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Erste Schweineherz-Transplantation: Patient stirbt zwei Monate nach sensationeller OP

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Von: Kai Hartwig

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David Bennett, der weltweit erste Patient, dem ein Schweineherz eingesetzt wurde
David Bennett wurde als weltweit erstem Patienten ein Schweineherz eingesetzt. Nun starb er. © Tom Jemski/dpa

Es war eine medizinische Sensation: Im Januar setzten Ärzte in den USA einem Patienten ein Schweineherz ein. Doch jetzt gibt es tragische Neuigkeiten zu dem Fall.

Baltimore – Einem 57-jährigen Mann war in den USA* vor knapp zwei Monaten als weltweit erstem Patienten ein Schweineherz als Ersatzorgan eingesetzt* worden. Der Fall wurde als medizinische Sensation gefeiert, doch jetzt ist David Bennett tot.

Laut einer Mitteilung des Universitätsklinikums in Baltimore vom Mittwoch (9. März) starb Bennett bereits am Dienstag (8. März). Demnach habe sich der gesundheitliche Zustand des Herzpatienten schon vor einigen Tagen stetig verschlechtert. „Nachdem klar wurde, dass er sich nicht erholen würde, wurde er palliativmedizinisch behandelt“, hieß es seitens des Universitätsklinikums: „Er konnte in den letzten Stunden seines Lebens mit seiner Familie kommunizieren.“

Herz-Transplantation: Erstmals Schweineherz bei Menschen eingesetzt - Patient stirbt später

Erst im Januar war dem schwerkranken Bennett das Herz eines genveränderten Schweins eingesetzt worden – die OP galt als Meilenstein auf dem Gebiet der Organtransplantation. Und weckte Hoffnungen auf eine neue Quelle von Organen für Patienten.

Bennett war nicht für eine herkömmliche Organtransplantation zugelassen worden, obwohl er an einer Herzerkrankung im Endstadium gelitten hatte. Daher war für den 57-Jährigen die Schweineherz-Transplantation nach Angaben des Universitätsklinikums die einzige Behandlungsoption. Für die revolutionäre, über mehrere Stunden dauernde Operation erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung.

Das Schwein, von dem das Herz stammte, war genetisch verändert worden, um ein Gen zu eliminieren, das einen bestimmten Zucker bildet. Dieser Zucker hätte sonst eine starke Immunreaktion des Patienten ausgelöst, was zu einer Abstoßung des Organs geführt hätte. Auch ein Gen, das zu einem übermäßigen Wachstum von Schweineherzgewebe geführt hätte, wurde ausgeschaltet.

Zu wenig menschliche Spenderorgane vorhanden - große Hoffnung auf tierischen Ersatz

Allein in den USA warten derzeit rund 110.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Offiziellen Zahlen zufolge sterben Jahr für Jahr mehr als 6000 Menschen, bevor eine Transplantation vorgenommen werden konnte. Wegen des Mangels an menschlichen Spenderorganen setzt die Forschung große Hoffnung in die sogenannte Xenotransplantation - das Verpflanzen von Organen von einer Art zur anderen, in diesem Fall von Tier zu Mensch.

Verpflanzt werden bereits Herzklappen von Schweinen und Schweinehaut bei Verbrennungsopfern. Schweine gelten aufgrund ihrer Größe, ihres schnellen Wachstums und ihrer guten Züchtungseigenschaften als ideale Spendertiere. (kh/afp/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN MEDIA

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