Fruchtbare Zusammenarbeit

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Es war ein langer Weg. Ihn zu gehen, war notwendig, denn sich mit der unrühmlichen Vergangenheit zwischen 1933–1945 auseinanderzusetzen, dafür ist es nie zu spät, hatte Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt zu Beginn 2012 gesagt. Er ist Sprecher der Initiative "Stolpersteine". Zwischen 2012 und 2017 haben sich rund 40 Aktive dieser nicht einfachen Aufgabe gestellt, eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte in den drei Wettenberg-Dörfern aufzuarbeiten. Nun traf sich der engere Kreis der Aktiven noch einmal, um Bilanz zu ziehen. Nun will man nicht auseinandergehen, sondern weiter gemeinsam wachsam bleiben. In Kontakt bleiben will man aber auch, um den Geist, der aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit entstand, weiterzutragen. In der Runde in der Launsbacher "Schönen Aussicht" waren neben Gerhard Schmidt Dr. Jürgen Leib, Dieter Bender, Ute Bender, Manfred Schmidt, Ingrid Hofmann, Bernd Hofmann, Luise Bröckl, Michael Brehmer, Klaus Brückmann und Brigitte Werner vertreten.

Es war ein langer Weg. Ihn zu gehen, war notwendig, denn sich mit der unrühmlichen Vergangenheit zwischen 1933–1945 auseinanderzusetzen, dafür ist es nie zu spät, hatte Ehrenbürgermeister Gerhard Schmidt zu Beginn 2012 gesagt. Er ist Sprecher der Initiative "Stolpersteine". Zwischen 2012 und 2017 haben sich rund 40 Aktive dieser nicht einfachen Aufgabe gestellt, eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte in den drei Wettenberg-Dörfern aufzuarbeiten. Nun traf sich der engere Kreis der Aktiven noch einmal, um Bilanz zu ziehen. Nun will man nicht auseinandergehen, sondern weiter gemeinsam wachsam bleiben. In Kontakt bleiben will man aber auch, um den Geist, der aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit entstand, weiterzutragen. In der Runde in der Launsbacher "Schönen Aussicht" waren neben Gerhard Schmidt Dr. Jürgen Leib, Dieter Bender, Ute Bender, Manfred Schmidt, Ingrid Hofmann, Bernd Hofmann, Luise Bröckl, Michael Brehmer, Klaus Brückmann und Brigitte Werner vertreten.

Schule führt Arbeit fort

Im November vor fünf Jahren stellte Gunter Demnig auf Einladung der Freireligiösen Gemeinde Krofdorf-Gleiberg das Projekt "Stolpersteine" vor. Die von ihm europaweit verlegten 49 000 Stolpersteine erinnern an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politischen Widerständler, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus. Einen Monat später gründete sich die Initiative "Stolpersteine" in Wettenberg. Sie sorgte dafür, dass in den Jahren 2013/14 acht Steine in allen drei Dörfern verlegt wurden, und zwar vor allem für die Opfer der sogenannten Euthanasie. Ende 2014 wendete sich die Initiative dem antifaschistischen Widerstand und der Verfolgung in den Jahren der Nazi-Gewaltherrschaft zu. Mit einer Gedenkveranstaltung am 7. Mai 2015 begann dies zunächst in Krofdorf-Gleiberg, wo an das Schicksal von 39 ehemaligen Mitbürgern gedacht wurde. Danach wandte sich die Gruppe Wißmar zu, wo am 27. Januar 2016 ebenfalls eine Gedenkveranstaltung für 22 Opfer stattfand. Im April desselben Jahres wurde die Arbeit in und für Launsbach aufgenommen. Die Ergebnisse wurden am 8. November 2016 mit einer Gedenkveranstaltung vorgestellt. Auf der Gedenktafel des kleinsten Ortsteils sind die Namen von neun betroffenen Personen zu lesen.

Ingrid Hofmann ist Vorsitzende der Heimatstube Launsbach, die mit einigen Mitgliedern maßgebliche Arbeit für ihren Ortsteil leistete und sich noch einmal erinnerte: Es habe ein neues Bewusstsein geweckt werden können. Vielen sei die Tatsache, dass auch in den Dörfern Widerstand geleistet wurde, so nicht präsent gewesen. Dieses dadurch entstandene Interesse bei den Nachfahren habe eine große Resonanz und Bereitschaft zur Mitarbeit ausgelöst. Daraus, so Ingrid Hofmann weiter, erwachse Zuversicht, dass sich weiter vertiefend mit der Materie auseinandergesetzt wird. Nahezu beispiellos ist der Einsatz von Dieter Bender zu werten. Seine Recherchearbeit und sein Interesse an der Sache mündete auch in die Broschüre "Antifaschistischer Widerstand in Gleiberg, Krofdorf, Launsbach und Wißmar 1933–1945". "Mir war diese Form der Aufarbeitung schon viele Jahre lang ein Bedürfnis", sagt er. Bender wurde bei seiner Arbeit unterstützt von Otwin Balser, Ute Bender, Michael Brehmer, Ingrid Hofmann, Manfred Schmidt, Antonius Scholten, Siegfried Träger, Werner Trampisch, Doris Weimer-Schluckebier und Jörg Würtz. Für Bender ist die Recherchearbeit noch nicht gänzlich abgeschlossen.

Er wird dazu auch ein Buch verfassen. Der Arbeitstitel: "Widerstand und Verfolgung in den Dörfer Wettenbergs". Gerhard Schmidt dankte allen, die sich persönlich und mit ihren Institutionen und Vereinen auf die unterschiedlichste Weise eingebracht haben. Da die Druckkosten für die Broschüren aus Spenden finanziert wurden und keine Fahrt- und Sachkosten anfielen, weil die Projektmitarbeiter darauf verzichteten, sind noch 1000 Euro verfügbar. Das ist die Summe, die die Initiative im Zusammenhang mit der Verleihung des Kulturförderpreises 2015 von der Gemeinde Wettenberg erhalten hatte. "Die Reaktionen vieler Angehöriger darauf, dass sich Menschen aus der Gemeinde mit diesem Teil der Geschichte beschäftigten, waren durchweg positiv. Wir konnten vieles ins Licht der Öffentlichkeit rücken und auch geraderücken", bilanziert Gerhard Schmidt.

Wie geht es weiter? An den Gedenkveranstaltungen haben Schüler der Gesamtschule Gleiberger Land mitgewirkt. Daher soll die Zusammenarbeit mit der Schule ausgebaut werden. Dieter Bender wird ein Projekt "Jugendliche Zwangsarbeiter in Krofdorf-Gleiberg" mit einer 10. Klasse der Gesamtschule "Gleiberger Land" im Februar beginnen. Dazu werden auch Exkursionen zu Museen und Gedenkstätten an verschiedenen Orten gehören. Die Fahrtkosten wird die Initiative übernehmen. Das Projekt soll im Juni mit einer Ausstellung im Heimatmuseum Krofdorf-Gleiberg seinen Abschluss finden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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