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Frühestens im Herbst entscheiden die Pohlheimer, wer die Stadtverwaltung künftig leitet. FOTOS: AGL/PM/RGE

Verschobene Bürgermeisterwahl

Wie Corona den Wahlkampf in Pohlheim prägt - Stimmabgabe nur per Briefwahl?

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Nach der Verlegung der Bürgermeisterwahl in Pohlheim frühestens auf Herbst stellt sich die Frage, ob es überhaupt zum Wahlkampf kommen wird. Können die Pohlheimer am Ende nur per Brief ihre Stimme abgeben? Schwierig ist die Situation vor allem für den in Pohlheim bisher weitgehend unbekannten Herausforderer.

Die Frage, wie der Name des Bürgermeisterkandidaten der SPD in Pohlheim lautet, dürften derzeit nur sehr wenige Bürger beantworten können. Andreas Ruck, der in Bad Schwalbach im Taunus lebt, ist noch Mr. Unbekannt. Und er wird es in den kommenden Wochen vorerst auch bleiben. In Zeiten von Kontakt- und Ausgehbeschränkungen während der Coronakrise ist klassischer Wahlkampf nicht möglich.

Andreas Ruck

Hausbesuche, Podiumsdiskussionen, Spaziergänge durch die Dörfer, Stände vor Supermärkten: So präsentieren sich Bürgermeisterkandidaten für gewöhnlich den Wählern. Daran ist derzeit allerdings nicht zu denken. Ruck hat nun mehr Zeit erhalten, sich vorzustellen. Die Wahl ist vom 23. August auf frühestens 1. November verschoben worden. Die im Landtag beschlossene Verlegung sei die richtige Entscheidung, sagt Ruck. Als Kandidat sei er angewiesen auf die Möglichkeit, mit den Wählern ins Gespräch zu kommen.

"Das Wichtigste ist, den Bürgern in die Augen zu schauen" erklärte der 51-Jährige. "Wahlkampf über Soziale Medien reicht nicht."

Ende Februar, kurz nach seiner Nominierung, hat er sich erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Seitdem ist er dreimal durch Pohlheimer Ortsteile spaziert, hat mit Bürgern geplaudert. "Mehr war leider nicht drin", sagt Ruck.

Am 1. April soll eine Internetseite zu seiner Kandidatur online gestellt werden. Er versuche außerdem, über die Tageszeitungen und ein Blatt der Pohlheimer SPD zu kommunizieren. Er informiere sich außerdem über Pohlheim, ein zentrales Thema sei für ihn der in Watzenborn-Steinberg geplante Bau eines Kindergartens mit acht Gruppen. "Das halte ich für viel zu groß. Vier Gruppen wären angemessen." Der wichtigste Faktor im Wahlkampf aber, der persönliche Kontakt mit den Bürgern, fehle. "Das Erscheinungsbild zählt eben." Kreative Ideen, um die Aufmerksamkeit der Wähler zu gewinnen, sind momentan in beiden Lagern Mangelware..

Udo Schöffmann

Noch ist freilich Zeit. Am 1. Februar kommenden Jahres läuft die Amtsperiode des Bürgermeisters aus. Dennoch ist nicht absehbar, wann sich die Lage im Rahmen der Ausbreitung des Coronavirus normalisiert. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt zu einem regulären Wahlkampf kommen wird. "Am Ende können die Pohlheimer vielleicht ihre Stimme nur per Briefwahl abgeben, wie am nächsten Sonntag bei mehreren Stichwahlen in Bayern", sagt Amtsinhaber Udo Schöffmann (CDU).

Der Blick in die Glaskugel helfe aber nicht weiter, fügt er hinzu. Über den Termin entscheide letztlich das Stadtparlament. Laut Hessischer Gemeindeordnung wäre es theoretisch möglich, dass Schöffmann auch nach dem 1. Februar als Interims-Bürgermeister die Verwaltung leitet, sollte es bis dahin zu keiner Wahl kommen und solange die Stadtverordnetenversammlung dagegen kein Veto einlegt.

"Außer Flyer in Briefkästen verteilen ist an Wahlkampf derzeit nicht zu denken", sagt indes Schöffmann. Für den Herausforderer Ruck sei es momentan wesentlich schwieriger, Themen zu setzen oder überhaupt mit den Bürgern in Kontakt zu treten, räumt Schöffmann ein. "Die Wahl ist aber momentan das kleinste Problem." Aktuell gelte es, die täglich neuen Herausforderungen der Coronakrise zu bewältigen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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