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Ärger wegen der Dienstwaffe: Ein Beamter hat seine Pistole in einem Hotelzimmer vergessen.

Brisanter Fall

Polizist vergisst Pistole: Frau entdeckt Waffe in Kasseler Hotelzimmer  

Ein brisanter Fall aus den eigenen Reihen beschäftigt derzeit die Polizei. Dabei geht es um einen Beamten, der Mitte Juni in einem Kasseler Hotelzimmer seine Dienstwaffe vergessen hat.

Zusammen mit einem Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst des Hotels besorgte er sie sich nachts wieder. Das Problem: Das Zimmer war in der Zwischenzeit neu belegt worden. Aufgekommen ist der Fall durch die Frau, die zu dieser Zeit in dem Zimmer übernachtete und von den beiden Männern in ihrer Nachtruhe gestört wurde. 

Gegenüber unserer Zeitung erklärte die 64-Jährige aus dem Weserbergland, dass sie die Waffe bereits entdeckt habe, nachdem sie am späten Abend das Zimmer bezogen hatte. Am nächsten Morgen habe sie den Fund melden wollen. Verärgert zeigte sie sich über das Auftreten der beiden Männer, die sie durch wildes Hämmern und Rufen an der Tür geweckt hätten. 

Von Hotelseite wird der nächtliche Störfall im Grunde bestätigt. Der Mann vom Sicherheitsdienst erklärte gegenüber HNA.de*, dass er und der Polizist aber normal an der Tür geklopft und sich bei der Frau mehrmals entschuldigt hätten, bevor sie „die besagte Sache“ geholt hätten. 

Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen

Um den Vorfall prüfen zu können, hat die Polizei nach Anfrage von HNA.de* Verwaltungsermittlungen angestellt. Nach vorläufigen Informationen handele es sich bei dem Betroffenen um einen Beamten der hessischen Polizei. Am Vergessen der Dienstwaffe und der nächtlichen Rückholaktion sollen keine Zweifel bestehen. Allerdings ließe sich der Sachverhalt bisher nicht abschließend bewerten, weil die vorliegenden Erkenntnisse in einigen Punkten deutlich von der Ausgangsschilderung abweichten. 

Nur: Eine Aussage der Frau bei der Polizei liegt bisher nicht vor. Sollten sich die Darstellungen der 64-Jährigen bestätigen, die auch durch einen E-Mail-Verkehr zwischen ihr und dem Hotel im Grundsatz belegt sind, könnten dem Beamten disziplinarrechtliche Folgen drohen. Wie Polizeisprecher Torsten Werner erklärt, seien Beamte grundsätzlich verpflichtet, ihre Waffen nach Ablegen in einem Sicherheitsbehältnis aufzubewahren.

Zwischenfälle mit Dienstwaffen

Zu Zwischenfällen mit Dienstwaffen kommt es durchaus mal. 2013 etwa hatte ein Polizist im Raum Berlin seine Dienstwaffe auf einer Tankstellen-Toilette vergessen. Zuletzt hatte ein Fall für Aufsehen gesorgt, als einem Personenschützer eines Altbundespräsidenten seine Dienstwaffe durch eine Straftat abhandengekommen ist.

Was aber hat sich in der Nacht genau abgespielt? Was sagt die Frau? Was das Hotel?

Die Geschichte der Frau geht so: Es ist der 14. Juni, an dem die 64-Jährige mit Freunden zu Gast in Kassel ist. Geplant ist eine Radtour von Kassel bis Bad Karlshafen und dann weiter bis Höxter. Bevor es losgeht, übernachtet die Gruppe in einem Kasseler Hotel. Es ist schon gegen 23 Uhr, als die Frau auf ihr Zimmer kommt. Sie macht die Schränke auf und staunt nicht schlecht, als sie – so schildert sie es – eine Pistole sieht, die auf dem Safe liegt.

Weil sie Schwierigkeiten mit der Telefonanlage hat und sehr müde ist, informiert sie nicht sofort die Rezeption, sondern legt sich ins Bett und beschließt, gleich am nächsten Morgen Bescheid zu geben. „Das ist zweifellos eine komische Reaktion. Sie ist aber vielleicht dadurch zu erklären, dass der Anblick einer Waffe mir nicht per se Angst macht, da mein Mann Jäger ist und ich häufiger Waffen sehe“, erzählt sie den Kollegen von HNA.de.

Nachdem sie etwa anderthalb Stunden geschlafen hat, hämmert es – so erzählt sie es – plötzlich heftig an ihre Hoteltür. „Ich hörte zwei Männerstimmen rufen. Doch durch die Zimmertür verstand ich nicht, was los war“, sagt sie. Nun wirft sie sich eine Bettdecke um und geht zur Tür.

Als sie die Tür öffnet, stehen dort zwei Männer: Einer trägt eine Hoteluniform, der andere ist in Zivil. Der Mann in Zivil behauptet, er sei ein Polizist; er zeigt kurz einen Ausweis und sagt, er habe „einen wichtigen Gegenstand“ in dem Zimmer vergessen. „Er rannte an mir vorbei, nahm die Pistole und war wieder verschwunden“, erzählt die Frau aus dem Weserbergland.

Polizist hatte Einsatz in Kassel

Den nächtlichen Störfall bestätigt das Hotel im Grunde. Eine Mitarbeiterin äußert aber Zweifel daran, dass die Frau den besagten Gegenstand gesehen hat, bevor die Männer kurz nach Mitternacht vorbeigekommen sind. Er soll demnach in einer Spalte zwischen Safe und Schrankwand gelegen haben – so versteckt, dass auch die Reinigungskraft nicht auf ihn hätte aufmerksam werden können, als sie das Zimmer säuberte.

Nach Darstellung des Hotels habe der Polizist in der Nacht zuvor in eben diesem Zimmer übernachtet, weil er einen Einsatz in Kassel hatte. Es ist die Zeit, zu der die Ermittlungen im Mordfall Lübcke auf Hochtouren laufen; viele Mitarbeiter des Landeskriminalamtes sind in Nordhessen mit diesem Fall beschäftigt, übernachten hier.

Der Mann, um den es hier geht, habe dann ausgecheckt und sei später wiedergekommen, um das zu holen, was er vergessen hatte, wie es die Hotelmitarbeiterin berichtet. Das Hotel habe sich ihm gegenüber hilfsbereit gezeigt, denn: „Auch ein Beamter macht mal Fehler.“ Ein Anruf bei der Frau, die nun das Zimmer belegte, habe keinen Erfolg gebracht, also seien der Polizist und ein Mann vom Sicherheitsdienst des Hotels zum Zimmer gegangen.

Der Mann vom Sicherheitsdienst sagt, er und der Polizist hätten sich mehrfach bei der Frau für die Störung entschuldigt und ihr auch den Dienstausweis gezeigt. „Wir haben die besagte Sache geholt, und alles war in Ordnung.“

Für die Frau ist der Fall damit aber nicht erledigt. Nach einer unruhigen Nacht geht sie – so erzählt sie weiter – am nächsten Morgen zur Rezeption, um sich über die Störung zu beschweren. „Es ist ein Unding, mich nachts in dieser Weise zu überfallen“, sagt sie. „Wenn ein Polizist seine Dienstwaffe vergisst, ist das ein Fehler, der eigentlich nicht passieren darf, aber eben doch geschehen kann.“ In solchen Fällen erwarte sie aber, dass die Betroffenen nicht derart forsch auftreten. Immerhin hätte die Waffe auch in die Hände von Kriminellen oder Kindern geraten können.

Hotel erstattet keine Kosten für Lärm in der Nacht

Die Frau sagt, dass sie am nächsten Morgen den Beamten noch mal gesehen und ihn angesprochen habe, nachdem er offensichtlich seinen Dienst beendet hatte. Er habe kein Schuldbewusstsein gezeigt, sondern patzig reagiert.

Sauer ist die Frau auch auf das Hotel. Wochenlang habe sie versucht, eine Erstattung ihrer Übernachtungskosten zu erwirken. Ohne Erfolg. Das Hotel sagt, es habe sich mehrfach entschuldigt. Dass es die Übernachtungskosten nicht erstattet, hänge nun damit zusammen, dass die Frau in der Zwischenzeit im Internet negative Bewertungen über das Hotel und den Vorfall abgegeben habe.

Für die Frau ist das alles unverständlich. Ihr geht es vor allem um den Umgang mit der Angelegenheit. „Hier sind Stilfragen außer acht gelassen worden“, sagt sie.

Von Florian Hagemann und Bastian Ludwig

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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