Alix Dudel (r.) und Sebastian Albert befassen sich mit Mascha Kaléko. FOTO: KJG
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Alix Dudel (r.) und Sebastian Albert befassen sich mit Mascha Kaléko. FOTO: KJG

Traurig, witzig, leise und zart

  • vonKarl-Josef Graf
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Lich(pm). "Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin." So lautet ein Satz in dem Gedicht "Sozusagen grundlos vergnügt" der Lyrikerin Mascha Kaléko. Im Rahmen der Licher Kulturtage fand in der ausverkauften Bezalel-Synagoge in Lich ein Abend mit Liedern und Lyrik von Mascha Kaléko statt. Alix Dudel rezitierte und sang. Sebastian Albert begleitete auf der Gitarre.

Der Abend wurde vom Verein "künstLich" in Zusammenarbeit mit der OVAG und dem Literarischen Zentrum Gießen im Rahmen der Reihe "Literaturversorger" veranstaltet.

Das Duo wechselte zwischen Liedern, vertont von Herbert Baumann und bearbeitet von Sebastian Albert, sowie den Gedichten von Mascha Kaléko und ihrer Lebensgeschichte. Alix Dudel schrieb Briefe an Mascha, um sich mit ihr über ihr Leben auszutauschen. Dabei ließ sie viel Empathie für Kaléko erkennen, berichtete mit Gefühl und detailliert. Vor den Augen des Publikums ent-stand dabei das Bild einer jüdischen Künstlerin, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts geboren wurde, in der Nazi-Zeit nach Amerika fliehen musste und 1956 erstmals wieder nach Deutschland zurückkehrte. Die Anwesenheit von Kaléko war förmlich zu spüren.

Kaléko wurde 1907 in Chrzanów geboren und floh mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, um Pogromen zu entgehen, nach Deutschland, lebte zunächst in Frankfurt, dann in Marburg und später in Berlin. 1929 erschienen ihre ersten Veröffentlichungen. Sie hatte Erfolg und wurde, weil sie Jüdin war, 1935 von der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. Mascha Kaléko emigrierte 1938 über Paris nach Amerika.

In den 1950er Jahren kehrte sie nach Deutschland zurück und sollte den Fontanepreis bekommen, den sie ablehnte, weil ein Jurymitglied in der Nazi-Zeit hoher SS-Offizier war. Mit ihrem Mann ging Kaléko nach Israel und kehrte nie wieder ganz nach Deutschland zurück, obwohl sie in Israel nicht glücklich war.

Alix Dudel sang im Stil der Zwanzigerjahre mit ihrer dunklen Stille die Lieder von Mascha Kaléko, mal traurig, mal witzig, mal leise und zart, mal lauter und ausdrucksstark, mit Sehnsucht und Träumen nach Liebe und Heimat. Das Publikum lauschte ergriffen und spendete begeisterten Beifall. Mit den beiden Zugaben "Bewölkt" und "Blicke" ging für alle ein mitreißender und spannender Musik- und Lyrikabend zu Ende.

Quelle: Gießener Allgemeine

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