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Erste Busse fahren bereits vergangene Woche durch die Taunusstraße. Heute wird die Ortsdurchfahrt offiziell freigegeben.

Sanierte Straße

Aufatmen in Pohlheim: Ortsdurchfahrt in Grüningen nach zwei Jahren Baustelle wieder frei

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22 Monate lang war die Ortsdurchfahrt in Grüningen wegen Bauarbeiten gesperrt, an diesem Montag wird die Sperrung der grundsanierten Straße aufgehoben. In den Läden im Dorf herrscht Erleichterung. So mancher Anwohner dagegen vermisst die Baustelle schon jetzt.

Ewald Seidler stoppt seinen Wagen mitten auf der Taunusstraße in Grüningen. Zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren versperrt keine Baustelle den Weg, die Ortsdurchfahrt ist frei. Seidler, der Erste Stadtrat Pohlheims, lässt die Fensterscheibe herunter, dann ruft er: "Auf zu neuen Ufern." Nachdem die Straße 22 Monate lang gesperrt war, herrscht Erleichterung im Dorf sowie unter vielen Autofahrern, die in den vergangenen zwei Jahren über Umleitungen ausweichen mussten. Vor allem die Inhaber kleiner Läden in Grüningen atmen auf.

Am Mittwoch bereits zerschneiden Bürgermeister Udo Schöffmann sowie Vertreter des Landes und der Baufirma das Band zur Einweihung der frisch sanierten Straße. "Schmaler ist die Ortsdurchfahrt geworden", sagt ein Anwohner, als er die kleine Zeremonie beobachtet. Tatsächlich ist der Bordstein etwas verbreitert worden. Außerdem ist die Fahrbahn eben, Risse und Schlaglöcher sind verschwunden. Es war höchste Zeit, die stark ramponierte Straße für 3,45 Millionen Euro grundhaft zu sanieren. Zudem wurden Kanal- und Wasserrohre repariert und die Stromleitungen erneuert. Die Stadt trägt mit 2,07 Millionen den größten Batzen der Kosten, das Land übernimmt den restlichen Teil.

Weniger Autoverkehr als vor der Sanierung wird es auf der Straße sicher nicht geben, ist sich Schöffmann sicher. "Aber es ist jetzt nicht mehr so holprig, der Lärm wird für die Anlieger daher etwas geringer."

Noch etwas anderes wird den Anwohnern in den kommenden Tagen auffallen: Mehrere Tempo-30-Schilder wurden nicht wieder aufgestellt. "Die rechtliche Grundlage für das Tempolimit war die schlechte Fahrbahn der Landesstraße", erklärt der Bürgermeister. Dies sei nun behoben.

Ursprünglich war geplant, die Straße erst im Herbst freizugeben. "Die Bauarbeiten sind hervorragend vorangekommen", sagt Eugen Reichwein von Hessen Mobil. Doch auch wenn die Ortsdurchfahrt zwei, drei Monate früher als geplant frei ist: Für Anlieger und viele Autofahrer geht an diesem Montag nach der Sperrung seit August 2017 eine halbe Ewigkeit zu Ende.

"Es war eine Durststrecke", sagt eine Mitarbeiterin der Metzgerei "Dern" in der Taunusstraße. Inhaber Thomas Becker beklagte einen Einbruch des Umsatzes um 25 Prozent während der Sperrung. Hoffentlich, sagt die Mitarbeiterin, kommen die verlorenen Kunden nun wieder zurück. "Jetzt muss etwas passieren", sagt sie. Vor der Theke steht indes Kunde Uwe Weibel und winkt zuversichtlich ab. Das Geschäft werde schon bald wieder laufen, sagt er. "Ihr macht ja gut Worscht."

Mit der Sperrung sei er selbst gut zurechtgekommen, sagt Weibel. Die Metzgerei allerdings sei unheimlich wichtig im Dorf, fügt er hinzu. Neben Fleisch und Wurst könne man zum Beispiel auch mal Quark kaufen. "Es ist eigentlich das einzige Geschäft für Lebensmittel im Ort."

Wenige Meter entfernt hat Willi Stumpf´in der Taunusstraße seinen Getränkemarkt. "Das Geschäft macht wieder Sinn", sagt der 85-Jährige. Dann hebt er den Zeigefinger. Und wiederholt den Satz, nur lauter. "Das Geschäft macht wieder Sinn." Er verdiene vor allem an Kunden, die durch den Ort fahren und spontan an seinem kleinen Laden Halt machen. "In den vergangenen zwei Jahren ist nichts gelaufen. Während der Sperrung haben wir die Hälfte unseres Geschäfts verloren."

Am vergangenen Mittwoch vor der offiziellen Freigabe fahren bereits erste Schulbusse durch die Taunusstraße. Zwei Jahre mussten Autofahrer unter anderem über Watzenborn-Steinberg, Leihgestern, Langgöns und Holzheim ausweichen - oder sie nutzten Feld- und Schleichwege. "Oft haben aber Sheriffs kontrolliert und die Autofahrer angehalten", sagt Jutta Grünewald und schüttelt den Kopf. Die Arzthelferin arbeitet in einer Praxis direkt an der Ortsdurchfahrt. "Unsere Patienten haben sich mit der Sperung arrangiert", erzählt sie. "Keiner ist weggeblieben."

Die Arbeiten wären schneller fertiggestellt worden, "wenn die Archäologen nicht so geguckt hätten", sagt unterdessen der Bürgermeister mit einem Augenzwinkern. Spuren aus der Zeit um 5000 vor Christus wurden im Rahmen der Sanierung gefunden. Altertümliches Straßenpflaster wurde auf 30 Meter freigelegt. Man stieß überraschend auf einen alten Wasserbrunnen "mitten auf der Gass". Der war vermutlich öffentlich und typisch für das Grüninger Versorgungssystem, das bis ins 20. Jahrhundert meist aus eigenen Hausbrunnen bestand.

So herrscht über die beendete Sperrung Freude und Erleichterung. Susanne Weber allerdings widerspricht. "Es ist eine persönliche Sicht", betont die Anwohnerin an der Ortsdurchfahrt. Ihr Schlafzimmer liege direkt an der Straße. In der Zeit der Baustelle ohne jeglichen Autoverkehr sei es abends in den vergangenen zwei Jahren immer ruhig gewesen. "Diese Stille werde ich vermissen."

Quelle: Gießener Allgemeine

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