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Toll für Kunden, wenn sie ihr E-Auto auf dem Supermarktplatz aufladen können. Blöd für den Händler, wenn die Halter gar nicht bei ihm einkaufen. 

Elektromobilität

Zu viele Strom-Schnorrer: Kostenfreie E-Ladestationen bei Lidl, Ikea & Co. bald Geschichte?

  • Sven Barthel
    vonSven Barthel
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Shoppen gehen und währenddessen das Elektroauto auf dem Kundenparkplatz kostenlos aufladen - tolle Sache. Weil jedoch immer öfter E-Autofahrer ohne Kaufabsicht die privaten Ladestationen der Händler belegen, wird es mit diesem Service bald vorbei sein.

München - Lidl und Kaufland haben sie, Ikea hat sie auch, und Aldi hat sie schon ganz lange: Ladesäulen, an denen Kunden ihre Elektroautos während des Einkaufs kostenfrei aufladen können. Ein Anreiz, um vor allem neue Kunden zu gewinnen: Fahrer von E-Autos, die bislang noch nicht bei besagten Unternehmen einkaufen.

Aber auch ein Service für Bestandskunden, die vom Benziner auf Stromer umgestiegen sind. Während das Elektromobil auf dem Kundenparkplatz kostenfrei Energie tankt, generieren ihre Halter im Laden ordentlich Umsatz, so das Kalkül der Handelsunternehmen. Eine Win-Win-Situation für Händler und Käufer - könnte man meinen.

E-Autofahrer an kostenfreien Ladestationen von Supermärten, aber ohne Kaufabsicht

E-Autos liegen im Trend. Doch mit den steigenden Zulassungen steigt auch der Bedarf an Ladestrom - und dieser kostet. An öffentlichen Ladestationen - den sogenannten Stromtankstellen - fallen durchschnittlich etwa zwischen 5 und 10 Euro für eine volle Aufladung an. Nach etwa 250 Kilometern verlangt der Akku wieder Nachschub. Das läppert sich.

Grund genug für so manchen Stromer-Fahrer, die privaten Kundenparkplätze von Lidl & Co. anzusteuern, jedoch ohne Kaufabsicht. Eine Unsitte, die so sehr zugenommen hat, weshalb es laut einem Bericht von t3n.de, den kostenfreie Ladenservice in seiner heutigen Form schon bald nicht mehr geben könnte.

Das Technikportal berichtet von einem Fall aus Ludwigsburg, in dem ein Tesla-Fahrer und der Halter eines Renault „Zoe“ ihr Gefährt eine Stunde vor Ladenöffnung an den Ladesäulen auf dem Ikea-Parkplatz angeschlossen haben sollen - allerdings ohne dabei auch nur einen Fuß in das Möbelhaus zu setzen. Während der Tesla-Fahrer im Wagen sitzen geblieben und sich einen Film auf Netflix* angeschaut haben soll, habe die Renault-Fahrerin sich die Ladezeit mit einem Spaziergang vertrieben.

Schon kurze Zeit später soll der Fahrer eines BMWi3 darauf gewartet habe, dass eine Ladesäule frei wird. Einer von vielen weiteren E-Auto-Besitzern, die ohne jegliches Interesse an „Pax“ oder „Billy“, bei Ikea im Laufe des Tages anrollen.

Kostenfreie Ladestationen wegen Strom-Schnorrer für Händler geschäftsschädigend

Die Zeche für diese Dreistigkeit zahlt am Ende das Möbelhaus oder der Discounter. Manchmal sogar doppelt, wenn E-Autofahrer mit Kaufabsicht angesichts belegter Ladesäulen spontan wieder abfahren und dem Unternehmen somit keinen Umsatz bescheren. Parallel zu den immer zahlreicher werdenden „Ladestrom-Schnorrern“ wird der Ruf aus Politik und Zeitgeist nach noch mehr Ladesäulen* immer lauter, um Elektromobilität für mehr Menschen attraktiv zu machen.

Lidl hat schon vor Monaten begonnen, die Abgabemenge des Stroms zu begrenzen. Aktuell tüftelt man einer Lidl-E-Charge-App, die es nur noch registrierten Kunden ermöglichen soll, den Ladevorgang zu starten. Auch die Einführung eines Abrechnungsmodells, zum Beispiel über die Verrechnung von Bonus-Punkten, ist im Gespräch. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Aldi und Ikea hier nachziehen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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