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Inzwischen gingen erste Hinweise ein. 

Hochzeitskorso

Hochzeitskorso und Bengalos in Lollar: Zuletzt regelmäßiges Problem? 

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Ein Hochzeitskorso hat in den vergangenen Tagen für Diskussionen in Lollar gesorgt. Die CDU spricht vom dritten Vorfall in drei Wochen. 

Lollar - "Das war nicht schön. So was ist nicht gut. Aber wir haben in Lollar kein Sicherheitsproblem!", sagt Bernd Wieczorek mit Bestimmtheit. Der Lollarer Bürgermeister reagiert mit Unverständnis auf die Vorwürfe, die der Stadt nach einem Autokorso anlässlich einer türkischen Hochzeit gemacht werden. Der Autokorso hat am Samstagnachmittag in der Lollarer Innenstadt für Aufmerksamkeit gesorgt - und für eine Debatte in der Bürgerschaft und Teilen der Kommunalpolitik. Denn es wurden wohl mehrfach die Straße und auch Kreuzungen blockiert und wenigstens drei sogenannte Bengalos oder Rauchfackeln abgebrannt. Das hat die Polizei auf den Plan gerufen, die ihrerseits ermittelt. Die Beamten leiteten ein Verfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr sowie wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein. Es sind mittlerweile mehrere Hinweise auf die Hochzeitsfeier eingegangen, die Polizei geht dem nach.

Ein Post der CDU Lollar hat darüber hinaus auf Facebook eine umfangreiche Debatte ausgelöst. Die Christdemokraten werfen da der Stadt Lollar vor, diese tue nichts. Die CDU kritisiert "seit Längerem eine Untätigkeit der Stadt in der Durchsetzung der öffentlichen Ordnung" und sieht "Handlungsbedarf" seitens der Kommunalpolitik. Die CDU berichtet von einem dritten Autokorso an Samstagen in Folge und schreibt von "erheblichen Ausmaßen" in denen solches seit zwei bis drei Jahren vorkomme.

Lollar: Bürgermeister Wieczorek fordert Zivilcourage ein

Bürgermeister Wieczorek weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück: "Ich lasse das so nicht stehen, dass wir nichts tun. Aber das war nicht planbar!" Es fehle der Stadt und den Mitarbeitern des Ordnungsamts schlicht der Ansatz, da zu agieren. Er könne schlecht einen ganzen Samstag Mitarbeiter des Ordnungsamts durch die Stadt patroullieren lassen, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Es helfe auch nicht, sagt der Bürgermeister, hinterher nach der ordnenden Hand der Behörden zu rufen respektive deren Untätigkeit zu beklagen. "Warum hat denn keiner der jetzt Beschwerdeführenden das Kennzeichen notiert und dies weitergegeben? Da wäre Zivilcourage gefragt", meint der Bürgermeister. Er erinnert daran, dass Stadt und Polizei vor ein paar Monaten erst gemeinsam gegen sogenannte Poser vorgegangen sind, die mit ihren teuren Wagen auf den Straßen unterwegs waren. "Wir sind in engem Kontakt, und die Polizei unterstützt uns."

Lollar: "Wir haben nicht mehr und nicht weniger Probleme als andere Kommunen auch"

Grundsätzlich sagt Wieczorek: "Wir haben hier in Lollar kein Sicherheitsproblem." Die CDU habe sich das Thema Sicherheit auf die Fahnen geschrieben, und die Diskussion vermittle den Eindruck, dass die Stadt unsicher sei. "Das ärgert mich, denn das ist nicht so, Wir haben nicht mehr und nicht weniger Probleme als andere Kommunen auch", sagt Wieczorek.

Die Autokorsos haben ihre Wurzeln im Brauchtum, sagt Ahmet Toprak, Autor des in diesem Tagen erscheinenden Buchs "Muslimisch, männlich, desintegriert" im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Die Botschaft der geschmückten Autos, die hupend unterwegs sind: Hier wird geheiratet! Toprak: "Vor Erfindung der Handys und anderer moderner Kommunikationsmittel war das sehr wichtig, um die Dorfgesellschaft auf dieses Ereignis aufmerksam zu machen. Daher komme auch das Schießen." Es sollte laut zugehen, damit auch wirklich jeder es mitbekam. Auch die Straßenblockade geht im Ursprung auf einen alten türkischen Brauch zurück: Dabei versperrten Angehörige der Braut dem Korso den Weg und erwarteten ein kleines Geldgeschenk des Bräutigams. "Erst wenn er sozusagen sein Wegegeld entrichtet hatte, wurde die Straße wieder freigegeben", erklärt Toprak. "Der Bräutigam muss gleichsam für die Braut, die er bei ihren Eltern abgeholt hat, bezahlen."

Quelle: Gießener Allgemeine

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