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Startschuss für Garbenteich-Ost: Bagger rollen ab Dienstag

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Von: Stefan Schaal

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Derzeit sind noch die Spuren archäologischer Ausgrabungen zu sehen. Am Dienstag sollen Planierungsarbeiten für die Gewerbefläche beginnen. © Stefan Schaal

Ein Outlet-Center sollte in Garbenteich-Ost vor vier Jahren noch entstehen, nun beginnen in Pohlheim am Dienstag die Arbeiten für eines der größten Gewerbegebiete im Kreis Gießen.

Pohlheim - Es geht los. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an Planungen, Ideen und Vorhaben für das Gewerbegebiet in Garbenteich-Ost beginnt ab Dienstag die Erschließung einer der größten und bedeutendsten Gewerbeflächen im Gießener Land.

Er sei »happy« über den Start, erklärte Daniel Beitlich, Projektentwickler und Geschäftsführer der Revikon GmbH, am Freitag gegenüber dieser Zeitung. »Ich bin nicht nervös«, fügte er hinzu. Auch für die Stadt Pohlheim werde es ein »tolles Gewerbegebiet«.

Auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche von 24 Hektar soll ein Areal mit Gewerbe und Industrie entstehen. Angrenzend an die A 5 soll sich produzierendes Gewerbe niederlassen, der Bereich nahe der Wohnbebauung am Admonter Ring wird als Mischgebiet ausgewiesen.

Gewerbegebiet in Pohlheim: Bunte Mischung von Unternehmen

Vor wenigen Tagen hatte Beitlich bekanntgegeben, dass inzwischen 75 Unternehmen ihr Interesse bekunden haben. Dabei handle es sich um zahlreiche »lokale Firmen aus Pohlheim, dem Kreis Gießen und aus benachbarten Landkreisen«. Beitlich sprach von einer »bunten Mischung«. Neben Produktionsunternehmen und beispielsweise einer Rechtsanwaltskanzlei zähle auch ein Betrieb für Forschung und Entwicklung zu den Interessenten.

Nach dem Baustart in der kommenden Woche werde man Gespräche mit der Stadt suchen, erklärte Beitlich. In einem städtebaulichen Vertrag zwischen Pohlheim und der Revikon GmbH wird der Stadt ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Unternehmen zugestanden, obwohl die Flächen mittlerweile dem Investor gehören. So ist vereinbart, dass der Investor zunächst dem Bürgermeister die interessierten Unternehmen vorstellt und dieser die Betriebe daraufhin dem Magistrat nennt. Sollte der Magistrat erklären, dass es noch Diskussions- und Handlungsbedarf gibt, können außerdem die Fraktionsvorsitzenden oder das Stadtparlament befragt werden.

Pohlheim: Verzögerungen durch Klagen machte Projekt teurer

Das Stadtparlament und der Investor haben zudem vereinbart, dass weder Großlogistik noch ein Autohof, ein Chemiewerk, Hotels oder andere Beherbergungsbetriebe auf der Fläche entstehen sollen. In dem Vertrag werden auch die Herstellung und Lagerung von Schüttgut sowie Spielhallen und Vergnügungsstätten ausgeschlossen.

Etwas gedämpft sei die Freude über den Baustart durch die Verzögerung von etwa einem Jahr vor dem Hintergrund der Klage des NABU vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen das Projekt, erklärte Beitlich. Die Verzögerung sei »sehr traurig« und mache das Projekt angesichts steigender Baupreise deutlich teurer. Zwei Unternehmen seien zudem abgesprungen. Wichtigste Voraussetzung für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, sei Planungssicherheit, sagte Beitlich.

Der NABU moniert im Rahmen des Projekts vor allem ein Umweltgutachten. Der Kreisverband erklärt, er habe mit sechs Ornithologen in diesem Frühjahr die Feldlerchen-Reviere in dem Gebiet erfasst und wie bereits im Vorjahr knapp 30 Reviere festgestellt. Im Rahmen des Umweltgutachtens waren lediglich sechs Reviere gezählt worden. Die Entscheidung im Hauptverfahren in Kassel könnte sich noch über Jahre ziehen. Mit einem Eilantrag ist der NABU im Juli unterdessen gescheitert.

Erfolgloser Kampf des NABU in Pohlheim gegen Gewerbegebiet: »Der Drops ist gelutscht«

Für die Erschließung der Fläche, also für den Bau von Straßen und Kanälen sowie die Verlegung von Leitungen, ist laut Beitlich ein Jahr angepeilt. Die Revikon GmbH investiert 20 Millionen Euro für die Erschließung und den Kauf der Grundstücke.

Er blicke mit »gemischten Gefühlen« auf den Baustart, erklärte der Vorsitzende der BI Garbenteich-Ost, Prof. Bernd Smarsly. Das Gewerbegebiet sei nicht mehr zu verhindern. »Der Drops ist gelutscht.« Der Kampf gegen das geplante Outlet-Center habe sich indes gelohnt. »Für den Gießener Einzelhandel wäre das eine Katastrophe gewesen.«

Zum Beginn der Erschließung werde es keine Protestaktionen geben. »Wir werden uns nirgendwo anketten.« Doch werde man die Entwicklung der Fläche aufmerksam verfolgen und »kritisch begleiten«. Die Versiegelung von Agrarfläche sei heute angesichts von Getreidemangel »gegen jeden Verstand«. (Stefan Schaal)

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