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Ex-Student ist nun Lehrling des Monats

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Von: Constantin Hoppe

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Jonas Witte macht in Wettenberg seine Ausbildung zum Zimmerer. © Constantin Hoppe

Mit 26 ist Jonas Witte kein gewöhnlicher Azubi. Der angehende Zimmerer hat bereits ein Studium hinter sich. »Doch nach dem Bachelor-Abschluss fühlte ich mich nicht auf die Arbeitswelt vorbereitet.«

Wenn morgens bei Jonas Witte der Wecker klingelt, schlafen die meisten anderen Menschen noch. Um 5.45 Uhr muss der 26-Jährige aus Gießen an seiner Arbeitsstelle in Launsbach sein. Erst nach 16 Uhr kommt er wieder nach Hause. »Ein langer Tag«, bemerkt Witte knapp. Ein langer Tag auf verschiedenen Baustellen. Trotzdem kann er sich kaum etwas Besseres vorstellen: »Ich kann jeden Tag mit einem Lächeln aufstehen. Das kann nicht jeder von sich behaupten.«

Witte erlernt seit einem Jahr den Beruf des Zimmerers bei der Kai Laumann Zimmerei- und Bedachungs-GmbH in Launsbach. Er mag seinen Beruf und er ist gut darin. Deswegen hat ihn die Handwerkskammer Wiesbaden am Dienstag als »Lehrling des Monats« ausgezeichnet.

»Was ihn von anderen Lehrlingen abhebt, das ist seine Lebenserfahrung. Er weiß genau, wo er hin möchte und bringt sich ein, um dorthin zu kommen«, sagt sein Chef Kai Laumann. »Zudem ist er zuverlässig und hat eine hohe Sozialkompetenz. Ich kann ihn immer mit einem guten Gefühl zu einer Baustelle schicken.« Gerade Wittes Lebenserfahrung kann dabei für Laumann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: »Wir hatten schon Auszubildende, die wir morgens wieder nach Hause schicken mussten, da sie nicht richtig angezogen waren. Im November in Ballerinas auf eine Baustelle zu gehen, ist beispielsweise keine gute Idee.«

Darüber braucht er sich bei Witte keine Sorgen zu machen. Erst über einen kleinen Umweg fand er seinen Weg ins Handwerk. Der 26-Jährige stammt aus der Nähe von Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen und studierte in Münster Bauingenieurwesen. »Nach dem Bachelor-Abschluss fühlte ich mich in keinster Weise auf die Arbeitswelt vorbereitet«, sagt Witte. Ein Tapetenwechsel musste her.

Deshalb suchte er nach einer Ausbildungsstätte, um Praxiserfahrung zu sammeln. Sein in Gießen lebender Schwager empfahl ihm daraufhin die Firma Laumann in Wettenberg. »Von Münster hatte ich ohnehin schon genug gesehen. Also bin ich dann einfach nach Gießen gezogen.«

Witte ist derzeit einer von 16 Auszubildenden bei der Launsbacher Firma. Nachwuchssorgen hat man hier derzeit keine. Dafür floss allerdings eine große Summe in Werbeaktionen für Auszubildende: »Wir haben in diesem Jahr eine weitreichende Social-Media-Kampagne gestartet und viele Schulen besucht«, erzählt Laumann. In der groß angelegten Kampagne sollten möglichst viele Zielgruppen angesprochen und die Chancen einer Ausbildung im Handwerk vermittelt werden.

Das zahlte sich aus. Im vergangenen August wurden neun Auszubildende eingestellt - einer davon hat seine Ausbildung jedoch wieder abgebrochen. »Da muss man sich nichts vormachen«, sagt Laumann. »Wenn von den anfänglich neun Lehrlingen sieben ihre Ausbildung beenden und vielleicht drei oder vier als Gesellen hier im Betrieb bleiben, dann wäre ich schon glücklich.«

Die groß angelegte Ausbildungs-Kampagne will das Unternehmen auch im kommenden Jahr fortsetzen. Eine Strategie, die Laumann auch anderen Handwerksbetrieben ans Herz legt: »Heute muss man auch in den sozialen Medien präsent sein. Einfach nur eine Homepage und vielleicht ein Facebook-Account reichen nicht.«

Bis Witte seine Gesellenprüfung ablegen wird, wird es noch etwas dauern: »Ich hätte verkürzen können, aber es geht mir ja gerade um die Praxis. Und diese will ich jetzt noch im Zuge der Ausbildung bekommen.« Für seine Zeit nach der Ausbildung hat er auch schon einen Plan. Witte möchte vorerst als Geselle weiterarbeiten und seine Erfahrungen vertiefen. Danach steht vermutlich die Ausbildung zum Handwerksmeister an, erzählt er und lächelt. »Mein Ziel ist es, mein eigener Chef zu sein. Und um sich selbstständig zu machen, ist der Meistertitel einfach sinnvoll.«

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