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Geschichte einer autoritären Versuchung

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Gewiss: Diese schon etwas länger zurückliegende Neuerscheinung über Geschichte und Selbstverständnis der Christdemokratie setzt historische Kenntnisse und politisches Interesse voraus. Wer sich darauf einlässt, lernt Spannendes über den politisch reaktionären Katholizismus als Geburtshelfer der Christdemokratie. Er lernt aber auch, wie prominente Christdemokraten wie Konrad Adenauer entschieden zwischen ihrem Glauben und ihrer demokratischen Überzeugung trennten und so das christdemokratische Zeitalter nach 1945 ermöglichten.

Gleichwohl lebt die illiberale Seite der Christdemokratie fort in Ungarn und Polen, sicher auch in dem Rechtskonservatismus des österreichischen Ex-Kanzlers Sebastian Kurz. Bedeuten Modernisierung und Liberalisierung, wie sie die CDU unter Helmut Kohl erlebte, zugleich eine Aufgabe christdemokratischer Wurzeln? Können CDU und CSU ihren Markenkern erneuern, ohne den Weg Victor Orbáns einzuschlagen?

In der Sensibilisierung und historischen Beleuchtung dieser Fragen durch den österreichischen Politologen Fabio Wolkenstein liegt der Wert dieses Buches, freilich ohne dass es eine eindeutige, programmatische Antwort fände. Tibor Pesza

Fabio Wolkenstein: Die dunkle Seite der Christdemokratie, Geschichte einer autoritären Versuchung. C.H.Beck Paperback, 222 Seiten, 16,95 Euro, ISBN 978-3-406-78238-1

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