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„Alarmstufe Brot“: Grundnahrungsmittel so teuer wie noch nie – Preise explodieren

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Von: Tobias Utz

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Die Energiekrise trifft auch das Handwerk in Deutschland, vor allem die Bäckereien. Verbraucher müssen höhere Preise bezahlen, doch die Betriebe leiden noch mehr.

Berlin/Brüssel – Brot ist aktuell so teuer wie nie zuvor. Das zeigen Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union, „Eurostat“. Im Zeitraum August 2021-August 2022 stieg der Brotpreis durchschnittlich um 18 Prozent, wie die Behörde am Montag (19. September) mitteilte. Im Vergleich dazu: Im Jahr zuvor stieg der Preis für Brot im Durchschnitt lediglich um drei Prozent.

Die größte Preissteigerung in Europa gibt es in Ungarn, dort stieg dieser um 66 Prozent. Auf dem zweiten Platz liegt Litauen, mit 33 Prozent, gefolgt von Estland und der Slowakei (jeweils 32 Prozent). In Deutschland stieg der Brotpreis im genannten Zeitraum um 17,5 Prozent. Grund für die Preisentwicklung ist laut „Eurostat“ der Ukraine-Krieg. Dieser beeinträchtigt den weltweiten Getreidemarkt enorm, Russland und die Ukraine sind Exportnationen für Getreide, Weizen, Mais sowie verschiedener Ölsaaten.

Ein Bäcker hält ein frische gebackenes Brot in der Hand.
Die Preise für Brot steigen. © Swen Pförtner/dpa

Brotpreise steigen: Getreideknappheit und Energiekrise stürzen Bäckereien in Krise

Die hohen Preise für die Kunden könnten dabei noch viel höher sein: Landwirte und Bäckereien federn einen Großteil der Preissteigerung bereits im Produktionsprozess ab. Deren Kosten betreffen dabei längst nicht nur Getreide und Weizen. In der Landwirtschaft wird jede Menge Wasser zur Bewässerung und Treibstoff für Traktoren benötigt, beides ebenfalls teurer als gewöhnlich.

Vielerorts gibt es bereits Proteste der Bäckereien. In Hannover gingen am Wochenende zahlreiche Mitarbeiter von Bäckerei auf die Straße, um auf die Missstände aufmerksam zu machen und zu demonstrieren. Auf vielen Schildern stand dabei der Slogan „Alarmstufe Brot“, wie die Wirtschaftswoche berichtete.

Neben den Getreideengpässen bedingt auch die Gasknappheit im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg die Problematik. „Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise werden zahlreiche Unternehmer jetzt an den Rand des Ruins treiben: Prognosen für das kommende Jahr sagen verdreifachte Strompreise und sogar verfünffachte Gaspreise voraus“, warnte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandswerks. Es gehe um fast 10.000 Betriebe, die vor einer unsicheren Zukunft stehen.

Bäckereien in der Krise

Zahlreiche Bäckereibetriebe stehen vor einer ungewissen Zukunft. Eine Bäckerei aus Nordrhein-Westfalen bietet nun „Inflationsbrot“ an. Der Bäckermeister erklärt unserer Redaktion, wie das Angebot angenommen wird.

Bäckereien in der Krise: Rund 10.000 Betriebe in Deutschland betroffen

Der Verband fordert deshalb Hilfen der Bundesregierung. „Unsere Betriebe hatten in den vergangenen Monaten mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Das Bäckerhandwerk ist eine personalintensive Branche und kann die gestiegenen Kosten auf Grund der Wettbewerbssituation nur begrenzt an die Kunden weitergeben“, erklärte Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks.

Ein Beispiel für die aktuelle Entwicklung im Bäckerhandwerk liefert ein Betrieb aus Eutingen bei Stuttgart. Bäckermeister Tobias Plaz teilte kürzlich ein Foto in den sozialen Netzwerken, welches eine Aufstellung der Kosten zeigt. „Diese Informationen wollen wir mit Euch teilen, damit Ihr Verständnis habt, wenn wir die Preise für unsere Backwaren anpassen müssen“, schrieb der Bäcker.

Die Entlastungspakete der Bundesregierung hatte bisher insbesondere Privathaushalte betroffen. Unternehmen blieben vielfach außenvor. (tu)

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