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Serienkiller im ländlichen Idyll

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Von: Katrin Hanitsch

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Zimperlich ist er nicht gerade, der Mörder in »Die Rattenbande«, dem neusten Thriller von Rüdiger Geis. Das wird schon auf den ersten Seiten klar. Und deshalb gibt es wieder alle Hände voll zu tun für den Dillenburger Hauptkommissar Lohmann.

Das erste Opfer wird geköpft. Nicht einfach so, sondern mit einer Drahtschlinge, während einer verbotenen Motorradfahrt quer durch den Wald. Mit den Crossmaschinen durch das Gelände zu brettern war eines der Hobbys von Lars Höfer und seiner Clique, die sich »Rat Pack« nennt und sich schon zu ihrer Schulzeit durch Rücksichtslosigkeit auszeichnete. Die Liste der Leute, die eine Rechnung mit ihnen offen haben, ist lang. Nun stehen sie selbst aber offenbar auf einer Liste, einer Todesliste. Denn der spektakuläre Tod ihres Anführers war nur der Anfang einer Mordserie, auch der Rest der Rattenbande schwebt in Lebensgefahr. Wer kann noch gerettet werden? Und für wen kommt jede Hilfe zu spät? Dieser Spannungsbogen zieht sich bis zum Ende durch das Buch. Das Mitleid für die Opfer allerdings hält sich in Grenzen, zu unsympathisch wirken sie allesamt. Mit dem Tod ihres Cliquen-Führers konfrontiert, schrecken sie selbst vor Brandstiftung nicht zurück. Dass dabei jemand getötet werden könnte, ist ihnen zumindest egal.

»Die Rattenbande« ist der dritte Fall für den Dillenburger Hauptkommissar Lohmann und seinen Kollegen Hiller. Lohmann hätte sich nach den Strapazen des letzten Falles, bei dem er während einer Seefahrt beinahe ums Leben gekommen wäre, eigentlich gerne ein bisschen erholt. Doch dafür bleibt ihm keine Zeit. Ein Leichenfund jagt den nächsten, von einem Verdächtigen dagegen fehlt zunächst jede Spur. Da ist der Leser dem Ermittler einen Schritt voraus. Er lernt den Mörder schon auf den ersten Seiten in all seiner Perversion und Grausamkeit kennen. Das Motiv allerdings erschließt sich auch ihm erst nach und nach.

Kommissar in einer Sinnkrise

Rüdiger Geis ist nicht nur Autor von »Die Rattenbande« und vier weiteren Büchern, sondern auch Redakteur beim Kreisanzeiger sowie Vorsitzender, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler beim Film-Club Sinn. Immer wieder spielt das Dilltal eine große Rolle in seinen Werken, gelegentlich geht es aber auch in die Ferne, nach Kroatien und Jugoslawien.

»Die Rattenbande« ist im Dilltal angesiedelt, der Heimat des Autors. Herborn, der Westerwaldsteig, der Rother Steinbruch - all diese realen Orte finden im Roman statt. Nicht immer geht es dort so beschaulich zu, wie man es erwarten würde. Geis zeichnet Typen, die man an jeder Straßenecke der Dörfer finden könnte, mal grantelig, mal geschwätzig, mal mit typischem Zungenschlag. Dabei gelingt ihm mit Lohmann ein erfrischend bodenständiger Kommissar, bei dem zur Erleichterung des Lesers und im Gegensatz zu den meisten anderen Roman-Ermittlern mal nicht Frauengeschichten und Alkoholprobleme im Vordergrund stehen, sondern die Fälle. Sein einziges Laster scheint ein gelegentliches Weißbier zu sein, er liebt die Alpen und seine Frau Anne.

Und doch plagt den Kommissar in seinem dritten Fall eine kleine Sinnkrise. Er zweifelt daran, ob er noch die Kraft hat, sich mit den Abgründen der menschlichen Seele auseinanderzusetzen. Doch Anne gibt ihm einen sanften Schubs und obwohl sie nicht begeistert ist, wenn Lohmann während einer privaten Wanderung eine grausam zugerichtete Leiche findet und schon wieder bis zum Hals in Arbeit steckt, ermutigt sie ihn zum Weitermachen. Ob es ihr gelingt und vor allem ob Lohmann die Morde stoppen kann, wird hier natürlich nicht verraten.

Rüdiger Geis: Die Rattenbande. Südwestbuch Verlag, Calw, 250 Seiten, 14 Euro, ISBN 978-3-96438-500-0

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Motorradverbot_im_Wa_621_4c_1 © DPA Deutsche Presseagentur

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