Lage in Großbritannien vor Eskalation

Corona in Großbritannien: Inzidenz in London über 1000! „Wenn wir nicht unverzüglich handeln...“

  • Patrick Huljina
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Coronavirus-Mutation: Die britische Regierung verhängt für England einen knallharten Covid-19-Lockdown - dieser soll lange gelten. Jetzt hat das Vereinigte Königreich auch noch einen handfesten Corona-Skandal.

Update vom 8. Januar, 16.35 Uhr: Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat angesichts der extrem hohen Infektionszahlen in der britischen Hauptstadt eine Großlage (major incident) ausgerufen. Die Bedrohung, die das Coronavirus für die Stadt darstelle, sei an einem kritischen Punkt. „Wenn wir nicht unverzüglich handeln, könnte unser NHS (Gesundheitsdienst) überwältigt werden und mehr Menschen werden sterben“, sagte Khan einer Mitteilung zufolge.

London ist von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten sei allein in der ersten Januarwoche um knapp ein Drittel, die Zahl der Intensivpatienten um mehr als 40 Prozent gestiegen, hieß es in der Mitteilung des Bürgermeisters. Die 7-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt liegt inzwischen bei mehr als 1000.

Corona in Großbritannien: Krankenhäuser in London vor dem Kollaps

Update vom 7. Januar, 13.05 Uhr: Großbritannien meldete am Mittwoch mit mehr als 62.300 neuen Corona-Fällen erneut einen Tagesrekord. Zudem wurden mehr als 1000 Todesfälle vermeldet. Wegen der rasant steigenden Zahl von Corona-Patienten geraten auch die Krankenhäuser immer stärker unter Druck.

Insbesondere in London stehen die Kliniken kurz vor der Überlastung und könnten schon in weniger als zwei Wochen keine Kapazitäten mehr haben, berichtete das Health Service Journal am Donnerstag unter Berufung auf eine Präsentation des Gesundheitsdienstes NHS (National Health Service). Selbst im besten Fall würden demnach in der Hauptstadt zum 19. Januar insgesamt 2000 Betten, darunter Intensivplätze, fehlen.

„Es ist eindeutig schlimmer als während der ersten Welle“, sagte der Intensivmediziner Rupert Pearse dem Sender BBC Radio 4. Es stünde derzeit nicht ausreichend Personal zur Verfügung. „Es ist schwierig, die Qualität der Versorgung zu gewährleisten, die Patienten verdienen.“ Die Betreuung von Corona-Patienten führe dazu, dass etwa Herz- oder Krebspatienten vernachlässigt werden müssten.

Corona in Großbritannien: „Die Lage eskaliert schnell“ - 5000 neue Patienten innerhalb einer Woche

NHS-Manager Chris Hopson erklärte gegenüber BBC Radio 4: „Die Lage eskaliert schnell.“ In der vergangenen Woche seien 5000 neue Patienten in die Kliniken gebracht worden. „Das sind zehn Krankenhäuser voller Covid-Patienten in nur sieben Tagen. Das ist eine riesige Herausforderung“, so Hopson. Die Kliniken prüften bereits jede Ecke darauf, ob dort Betten aufgestellt werden könnten.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, will Großbritannien neue Maßnahmen an seinen Grenzen einführen. Die Vorschriften würden „in den nächsten Tagen“ verkündet, sagte Innenministerin Priti Patel am Donnerstag dem Sender BBC Radio 4
„Reisen sollten nur unter sehr strengen Regeln stattfinden“, sagte Patel. Die Menschen sollten zu Hause bleiben und nur ins Ausland reisen, wenn sie eine Ausnahmegenehmigung hätten.

Am frühen Donnerstagabend (um 18.00 Uhr MEZ) wollen sich Premierminister Boris Johnson, Gesundheitsminister Matt Hancock und NHS-Chef Simon Stevens zur aktuellen Corona-Lage äußern.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, bei einer Pressekonferenz in der Downing Street zur Corona-Pandemie.

Corona in Großbritannien: Lockdown-Gesetz soll wohl bis Ende März gelten

Update vom 6. Januar, 15.40 Uhr: Das Lockdown-Gesetz der britischen Regierung mit Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen soll bis zum 31. März gelten. Premierminister Boris Johnson betonte im Parlament, das Datum sei nicht deshalb gewählt, weil der Lockdown bis dahin dauern solle. Vielmehr gehe es darum, „einen steten, kontrollierten und faktenbasierten Übergang“ zu ermöglichen. Dabei dürften Fortschritte nicht schnell wieder zunichtegemacht werden, sagte Johnson am Mittwoch in London. Johnson betonte, die Lockdown-Maßnahmen würden dauernd überprüft und sobald wie möglich beendet.

Es sei wichtig, dass die Menschen zunächst zu Hause blieben, auch um den Effekt der Corona-Impfungen nicht zu zerstören, sagte der Premier. „Jede Nadel in jedem Arm macht einen Unterschied.“ Großbritannien impfe bereits jetzt schneller als jedes vergleichbare Land, und die Quote werde sich hoffentlich noch erhöhen. Bisher haben Johnson zufolge landesweit mehr als 1,3 Millionen Menschen eine Dosis erhalten.

Corona-Lockdown in Großbritannien: BBC strahlt täglich Unterricht für Schüler aus

Um die Schulen während des neuen Lockdowns zu unterstützen, strahlt die BBC jeden Tag mehrere Stunden Unterricht aus. Ab dem 11. Januar würden jeden Tag drei Stunden Grundschulunterricht gesendet, dazu kämen mindestens zwei Stunden für Schüler weiterführender Schulen, teilte der Sender mit. Johnson und Bildungsminister Gavin Williamson dankten der Sendeanstalt für die Unterstützung. Williamson kündigte zudem an, eine Million Laptops und Tablets an Schüler zu verteilen, deren Familien sich keine Endgeräte leisten können.

Corona-Lockdown in Großbritannien: „Massive Beschleunigung“ der Impfungen angekündigt

Update vom 6. Januar, 11.35 Uhr: Die britische Regierung will die Zahl der verabreichten Corona-Impfungen in der nächsten Zeit deutlich erhöhen. Es werde eine „massive Beschleunigung“ geben, kündigte der zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi am Mittwoch beim Sender Sky News an. Die Ankündigung von Premierminister Boris Johnson, bis Mitte Februar mehr als 13 Millionen Menschen zu impfen, sei eine „Herkulesaufgabe“, sagte Zahawi. „Es ist ein ambitioniertes Ziel, ein sehr ambitioniertes Ziel. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir es erfüllen werden.“

Am Mittwoch berät das britische Parlament über die Lockdown-Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Es wird damit gerechnet, dass das Paket der Regierung parteiübergreifend Zustimmung erhält. Nun sollen die Menschen ihre Häuser nur verlassen, um einkaufen, zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Schulen und nicht lebensnotwendige Geschäfte schließen, Freizeitsport ist untersagt.

Premierminister Johnson, der noch am Sonntag Schulschließungen abgelehnt hatte, und seine obersten Gesundheitsexperten machten mit dramatischen Zahlen die Brisanz deutlich. „Etwa einer von 50 Menschen hat das Virus“, sagte der medizinische Regierungsberater Chris Whitty am Dienstag. Hochgerechnet entspricht das zwei Prozent der Bevölkerung. Mit mehr als 60.000 neuen Fällen meldeten die Behörden zudem einen Tagesrekord. „Wenn die Menschen die Fakten betrachten, wird die überwältigende Mehrheit feststellen, dass wir keine Wahl haben“, sagte Johnson mit Blick auf den Lockdown.

Corona-Lockdown in England: Britische Politikerin wird wegen Verstoß verhaftet

Update vom 5. Januar, 10.45 Uhr: Die Nachrichten zur Coronavirus-Pandemie aus Großbritannien überschlagen sich. Nachdem am Montagabend ein landesweiter Lockdown für England wegen der Covid-19-Mutation ausgerufen wurde, hat das Vereinigte Königreich nun einen handfesten Corona-Skandal.

Konkret: Eine britische Abgeordnete ist wegen eines eklatanten Verstoßes gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verhaftet und angeklagt worden. Das bestätigte die Polizei in Schottland am Montagabend.

Das war passiert: Die Politikerin Margaret Ferrier war im September mit Corona-Symptomen im Zug 600 Kilometer von Glasgow nach London gefahren und hatte dort im Parlament gesprochen. Obwohl sie anschließend positiv auf das Virus getestet wurde, fuhr sie wieder nach Glasgow zurück.

Damals war Ferrier Fraktionsmitglied der Schottischen Nationalpartei (SNP), inzwischen ist sie unabhängige Abgeordnete, da sie aus der Fraktion verwiesen wurde.

Im Video: England wegen Virus-Mutation erneut im Lockdown

Coronavirus-Pandemie: Corona-Paukenschlag in Großbritannien

Erstmeldung vom 4. Januar: München/London - Coronavirus-Paukenschlag aus Großbritannien!

Wegen drastisch steigender Covid-19*-Fallzahlen und aus großer Sorge vor der neuartigen Corona-Mutation hat die britische Regierung für ganz England einen knallharten Lockdown verhängt - und zwar per sofort.

Coronavirus-Pandemie: Knallharter Lockdown in England wegen Corona-Mutation

„Wir müssen in England einen Lockdown verhängen, um die neue Corona*-Variante in den Griff zu bekommen“, sagte Premierminister Boris Johnson an diesem Montagabend in einer Fernsehansprache. „Das bedeutet, dass Sie zu Hause bleiben müssen.“ Heißt: Die Bürger dürfen ihr Haus oder ihre Wohnung nur noch für Arztbesuche, Einkäufe oder für die Arbeit verlassen. Schulen werden rigoros geschlossen.

An diesem Montag (4. Januar) hatte Großbritannien 59.000 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Johnsons Regierung führt die starke Ausbreitung auf die neue Coronavirus-Variante zurück, die ersten Erkenntnissen der Briten zufolge um 50 bis 70 Prozent ansteckender sein soll als die bisher bekannte Form.

An Weihnachten war die Mutation des Virus das erste Mal in der Corona-Krise auch in Deutschland festgestellt worden.

Covid-19-Lockdown in England: Große Sorgen wegen hochansteckender Corona-Mutation

Nach und nach hatten die Länder auf dem europäischen Festland wegen der Corona-Mutation den Reiseverkehr zu Großbritannien kurz vor Silvester gekappt.

Wieder im Corona-Lockdown: das britische London.

Und jetzt Johnsons‘ Knallhart-Lockdown: Die neuen Covid-19-Regeln sollen in England (rund 56 Millionen Einwohner) bis Mitte Februar gelten. „Bleiben Sie zu Hause, schützen Sie den (Gesundheitsdienst) NHS, retten Sie Leben“, sagte Johnson in seiner Ansprache. Zuletzt habe es 20 Prozent mehr Todesfälle gegeben, erklärte der Regierungschef weiter.

Großbritannien: Coronavirus-Lockdown vorerst ausschließlich in England

Gelten soll der Lockdown vorerst ausschließlich für England, wo das Infektionsgeschehen in der Metropolregion London am höchsten war, und nicht für die restlichen Teile des Vereinigten Königreichs. (pm)

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