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Pohlheim: »Rudel« in der »Singenden Stadt«

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© Roger Schmidt

Pohlheim (rge). »Ich war noch niemals in New York« erklang es am Samstagabend mit dem Hit von Udo Jürgens aus geschätzten 180 Kehlen am Samstagabend in Watzenborn-Steinberg. Die bundesweit immer mehr an Fahrt aufnehmende Mitsingwelle des Rudelsingens hatte damit nun auch die »Singende Stadt« Pohlheim erfasst.

Der Siegener Chorleiter Ralf Siewer und Keyboarder Steffen Walter waren auf Einladung des Gesangverein Jugendfreund im Rahmen des 25-jährigen Frauenchor-Jubliläums gekommen und dabei sichtlich angetan, dass bereits bei der Premiere bei Auto Häuser so viele Singwillige mit ihnen gemeinsam Lieder anstimmen wollten. Die beiden lieferten die richtigen Töne und passenden Liedtexte, den Rest besorgte das begeisterte Publikum mit ihren Stimmen selbst. Das kam zwei Stunden lang vor Bühne mit der großen Leinwand auf der die Liedtexte abliefen voll auf ihre Kosten. Singen verbindet halt eben schon immer die Menschen, ist dabei das einfache Erfolgsrezept.

Bis aus dem fernen Waldsolms in Lahn-Dill waren Mitsing-Gäste angereist. So auch die Freundinnen Christina, Dörthe und Annegret, die in der Allgemeinen die Ankündigung gelesen hatten und neugierig waren, was da wohl auf sie zukommt. »Wir sind begeistert«, sagten sie zur Halbzeit im Verkaufsraum, den die Jugendfreund-Mitglieder und Auto Häuser-Mitarbeiter kurzum in einen großen Konzertsaal umgestaltet hatten. Gaby Häuser als Vorsitzende war glücklich.

Nach dem Besuch eines Rudelsingen-Events im Gießener Ulenspiegel hatte sie spontan ihren Vorstand überzeugt. »Das müssen wir unbedingt machen.« hatte sie noch am gleichen Abend ihrem Mann gesagt. Platz war da und warum nicht dort wo sonst Autos im Scheinwerferlicht glänzen auch mal was in etwas anderer und neuer Sing-Kultur machen. Heute freute sie sich ganz besonders mit ihrem Ehemann Gerold und ihren Jugendfreundlerinnen, denn die Stimmung und Resonanz war ausgezeichnet. Es wurde zwar nicht jeder Ton getroffen, aber darauf kam es nicht an, das Glücksgefühl beim Gemeinschaftserlebnis des Singens allein zählte.

Elke, Judith und Birgit waren sogar mit einer Gruppe von 15 Leuten aus ihrer ganzen Nachbarschaft aus Reiskirchen gekommen. »Über den Wolken, muss die Freiheit wohl Grenzenlos sein« sangen sie die Hymne vom Barden Reinhard Mey gemeinsam mit allen anderen. Interessantes Detail: Viele der Befragten singen bereits im Chor oder sind anderweitig mit der Musik verbunden. Das sie, wie fast alle anderen im besten mittleren Alter sind und dabei überwiegend Frauen kommen, stellte nicht nur vor Ort unser Reporter fest sondern auch überall in ganz Deutschland der Rudelsingen-Mitinitiator Ralf Siewer.

»Meist um die 70 Prozent Frauen beobachten wir bei den Events.« Die Männer müssen dafür um so lauter singen.

Weil das Rudelsingen in Pohlheim auch eine Premiere war, erklärte er dem Publikum die drei wichtigsten Grundregeln. »1. Beim Singen von den Plätzen aufstehen 2. In den Pausen zur Ruhe kommen und was über Lieder hören und 3. Immer was von den Beatles singen.« Das Letztere folgte prompt, als er den Beatles-Hit »Let it be« mit dem Saal anstimmte. Traumversunken wurden gesungen und dabei im Takt mit geschwoft. Die musikalische Frage »Will er mich kontrollieren oder will er mich verführen?« wurde gemeinsam von den Frauen und Männern beantwortet.

Am späten Abend hieß es nach Hit auf Hit zum Ende »Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu« und alle waren nach mehr als zwei Stunden Rudelsingen hin und weg. Der »Gottvater aller Mitsing-Chöre« Gotthilf Fischer wäre begeistert gewesen. Fortsetzung folgt. Am 24. September wird an gleicher Stelle das zweite Pohlheimer Rudelsingen stattfinden, kündigten die Macher an.

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