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Gedenken an Weggefährten

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Der Chor »Belcanto« umrahmt musikalisch. © Carolin Launspach

Reiskirchen (la). Gerade zur Weihnachtszeit, wenn man sonst Freunde und Bekannte trifft, wird deutlich: Die Pandemie hat Spuren hinterlassen. Menschen, mit denen man 2019 noch mit Kinderpunsch und Glühwein angestoßen oder sogar gemeinsam gesungen hatte, gibt es nicht mehr. Sie sind an oder mit Corona oder einfach auch in dieser Zeit verstroben.

Der Gesangverein Sängerkranz Bersrod wollte ihr Andenken und insbesondere das der von ihnen gegangenen Mitglieder und Mitsänger besonders würdigen. Denn oftmals war es nicht möglich gewesen, diese in gewohnter Weise auf ihrem letzten Weg zu begleiten, erklärte Ingeborg Römer. Der Gesangverein lud darum zu einem Gedenkkonzert in die evangelische Kirche Winnerod ein, welches der Chor »Belcanto« unter der Leitung von Rainer Geitl gestaltete.

Der Chor intonierte das Kirchenlied »Santo«. Nach »Stell dir vor« von Eric Bond gedachte Maike Thiel in Vertretung des Vereins der einzelnen Verstorbenen. So erinnerte sie, dass man sich gerade in einer sehr dunklen Zeit an Verstorbene erinnere. Nicht umsonst feiere die katholische Kirche das Fest »Allerseelen«, denn »alle Seelen brauchen Licht«. Thiel sprach davon, dass der Mensch in seiner Existenz Licht und Schattenseiten habe, sich jedoch gerade in dunkelsten Stunden eine Neuerung anbahne.

Für jeden Verstorbenen wurde auf dem Altar eine Kerze entzündet. Der Verein gedachte Hilde Stroh, Klaus Döring, Elfriede Wiegel, Ewald Leib, Helma Balser, Kurt Leib und Erwin Kutscher. Es folgte unter anderem das Lied »Tears in heaven« von Eric Clapton.

In seiner Predigt ging Pfarrer Stefan Becker auf dieses Lied, welches Clapton zum Tode seines Sohnes geschrieben hatte, genauer ein. Der Chor habe dieses Stück in die Mitte seiner Gottesdienstgestaltung gelegt, so Becker und weiter erinnerte er, dass es in etwa der Mitte des Liedes heißt: »Im Himmel wird es keine Tränen mehr geben«. Clapton fragt zum einen seinen Sohn, ob er ihn im Himmel wiederfinden würde, zum anderen spricht er sich selbst auch Mut zu, da er noch nicht in den Himmel gehöre. Er werde seinen Weg finden durch Dunkel und Licht.

Becker nahm die Zuhörer in seiner Predigt mit auf dem Weg zwischen Tod und Leben. Menschen trauern unterschiedlich, drückte er aus und interpretierte nochmals die Worte Claptons: »Die Zeit der Trauer kann sehr schwer sein, kann das Herz brechen.« Doch als Geistlicher machte er auch Mut, »denn im Himmel wird es keine Tränen geben, in dieser Hoffnung gehen wir durch das Leben.«

Nach weiteren Gesangsdarbietungen, wie »Herr deine Liebe«, sang die Kirchengemeinde gemeinsam »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit« als Abschluss eines emotionalen Gottesdienstes.

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