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Corona-Regeln in Dänemark abgeschafft - doch jetzt setzt spezieller „Freedom-Day-Effekt“ ein

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Von: Marc Dimitriu

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Menschen in einer Stadt
In Dänemark herrscht wieder die große Freiheit. © Francis Dean/Dean Pictures/Imago

Dänemark hat seine Corona-Maßnahmen gänzlich abgeschafft, doch nicht alle können oder wollen die neue Freiheit mitten in der Omikron-Welle genießen.

Kopenhagen - Obwohl Dänemark vor zwei Wochen seine letzten Corona*-Regeln abgeschafft hat, sind noch nicht alle Menschen zu ihrem vor der Pandemie gewohnten Alltag zurückgekehrt. Während die einen froh sind, wieder ohne Masken die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und ohne Abstände in den Clubs feiern zu können, halten sich andere trotz Freedom-Day noch zurück. Schuld daran dürften die hohen Infektionszahlen in der immer noch weiter steigenden Omikron-Welle sein.

Hohe Infektionszahlen und steigende Todesfälle: Nicht alle Dänen genießen die neue Freiheit

Nachdem Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Ende Januar das Ende der Maßnahmen verkündet hatte, dürften sich wohl viele Dänen gefreut haben. Doch sich an die neue Freiheit zu gewöhnen, fällt nicht allen leicht. Das zeigt die Studie des Forschers Michael Bang Petersen, der im HOPE-Projekt das Verhalten der Dänen während der Pandemie untersucht hat. Focus berichtet darüber. „Die hohen Infektionszahlen beeinflussen die Menschen, egal, ob es Restriktionen gibt oder nicht“, erklärt der Forscher. „Nur weil die Maßnahmen aufgehoben sind, ist die Epidemie ja nicht verschwunden.“ Das Magazin spricht von einem „Freedom-Day-Effekt“, der trotz Öffnung ein mulmiges Gefühl hinterlässt.

Kein Wunder, denn die Fallzahlen sind so hoch wie nie. Während die Zahlen Ende Januar sogar etwas gefallen waren, steigen sie seit der Öffnung wieder. Die Inzidenz liegt derzeit bei über 5500 (Stand 13. Februar) und die Hospitalisierungsrate ist ebenfalls auf dem höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Auf den Intensivstationen sieht es jedoch besser aus, die Zahlen sind im Vergleich zu früheren Wellen sehr niedrig, mit aktuell 25 Patienten. Doch die Zahl der Todesfälle stiegt erneut deutlich und ist wieder so hoch wie zuletzt im Januar 2021, als eine schwere Corona-Welle wütete und noch kaum geimpft wurde. Im Moment liegt der Wochenschnitt bei 26,7 Toten am Tag.

Corona in Dänemark: „Freedom-Day-Effekt“ sorgt für vorsichtiges Verhalten bei einigen

Die Studie von Petersen kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Dänen vor der Öffnung eher um eine Überbelastung der Krankenhäuser und des Gesundheitswesens sorgten. Nun haben sie mehr Angst um sich selbst. Die individuelle Gefahr, angesteckt zu werden, stehe mittlerweile im Vordergrund. Ein Drittel der Befragten fühlt sich laut Michael Bang Petersen dem Virus ausgesetzt. „Gerade viele junge Leute haben das Gefühl, sich in einem ständigen Hindernislauf zu befinden, um sich nicht zu infizieren“, so der Forscher. „Das liegt auch daran, dass sich andauernd jemand in ihrem nahen Umfeld infiziert.“ Anders sei es bei den Älteren, die sich recht gut geschützt fühlten, da sie sie sich selbst zurücknehmen und vorsichtig bleiben.

Probleme gibt es allerdings mit fehlendem Personal. Trotz hoher Impf- und sogar Booster-Quoten verbreitet sich das Virus, wie die hohen Inzidenzen zeigen, in der ganzen Bevölkerung. Und auch wenn die Auswirkungen der Krankheit nicht mehr so schlimm sind, fehlen Mitarbeiter wegen der Quarantäne. Das sieht man laut Focus auch in Pflegeheimen, Kindergärten und Schulen. Zahlreiche Kitas mussten in den letzten Wochen schließen.

Corona in Dänemark: Forscher machen Hoffnung auf Besserung der Lage

Bis der Höhepunkt der Omikron-Welle überstanden ist, dauert es wohl noch etwas. Ohne Freedom-Day wäre es vermutlich schneller gegangen. So müssen sich die Dänen noch gedulden. Doch Experten geben trotzdem Anlass zu Optimismus: „In der Hauptstadtregion ist die Kurve schon geknackt. Das werden wir auch im Rest des Landes sehen“, sagt Oberärztin Åse Bengård Andersen von der infektionsmedizinischen Klinik am Kopenhagener Krankenhaus Rigshospital. „In Kopenhagen sind viele Menschen schon infiziert gewesen, deswegen werden die Zahlen dort fallen.“

Auch Forscher Michael Bang Petersen, glaubt, wenn die Zahlen wieder sinken, werde sich das Verhalten der noch vorsichtigen Dänen ändern. Dann können sie die neue Freiheit wieder in vollen Zügen genießen. (md) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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