Videofilm »175 Jahre Enders« zeigt historische Entwicklung

Reiskirchen (rüg). Die Firma Enders in Reiskirchen feiert in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen. Auf dem großen Jubiläumsfest in der Wetzlarer Rittal-Arana wurde auch der im Spätsommer entstandene Jubiläumsfilm geziegt, und zwar mit großem Erfolg.

»Hey, Mr. Zimmer, danke für die leckere Lieferung.« »Das nächste Mal hab ich leckere Mondleberwurst dabei!« – Der Dialog zwischen der internationalen Raumstation ISS und einem Versorgungsraumschiff des Reiskirchener Weltunternehmens ist natürlich pure Fiktion und ein humoriges Schmankerl am Ende des Jubiläumsfilms »175 Jahre Enders«, der bei der großen Feier in der Rittal-Arena in Wetzlar echte Begeisterungsstürme auslöste. Kreiert hat das 20-minütige Video die Firma Media Tools aus Heuchelheim, und gezeigt wird dokumentarisch die Entwicklung des Familienunternehmens seit seiner Gründung im Jahr 1838.

Steht am Ende die zum Schmunzeln anregende Vision von der Wurstlieferung ins All, so markiert der Mythos den Anfang: Der 20-jährige Johann Kaspar Enders kommt in einer krisengeschüttelten Zeit zu Fuß von Ettingshausen nach Reiskirchen, um mit den Metzgern – Hausschlachtungen gibt es in fast jedem Haushalt – von Haus zu Haus zu ziehen und die Borsten der Schweine zu sammeln, zu reinigen und nach Größe zu sortieren. Daraus macht er Bürsten und Pinsel.

Das Geschäft kann die wachsende Familie zunächst nicht vollständig ernähren, und so bleibt die Landwirtschaft vorerst weiterhin die existenzielle Grundlage. Aber: Die Auswanderungswelle Mitte der 1840er Jahre nutzt Enders, um Grundbesitz zu erwerben, ein Verfahren, dass seine Nachkommen fortführen und das das Unternehmen für Krisen wie beispielsweise die Inflation 1923 weniger anfällig macht.

In fünf Kapiteln erzählt der Film die Unternehmensgeschichte von diesen Anfängen und den ersten Handel über den Ausbau und die Konsolidierung Anfang des 20. Jahrhunderts bis hin zur weltweiten Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wurstpaket nach China

Und da kommt auch die Sache mit der Wurstlieferung an scheinbar unerreichbare Gestade wieder ins Spiel: Ende der 1960er Jahre sind Kunst- und Naturdärme knapp. Ludwig Enders will nach China reisen und dort einkaufen. Doch damals gibt es ein Visum nur, wenn eine Einladung aus diesem Land vorliegt. Also packt er ein Paket mit Wurstwaren und schickt es per Luftpost ins »Reich der Mitte«. Die Einladung kommt, und er erhält sein Visum.{newPage}

»Enders hat eine starke Tradition an Werten. Und das wollten wir deutlich machen«, sagt Media Tools-Geschäftsführer Roman Benischke, der auch für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete. Und die Umsetzung war ein hartes Stück Arbeit, wie er berichtet. Gut ein Jahr dauerten die Entwicklung der Idee und die Vorbereitungen der Dreharbeiten, die zu einem erheblichen Teil im Hessenpark in Neu-Anspach stattfanden.

Die Mitarbeiter als Schauspieler im Film dabei

Und das Besondere: Die Schauspieler, die in die Rollen der Endersfamilie, ihrer Mitarbeiter, des Metzgers, der Dorfbewohner und Soldaten oder Gemeindeoberen schlüpften, sind nahezu ausschließlich Mitarbeiter des Reiskirchener Unternehmens. So verleihen die Vertriebsleiter Kim Backhaus und Berthold Haupt den Nachfolgern des Firmengründers, Caspar und Ludwig Enders, Gestalt. Michael Pfeil, seit 32 Jahren bei Enders, mimt den Metzger zu Beginn der Geschichte, Christoph Zimmer steuert das Versorgungsraumschiff der ISS. Für die Rolle des Firmengründers Johann Kaspar Enders konnte man FFH-Sportmoderator Daniel Wolf gewinnen.

»Wichtig war, die Geschichte in Darstellungskraft und Wirkung überzeugend rüberzubringen«, so Benischke. Dazu gehört neben den motivierten Darstellern und einem passenden Set wie dem Hessenpark auch die entsprechende Ausstattung. Den überwiegenden Teil der historischen Kleidung lieh die Produktion von einem Licher Kostümverleih, für das erste Auto von Ludwig Enders 1928 stellte eine Niddaer Oldtimervermietung einen passenden Mercedes zur Verfügung, ansonsten »kramte jeder Mal im Keller nach Requisiten wie Körben und Ackerwerkzeugen«.

Improvisationstalent und der scharfe Blick für kleine Details waren ebenso gefragt. Beim Dreh an historischer Stätte mussten neumodische »Accessoires« wie Feuermelder oder Hinweisschilder fantasievoll verdeckt werden – zum Beispiel durch eine davor gehängte Wanne.

Nach den beiden Hauptdrehtagen im Hessenpark Mitte September waren noch gut zwei Wochen Nachbereitung für Schnitt, Studioaufnahmen, Bildbearbeitung und Animationen wie die ISS-Sequenz notwendig, ehe der Film dann vor rund 1000 Gästen in der Rittal-Arena beim Jubiläumsfest mit großem Erfolg gezeigt werden konnte. Aufnahmen entstanden auch in den Auslandsfilialen in Warschau, Moskau, Prag und Lviv.

Sehen kann man den Film im Internet auf Youtube über www.enders.de . Und wer meint, dass ihm die Stimme des Off-Erzählers irgendwie bekannt vorkommt, liegt nicht falsch. Sie stammt von Joachim Kerzel, der als Synchronsprecher Hollywoodstars wie Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper oder Anthony Hopkins zu ihrer deutschen Zunge verhilft.

Fleischerei-Profi Enders in Reiskirchen feiert 175-Jähriges

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