Jule Heck lüftet in ihrem siebten Wetterau-Krimi das Geheimnis eines Grabes. Foto: privat
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Jule Heck lüftet in ihrem siebten Wetterau-Krimi das Geheimnis eines Grabes. Foto: privat

Tödliche Lügen im Schatten der Burg

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Die Idylle könnte nicht schöner sein: die Wetterau rund um Münzenberg im sommerlichen Sonnenschein, Urlaubsstimmung. Dazu eine Familie, die rundum glücklich zu sein scheint, auch wenn ihr Gewerbe eher mit einer Schattenseite des Lebens zu tun hat: dem Tod.

Doch der schöne Schein trügt in Jule Hecks neuem Kriminalroman "Eisiger Abgrund". Die Friedberger Ermittler Alexander Henneberg und Cosima von Mittelstedt sind wieder mit einem Fall "Im Schatten der Burg" Münzenberg befasst, der - das sei vorweg gesagt - spannend ist und gleichzeitig betroffen macht. Es ist eine dramatische Flucht aus der DDR, an deren Ende Ehrenfried Plettenberg im Spätherbst 1958 mit seiner Frau Annette die Zonengrenze überwindet und den Westen erreicht. Dramatisch, denn kurz hinter den Sperranlagen bringt Annette die Tochter Solveig zur Welt.

Man richtet sich ein, beginnt ein neues Leben. 1980 kauft die Familie ein Anwesen in Münzenberg und spezialisiert sich auf die Anfertigung von markanten Särgen und besondere Bestattungsmethoden. Es läuft gut. Das Geschäft brummt, und auch familiär scheint der Firmenname "Sorglos" Programm zu sein. Plettenbergs Frau besorgt die Buchhhaltung, und auch die Tochter arbeitet bei der Särgegestaltung mit, wenngleich sie eigentlich hauptamtlich als Psychologin tätig ist. Ein loses Liebesverhältnis unterhält sie mit dem Kompagnon ihres Vaters, Mathis Brühl.

Doch so sorglos geht es nicht weiter. Ein Zeitungsartikel berichtet über einen Mehrfachmörder und bringt das Idyll ins Wanken. Plötzlich ist da wieder das furchtbare Ereignis aus dem Jahr 2005 präsent. Der Unfalltod einer jungen Frau, die just in dem Krankenhaus stirbt, in dem ein Pfleger mehrere Menschen zu Tode gespritzt hat, ruft den Vater der Verstorbenen auf den Plan. Angetrieben von seiner neuen Frau, aber gegen den Widerstand seiner übrigen Familie, fordert er eine Exhumierung: War auch seine Tochter ein Opfer des Mehrfachmörders?

Eine Frage, die Plettenberg und seinen Kompagnon aufschrecken lässt. Eine Grab- und Sargöffnung würde ihr schreckliches Geheimnis öffentlich machen. Das Idyll gerät schnell in Schieflage, umso mehr als Solveig Wind davon bekommt, dass irgendetwas in ihrer Familie nicht stimmen kann.

Schwierige Ermittlungen

Gleichzeitig ruft ein Toter in einem völlig vermüllten Haus in Steinfurth die Ermittler "Henne" und "Co" auf den Plan, zumal die Mutter des Toten spurlos verschwunden ist. Eine unbekannte skelettierte Frauenleiche gibt Rätsel auf. Und: Gibt es eine Verbindung zu dem tödlichen Autobahnunfall am Gambacher Kreuz? Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Nicht nur, weil Erdmann für die eine oder andere Verwirrung sorgt - kein weiterer Kommissar, sondern Hennes eigenwilliger Rauhhaardackel. Sondern auch, weil die schwangere Co ihrem Kollegen Sorgen bereitet. Keine wirkliche Hilfe ist dabei die neue, ehrgeizige, aber furchtbar arrogante Staatsanwältin Prenosil, die ein ums andere Mal die Ermittler zur Weißglut bringt. Ein Lichtblick für Henne ist die neue Kollegin, Kommissaranwärterin Judith Stroh. Man darf gespannt sein, ob sich da in Zukunft noch ein erotisches Techtelmechtel anbahnt.

"Eiskalter Abgrund ist ein gelungener Folgeroman der bisherigen sechs Krimis um Henne und Co. Die Geschichte ist flott und spannend erzählt, die Schauplätze abwechslungsreich und plastisch geschildert. Ebenso wie die Charaktere, insbesondere die Plettenbergs, deren anfangs so harmonische Beziehungen sich zunehmend in Luft auflösen. Die große Lebenslüge kann am Ende auch nicht mehr durch neue Unwahrheiten aufrechterhalten werden. Die auch für das Kommissar-Duo überraschende Auflösung der Verstrickungen endet in einer Familientragödie. Und auch Henne und Co sehen sich privat vor neuen Weichenstellungen. Rüdiger Geis

Jule Heck: "Eisiger Abgrund". Edition Winterwork, Borsdorf. 409 S., 12,90 Euro, ISBN 978-3-96014-635-3

Quelle: Gießener Allgemeine

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