RKI-Tabelle zeigt Übersicht

Corona-Mutationen: Diese Regionen sind besonders betroffen - Lauterbach mit bitterem März-Ausblick

  • Martina Lippl
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Die Coronavirus-Mutationen sind auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland setzt sich eine Variation besonders durch. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die nächste Prognose.

München/Berlin - Sie ist wohl ansteckender und wurde zuerst in Großbritannien entdeckt: die Coronavirus-Mutation B.1.1.7*. Die Variante breitet sich mit Tempo in Deutschland aus.

Inzwischen liegt der Anteil der britischen Corona-Mutation bei den Neuinfektionen bei 22 Prozent. Das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch. Vor zwei Wochen habe dieser Anteil noch bei sechs Prozent gelegen. „Wir müssen damit rechnen, dass die Variante bald auch bei uns die dominierende werden könnte“, sagte Spahn.

Coronavirus-Variante B.1.1.7 breitet sich stark in Deutschland aus

Eine zuerst in Südafrika aufgetretene Mutation (B.1.351) hat nun einen Anteil von 1,5 Prozent, wie sich aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) ergibt. Die brasilianische Corona-Mutation (P1) demnach einen Anteil von 0,1 Prozent.

Die RKI-Daten zur britischen Corona-Mutation B.1.1.7. bestätigen jedenfalls die Sorge von Experten. Wie brisant die Lage ist, zeigen die neuesten Entwicklungen in Flensburg (Schleswig-Holstein). In kurzer Zeit sind dort die Infektionszahlen massiv gestiegen, vermutlich wegen der Corona-Mutation. Schon Virologe Christian Drosten hatte in seinem ersten „Coronavirus-Update“-NDR-Podcast* im Januar über die veränderten Varianten gesprochen und erste Erkenntnisse als „sehr bemerkenswert“ bezeichnet.

Coronavirus-Mutationen - Karl Lauterbach mit düsterer Corona-Prognose für den März

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach* äußert sich besorgt über die Coronavirus-Mutationen. Laut dem Epidemiologen werden die Infektionszahlen schon bald wieder steigen.

„Wir sind in einer Situation, wo unser Lockdown reicht, um die Wildtyp-Variante zurückzudrängen“, erklärte Lauterbach im Gespräch mit Moderator Alfred Schier bei „phoenix persönlich“, wie der Sender vorab mitteilt. „Aber ganz langsam krabbelt die Mutations-Variante hoch und die wird irgendwann Mitte März so stark verbreitet sein, dass dann wahrscheinlich - Mitte März/Ende März - auch wieder die Gesamtzahlen steigen werden.“

Diese neuen Mutationen aus England und Südafrika sowie deren Kombination aus beiden seien „ansteckender und wahrscheinlich tödlicher“. Deshalb sei auch der Inzidenzwert von 35 sinnvoll.

Seit Beginn der Corona*-Pandemie mahnt Lauterbach immer wieder zur Vorsicht und appelliert an die Vernunft in der Bevölkerung. Seine Prognosen werden von einigen sehr geschätzt. Andere dagegen lehnen seine Expertise sowie Vorschläge kategorisch ab. Prominentestes Beispiel: FC-Bayern Coach Hansi Flick attackiert den Politiker Karl Lauterbach*.

besorgniserregende Coronavirus Variante ((variants of concern - kurz VOCs)Mutmaßliche Eigenschaft
Britische Variante B.1.1.7.Erhöhte Übertragbarkeit
Südafrika-Variante B.1.351\tReduzierte Wirksamkeit der Immunantwort nach Infektion/Impfung
Manaus (Brasilien)-Variante B.1.1.28 P.1Hinweis auf mögliche Wiederansteckung

Coronavirus: Lauterbach warnt vor Kombinations-Mutation in Deutschland

„Ich will mich nicht mit Schuldzuweisungen aufhalten, sondern positiv bleiben und zum Beenden der Pandemie beitragen“, so Karl Lauterbach im Merkur.de*-Interview, das übrigens noch vor der „Corona-Watschn“ des FC-Bayern-Trainers stattfand. Er sei sicher, dass sich Deutschland in Zukunft mit Corona-Mutationen beschäftigen müsse. Für besonders gefährlich hält der 57-Jährige demnach das Ausbreiten einer Kombinations-Mutation in Deutschland.

Die britische trage teilweise die Escape-Variante aus Südafrika in sich, und das sei die gefährlichste, erklärte Lauterbach im Merkur.de*-Interview. Diese Kombinations-Mutation sei so ansteckend wie die britische und so immun gegen die Abwehr wie die Südafrika-Mutante. Sie habe eine Art Schutzschirm gegen die Abwehrzellen des Körpers, was die anderen Varianten nicht so stark sei. Diese sogenannte Escape-Mutationen sei für den Körper eine Art neues Virus.

„Ich glaube auch, dass eine sich langsam aufbauende dritte Welle im März kaum mehr zu verhindern ist, aber es liegt an uns und unserem Umgang, wie stark sie sein wird“, warnte Lauterbach bereits im Merkur.de-Interview. Der Politiker ist in zahlreichen Talk-Shows zu Gast. Bei „phoenix persönlich“ spricht Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zu den Gefahren der Virusmutationen, den Lockdown und über die jüngsten Anfeindungen im Netz sowie des Bayern-Trainers Hansi Flick („phoenix persönlich“ mit Moderator Alfred Schier läuft in der Nacht auf Samstag, 20. Februar, 0.00 Uhr).

Wo breiten sich die Corona-Mutationen aus?

Das RKI beobachtet jetzt die Corona-Mutationen in Deutschland, versucht die Lage zu erfassen und einzuschätzen. Bisher fehlte eine spezielle Datenbank in Deutschland. Mutationen hierzulande wurden kaum überwacht. Das soll sich nun ändern. Im zwei-Wochen-Rhythmus ist ein Bericht zu den Virusvarianten von Sars-CoV-2 geplant. Den nächsten kündigt das Berliner Institut schon für die 8. Kalenderwoche (22. Februar bis 28. Februar 2020) an.

Doch lässt sich die Gefahr von B.1.1.7 und anderen Corona-Mutationen überhaupt berechnen? Corona-Mutationen werden bei einem positiven Test nicht automatisch erkannt. Erst nach sogenannten Genomanalysen, einer Sequenzierung, lassen sich Virusvarianten nachweisen. Und: nicht jeder positive Corona-PCR-Test eignet sich technisch für eine Sequenzierung, teilt das RKI mit.

Bisher wurden in allen 16 Bundesländern Corona-Mutationen nachgewiesen. Das RKI hat eine Tabelle in seinem aktuellen Bericht veröffentlicht. Demnach sind Daten vom 1. Januar bis zum 15. Februar erfasst worden. Das RKI weist jedoch daraufhin: „Es können Diskrepanzen zwischen den berichteten Daten der Landesbehörden und dem RKI vorliegen, da insbesondere zu sequenzierten Fällen die Übermittlung der IMS-ID noch nicht vollständig ist.“

Besonders von der Variante B.1.1.7 betroffen sind demnach NRW, Bayern, Baden-Württemberg aber auch Thüringen. Die südafrikanischen Mutation B.1.351 kommt im Vergleich deutlich seltener vor. Doch hier führen ebenfalls NRW und Bayern die Tabelle an.

Corona-Mutationen in Deutschland: Das RKI hat einen Bericht zu den Virusvarianten veröffentlicht.

Corona-Mutationen in NRW - Hier breiten sich die Corona-Mutanten auffällig schneller aus

Die Uniklinik Münster (UKM) veröffentlichte jetzt eine Studie zu Corona-Mutationen mit Blick auf Nordrhein-Westfalen. 933 positive Corona-Abstriche (Stichtag war der 27. Januar 2021) aus 53 Kreisen in NRW wurden dafür auf genetische Veränderungen mittels Genomsequenzierung untersucht. Die britische Variante B.1.1.7 sei am häufigsten aufgetreten, teilte die Uni mit. Die Grenzregion zu den Niederlanden sei wenig betroffen gewesen.

„Wir haben keine nennenswerte Häufung der britischen Virusvariante direkt hinter der Grenze auf deutschem Gebiet erkennen können“, sagte Studienleiter Prof. Alexander Mellmann in einer UKM-Pressemitteilung zu den Ergebnissen. Die Analysen haben jedoch eine Konzentration der Corona-Mutanten in NRW aufgezeigt. Die ansteckenderen Corona-Mutanten verbreiten sich in den Ballungsräumen entlang von Rhein und Ruhr. „Da herrsche im Zweifel durch (Flug-)Reiseverkehr eine andere Dynamik als beispielsweise im Hochsauerlandkreis“, sagte Prof. Mellmann, Leiter des Instituts für Hygiene am UKM. (ml) *Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/imago

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