“ In Erinnerung komme ihm in dem Zusammenhang die Tötung eines SEK-Beamten 2016 in Bayern. Dieser Vorfall habe gezeigt, mit welchem Gefahrenpotenzial man zu rechnen habe. Daher müssten überall, wo Waffen im Spiel seien, die Alarmglocken läuten, meinte Kusterer.

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass rund 3.300 Personen in Baden-Württemberg Teil dieser Szene sind. Die „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und ihres Rechtssystems. Sie sprechen Politikern und Staatsbediensteten die Legitimation ab und verstoßen immer wieder gegen Gesetze. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (kh)

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