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Gas-Krise in Deutschland: Ist LNG die Lösung?

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Von: Andreas Apetz

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LNG-Tankschiff
Der Frachter hat flüssiges Erdgas (LNG) geladen. © Lex Van Lieshout/ANP/dpa

Im Zuge der Gasabhängigkeit zwischen Deutschland und Russland wird oft „LNG“ als Lösung vorgeschlagen. Doch das flüssige Gas steht bei Umweltschützern mächtig in der Kritik.

Berlin – Die Abkürzung LNG steht für „Liquefied Natural Gas“ und wird in vielen Fachkreisen schon jetzt als die ideale Antwort auf unsere Gas-Krise angesehen. Die Bundesregierung arbeitet bereits an den Bauplänen für Hafenanlagen, an denen flüssiges Gas entladen werden. Doch wird das Flüssiggas seinen Vorschusslorbeeren gerecht?

LNG: Wie entsteht das Flüssiggas?

Ab einer Temperatur von minus 162 Grad Celsius wird Gas in einen flüssigen Zustand versetzt. Beim Herunterkühlen werden mindestens zehn Prozent des Brennwerts des flüssigen Gases dafür verbraucht. In Spezialschiffen kann es dann transportiert und wieder in gasförmigen Zustand versetzt werden. Dabei wird erneut Energie verbraucht und es werden spezielle Terminals benötigt – Terminals, die wir in Deutschland bislang nicht haben.

Was die Ökobilanz angeht, ist die Herkunft des Gases entscheidend. Laut Christian Böttcher vom Umweltbundesamt ist das LNG aus Katar sehr gut, da es ohne Fracking gewonnen wird. Beim Gasgewinn durch Fracking – wie es beispielsweise in den USA üblich ist – werden große Mengen CO₂ ausgestoßen. In den Vereinigten Staaten ist CO₂-Emission durch Gas deshalb etwa 60 Prozent höher als beim russischen Erdgas oder dem flüssigen Gas aus Katar.

Flüssiges Gas: Wann fließt es nach Deutschland?

Laut dem Deutschlandfunk will die Bundesregierung innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu drei Milliarden Euro für schwimmende LNG-Terminals ausgeben. Konkret sind derzeit insgesamt vier Terminals in Planung. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war deshalb im Mai nach Wilhelmshaven in Niedersachsen gereist. Dort soll ein schwimmendes LNG-Importterminal, das bereits Anfang 2023 in Betrieb gehen soll, realisiert werden. Gleiches gilt für ein Terminal in Brunsbüttel in Schlsweig-Holstein.

Zum Jahresende 2023 soll an zwei weitere Standorte flüssiges Gas nach Deutschland gelangen: Bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern und Stade in Niedersachsen. Auch sie werden zunächst schwimmende LNG-Terminals sein. Auch stationäre Terminals sind in Planung, bis sie betriebsfertig sind, werden allerdings noch Jahre vergehen.

Unabhänigkeit von Russland: Wie viele LNG-Terminals sind in Deutschland nötig?

Im Mai 2022 lag der Anteil der russischen Gasimporte noch bei 35 Prozent. Bei einem jährlichen Verbrauch in Deutschland von rund 90 Milliarden Kubikmetern Erdgas entspricht das etwa 30 Milliarden Kubikmetern russischem Gas. Hochrechnungen zufolge liegt die Kapazität der schwimmenden Importterminals pro Jahr bei rund neun bis zehn Milliarden Kubikmetern. Die Bundesrepublik könnte also mit drei solcher Terminals die russischen Lieferungen aufwiegen.

LNG in Deutschland: Terminals bei Umweltschützern in der Kritik

Eine weitere Möglichkeit wäre es außerdem auf die Terminals der Nachbarländer zu setzten. Die EU verfügt bereits über 30 LNG-Terminals. Diese waren nach Angaben von Deutschlandfunk im März 2022 nur zu 40 Prozent ausgelastet. Dafür plädiert auch die Deutsche Umweltschutzhilfe (DUH). Diese verweist dabei auf die Einschätzungen des Forschungsinstituts DIW, welche davon ausgeht, dass feste LNG-Terminals in Deutschland, „wegen der langen Bauzeiten und dem mittelfristig stark rückläufigen Erdgasbedarf nicht sinnvoll“ seien.

Die DUH warnt außerdem davor, sich erneut in eine „fossile Falle“ zu begeben, bei der man sich nicht aus der Abhängigkeit begibt. „Wir laufen Gefahr, nur den Dealer zu tauschen: Anstatt konsequent auf Energieeinsparung und Erneuerbare zu setzen, schlittern wir in die nächste fossile Abhängigkeit“, so der DUH-Experte für Energie, Constantin Zerger. Besonders der Import von Fracking-Gas als LNG müsse verhindert werden.

Bisher sind Umweltverbände von den LNG-Plänen der Bundesregierung nur wenig begeistert. Die DUH forderte Anfang April Wirtschaftsminister Robert Habeck dazu auf, „den angeblichen Bedarf für die Terminals endlich mit konkreten Zahlen zu belegen.“ Das ist bisher nicht geschehen. Stattdessen reiste Habeck nach Katar, um dort über eine Energiepartnerschaft zu verhandeln. (aa)

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