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In der Nähe des Mainzlarer Friedhofs haben Jugendliche 2016 einen Pizzaboten ausgeraubt. FOTO: KME

Frage nach Tabasco wird zum Verhängnis

Pizzaboten an Friedhof in Mainzlar ausgeraubt - Gewalttat nur wegen 80 Euro

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Wegen des Überfalls auf einen Pizzaboten am Mainzlarer Friedhof musste sich ein 22-Jähriger nun vor Gericht verantworten. Die Tat liegt dreieinhalb Jahre zurück - ein Vorteil für den Angeklagten.

Die Frage nach dem Tabasco war dem Pizzaboten zum Verhängnis geworden: Als er am Abend des 27. Juni 2016 zwei Flaschen Cola und eine Familienpizza wie bestellt in die Nähe des Mainzlarer Friedhofs lieferte, hatten ihn die jungen Männer gefragt, ob die Pizza mit scharfer Sauce gewürzt sei. Der Lieferant erkundigte sich telefonisch. Und die Kunden nutzen diesen Moment, um den Mann zu Boden zu stoßen und auszurauben. Mit einer Beute von 80 Euro machten sie sich anschließend aus dem Staub.

Diesen Tathergang hatte das Gießener Landgericht schon einmal festgestellt und drei Angeklagte wegen des Übergriffs verurteilt. Am Dienstag war nun vor dem Jugendschöffengericht der gleiche Ablauf noch einmal zu hören, die gleiche Tat erneut Thema. Auf der Anklagebank saß ein 22-jähriger Pohlheimer. Er soll der vierte Mann sein, von dem vor dem Landgericht die Rede gewesen war. Seinen Namen hatten die Mittäter im Prozess nicht preisgegeben. Kürzlich hat ihn einer der Verurteilten doch genannt - und dies führte nun zu der erneuten Anklage.

"Ich war an diesem Tag dort", räumte der Angeklagte ein, "aber ich habe den Leuten von Anfang an gesagt, dass ich damit nichts zutun haben will". Ein Widerspruch, der zu etlichen Nachfragen von Richterin Maddalena Fouladfar und Staatsanwalt Mike Hahn führte. Der 22-Jährige sagte, man habe sich zu viert im Laufe des Nachmittags bei einem der Beteiligten getroffen. Von dem Plan, einen Pizzaboten auszurauben, habe er nur am Rande mitbekommen. Als die Bestellung telefonisch aufgegeben wurde, sei er nicht im Raum gewesen. Und als die Pizza samt Getränken dann in die Nähe des Friedhofs geliefert, der Bote in ein Gespräch verwickelt und ausgeraubt wurde, habe er abseits gestanden, äußerte sich der Angeklagte.

"Das ist ja schon ein bisschen sinnlos - warum sind Sie mitgegangen?", hakte Richterin Fouladfar nach. Eine plausible Antwort hatte der junge Mann nicht parat. Jedenfalls habe er sich nicht aktiv beteiligt und auch nichts von der Beute abbekommen.

Warum hat einer der Verurteilten, damals ein enger Freund des nun Angeklagten, diesen nach mehreren Jahren nun doch belastet? "Vielleicht ist er sauer auf mich", spekulierte der Angeklagte. Sein damaliger Freund wurde als Zeuge gehört, wobei sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen hielt: Der 23-Jährige berichtete, man habe nachmittags "ein bisschen getrunken und gekifft", dann sei der vage Plan für den Raub gereift. Er selbst habe den Lieferanten zu Boden gestoßen. Das Opfer hatte laut Anklage als Folge des Überfalls mit Bewegungseinschränkungen und Kopfschmerzen zu kämpfen. "Die anderen waren erstmal schockiert, dass ich ihn ungeworfen habe", so der Zeuge.

An vieles könne er sich nicht mehr erinnern. Es sei aber gut möglich, dass der nun Angeklagte tatsächlich abseits gestanden habe. "Das kann gut sein, er ist eigentlich der Reifste von uns." Ist er trotzdem an der Beute beteiligt worden? "Wir haben Gras geholt und es weggeraucht - da gab es kaum was zum Aufteilen", sagte der verurteilte Täter. Warum er den Namen seines einstigen Kumpels preisgegeben hatte, blieb letztlich offen. Auch eine damals ermittelnde Polizistin konnte dies nicht aufklären. Ein besonderes Belastungsinteresse habe sie jedenfalls nicht erkennen können.

Auf Anregung von Staatsanwalt Hahn verzichtete das Gericht darauf, die weiteren Tatbeteiligten zu vernehmen. "Bevor wir uns die nächsten Granatenzeugen anhören, die uneidliche Falschaussagen abgeben", könne man es wohl dabei bewenden lassen, sagte Hahn. Der Angeklagte habe "auf irgendeine Weise partizipiert". Ob sein Beitrag als Mittäterschaft oder Beihilfe zu werten ist, sei fraglich. Dass er überhaupt mitgekommen ist, sei "schon ziemlich dämlich".

Das Gericht beriet sich daraufhin - und kam ohne Urteil zurück. "Das Gericht hat sich ziemlich schwergetan, weil Sie kein unbeschriebenes Blatt sind", sagte Fouladfar. Über ein noch laufendes Verfahren lägen dem Gericht aber keine Informationen vor. Auch sei der Tatbeitrag offenbar überschaubar gewesen.

Das Verfahren wurde eingestellt, der Angeklagte muss dafür allerdings 50 Stunden gemeinnützige Arbeit binnen drei Monaten leisten.

Quelle: Gießener Allgemeine

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